FWM: 1.700 Hektar Wald – jetzt werden die Weichen gestellt
Mayener Stadtwald bekommt neue Forstplanung für die kommenden zehn Jahre
aus Mayen
Mayen. Fast 1.700 Hektar Wald stehen vor einer neuen Zukunftsplanung. Mit der Einleitungsbesprechung am 8. September 2026 hat die Stadt Mayen die neue Forsteinrichtung für ihren Forstbetrieb auf den Weg gebracht. In den kommenden Monaten wird damit die Grundlage dafür geschaffen, wie der Mayener Stadtwald in den nächsten zehn Jahren bewirtschaftet, entwickelt und an die Herausforderungen des Klimawandels angepasst werden soll.
Zur Besprechung waren die zuständigen Ausschussmitglieder für den Bereich Forst eingeladen. Von den sechs teilnehmenden Ausschussmitgliedern kamen vier aus den Reihen der Freien Wähler Mayen (FWM). Ebenfalls anwesend waren Oberbürgermeister Dirk Meid, Bürgermeister Bernhard Mauel und Ron Conrad, Revierleiter des Forstreviers Mayen. Geleitet wurde die Besprechung von Simon Schmitz, Assessor des Forstdienstes und Projektleiter bei der FoNat GmbH, die mit der Durchführung der Forsteinrichtung beauftragt ist.
Die Dimension der Aufgabe ist beträchtlich: Der Mayener Stadtwald umfasst nach der aktuellen Aufstellung 1.696,24 Hektar, also knapp 17 Quadratkilometer. Jede dieser Flächen wird im Rahmen der Forsteinrichtung betrachtet. Waldbestände werden systematisch erfasst, bewertet und anschließend für die kommenden zehn Jahre geplant. Dabei geht es um weit mehr als die Frage, wie viele Bäume im Wald stehen. Erfasst werden unter anderem Baumarten, Höhen, Bestandsstrukturen und Holzvorräte. Gleichzeitig müssen Antworten auf die Frage gefunden werden, wie der Stadtwald mit den zunehmenden Folgen des Klimawandels umgehen kann und welche Funktionen die einzelnen Waldflächen künftig erfüllen sollen.
„Eine solche Forsteinrichtung ist weit mehr als eine Bestandsaufnahme von Bäumen und Holzvorräten. Sie legt wichtige Grundlagen dafür, wie wir mit unserem Stadtwald in den kommenden zehn Jahren umgehen“, erklärt Hans-Georg Schönberg für die FWM. „Deshalb ist es wichtig, dass neben der wirtschaftlichen Nutzung auch Klimaanpassung, Naturschutz, Erholung und die weiteren Funktionen des Waldes angemessen berücksichtigt werden.“ Eine wichtige Rolle spielt dabei die unterschiedliche Zuordnung der Waldflächen. Unter anderem wird zwischen sogenannten X- und Y-Flächen unterschieden. Vereinfacht gesagt steht bei X-Flächen stärker die reguläre Bewirtschaftung, Pflege und nachhaltige Holznutzung im Mittelpunkt. Bei Y-Flächen können dagegen andere Funktionen – etwa Naturschutz, Schutzfunktionen, Stilllegung oder infrastrukturelle Belange – eine größere Bedeutung haben.
Genau hier sieht die FWM eine wichtige Aufgabe der neuen Forstplanung: Die unterschiedlichen Interessen und Funktionen des Waldes müssen transparent gegeneinander abgewogen werden. „Wir wollen nachvollziehen können, welche Ziele für die einzelnen Flächen vorgesehen sind und wie diese Ziele begründet werden“, so Schönberg. „Der Wald darf nicht ausschließlich aus der Perspektive der Holznutzung betrachtet werden. Gleichzeitig darf aber auch seine wirtschaftliche Bedeutung für die Stadt nicht ausgeblendet werden.“
Dass langfristige Entscheidungen über Waldflächen gut begründet sein müssen, wissen die FWM auch aus ihrer bisherigen politischen Arbeit. Bereits 2015 hatte sich die FWM-Fraktion im Zusammenhang mit der möglichen Einrichtung eines Bestattungswaldes am Fünfkantenstein intensiv mit der zukünftigen Nutzung von Waldflächen beschäftigt. Schon damals vertraten die Freien Wähler die Auffassung, dass zusätzliche Nutzungen mit dem jeweils geltenden Forsteinrichtungswerk vereinbar sein müssen.
„Wir haben schon damals darauf hingewiesen, dass Entscheidungen über einzelne Waldflächen nicht losgelöst von der langfristigen Forstplanung getroffen werden sollten. Genau deshalb ist die jetzt beginnende Forsteinrichtung so wichtig“, erinnert Schönberg. Die FWM begrüßen außerdem die Möglichkeit, die weitere Arbeit nicht nur anhand von Zahlen und Tabellen zu begleiten. Simon Schmitz hat die Ausschussmitglieder zu einer Waldbegehung eingeladen. Dabei soll unter anderem erläutert werden, wie die Inventur praktisch durchgeführt wird, wie Waldbestände beurteilt werden und welche unterschiedlichen Anforderungen bei der Bewirtschaftung zu berücksichtigen sind.
„Gerade bei einer so umfangreichen Planung ist es wichtig, sich auch direkt vor Ort ein Bild zu machen. Wenn wir im Wald sehen, wie Bestände beurteilt werden und welche unterschiedlichen Situationen vorliegen, wird vieles verständlicher“, so Schönberg. Die eigentliche Inventur und Einzelplanung wird sich über die kommenden Monate erstrecken. Spätestens bis Mitte Mai 2027 soll die neue Forstplanung dem Stadtrat vorgestellt werden. Anschließend soll der Stadtrat über deren Annahme entscheiden. Damit beginnt für Mayen ein Prozess, der weit über eine reine Bestandsaufnahme hinausgeht. In den kommenden Monaten wird sich zunehmend zeigen, welche Ziele für die einzelnen Waldflächen formuliert werden und welche Schwerpunkte der Stadtwald künftig erfüllen soll.
Für die FWM steht dabei fest: Die jetzt getroffenen planerischen Entscheidungen wirken weit über die kommenden Jahre hinaus. „Der Wald, den wir heute planen, soll auch für kommende Generationen stabil, leistungsfähig und lebenswert bleiben. Deshalb brauchen wir eine Forstplanung, die wirtschaftliche Vernunft mit ökologischer Verantwortung und einer vorausschauenden Anpassung an den Klimawandel verbindet“, fasst Hans-Georg Schönberg die Position der FWM zusammen.
Pressemitteilung FWM
Mit der neuen Forsteinrichtung beginnt nun die Planung für die kommenden zehn Jahre. Foto: Hans-Georg Schönberg
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Wald im Mittelpunkt: Bei der Waldbegehung am 11. Juni 2025 machten sich Mitglieder des Stadtrates, Oberbürgermeister Dirk Meid, der damalige und der heutige Revierförster sowie zahlreiche interessierte Bürgerinnen und Bürger vor Ort ein Bild vom Mayener Stadtwald. Foto: Hans-Georg Schönberg