Ettringer Kirmes 2026
Feierliche Ettringer Kirmes mit traditionellem Deukarrenrennen und Festprogramm
aus Ettringen
Ettringen. Es ist das Jahr 1861. Der amerikanische Bürgerkrieg beginnt - die erste industrialisierte militärische Auseinandersetzung der Geschichte, Vorbote noch wesentlich grausamerer Verheerungen. Und irgendwo in dem deutschen Flickenteppich aus vielen, oft kleinen, souveränen Einzelstaaten weiht man eine imposante Dorfkirche ein.
Heute wird deren Turm aus dunklem Stein auf einem steilen Hügel flankiert von einem majestätischen Baum, der fast schon in die gleiche Höhe strebt. Und aus der Haupttür des Gotteshauses heraus traten am frühen Samstagabend nach festlichem Gottesdienst Ettringens Ortsbürgermeister Alexander Weber mit Beigeordnetem, vielen Gemeinderatsmitgliedern und drei Altbürgermeistern, mit Verbandsgemeindebürgermeister Timo Kanzinger und Landratsmitglied Martin Reis, um begleitet von der Blaskapelle mit entsprechender Musik, von den Schützen in Uniform, den Bambini der Tanzgruppe und zahlreichen Bürgern feierlich zum Kirmesplatz zu ziehen, wo auf den Ortsbürgermeister eine Aufgabe wartete, die es ohne jene Einweihung von 1861 nicht gäbe. In seiner Ansprache zur Eröffnung der Ettringer Kirmes 2026 erinnerte er daran, dass Kirmes zuerst „ein kirchliches Fest“ sei, wie der Anfang des Wortes andeutet, was im rheinhessischen Wort „Kerwe“ noch deutlicher anklingt, nämlich dass es die Kirchweih zum Anlass hat.
Wie Weber ausführte, bedeutet eine Kirmes heutzutage eine erhebliche organisatorische Anstrengung besonders in puncto Technik, Sicherheit und Verkehrsführung, die die Gemeinde dankenswerterweise nur stemmen kann mit zahlreichen Vereinen und Initiativen. Potenzielle Gefährdungen verhinderten momentan das traditionelle Aufstellen eines Kirmesbaums („Wir haben einfach keinen Platz mehr, um ihn sicher aufzustellen.“), wobei ironischerweise gerade der jüngst installierte künstliche Baum der neuen Sirene vielleicht künftig wieder einen echten Baum ermögliche.
Auch Timo Kanzinger betonte in seinem kurzen Grußwort als Verbandsgemeindebürgermeister, dass die Organisation einer solchen Kirmes im größten Ort der Verbandsgemeinde durchaus keine Leichtigkeit mehr sei. Nach zwei Stücken von der Blaskapelle und einer Tanzvorführung der Bambini der Tanzgruppe zu schmissiger Musik wurde die Kirmes offiziell eröffnet durch Salutschüsse von vier Ettringer Schützen, wobei Bürgermeister Weber hoffte, dass sie nicht noch zufällig das breite Stromkabel hoch über dem Platz treffen würden.. Wieder hatten Hunderte Ettringer es sich nicht nehmen lassen, dieser freudigen und würdigen Eröffnung durch ihr Erscheinen einen entsprechenden Rahmen zu verleihen, bevor man sich auf dem Kirmesplatz der Leichtigkeit des Seins hingab.
Am frühen Nachmittag des Sonntags jedoch versammelte sich eine noch größere Zuschauermenge, um das traditionelle Deukarrenrennen mitzuerleben. Dieses ist inzwischen kein halsbrecherisches Rennen mehr über fast einen Kilometer Hauptstraße mit vorgeschriebener Bierverköstigung in jeder Wirtschaft auf dem Weg, sondern ein entspanntes Schaulaufen über ein beschauliches Stück Straße bis zum Kirmesplatz mit phantasievoll geschmückten Schubkarren oder Wagen von Vereinen und Gruppen – von den Möhnen über den Sportverein bis zum Fördervereins der Grundschule war das ganze Spektrum des Ettringer Vereinslebens vertreten. Das Publikum wusste das genauso zu schätzen wie den Parcours der Bambini, der die Hauptstraße entlang nach ein paar Ballaufgaben zu einem 30 Meter langen Anlauf führte, mit dem bereitliegende Fußbälle in das Netz zweier kleiner Tore gejagt werden sollten – womit das offizielle Rahmenprogramm der Ettringer Kirmes endete. ML
Auch die Bambini der Tanzgruppe gehen mit. Foto: Michael Lohr
Bürgermeister und Pfarrer sind dabei. Foto: Michael Lohr
Die Schützen dürfen nicht fehlen. Foto: Michael Lohr
Fotogalerie: Feierliche Ettringer Kirmes 2026
In Ettringen war das Deukarrenrennen eines der Highlights der Kirmes. Wir haben die Bilder für Euch.
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Die Blaskapelle führt den Zug von der Kirche zum Kirmesplatz an. Foto: Michael Lohr