Krimi Präsentation Mendig
Hans Astors Krimi „Wolfsstunde“ im Mendiger Lava-Dome vorgestellt
aus Ettringen
Mendig. Die Wege der Eingebung sind unergründlich. Was letztlich gerade bei der Lektüre von Anselm Grün den vielseitigen Mendiger Hans Astor mit über 40 dazu bewegte, Romane zu schreiben, bleibt von außen schwer nachvollziehbar.
Und dass den Eifler ein Mönch auf das Schreiben ausgerechnet von Krimis brachte, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Jedenfalls ist Astor damals sofort kreativ geworden und es 20 Jahre lang auch geblieben. Sein nach eigener Aussage letzter Krimi, „Wolfsstunde“, jüngst erschienen, wurde nun im Mendiger Lava-Dome vorgestellt, und zwar in einer ungewöhnlichen Form, die freilich zu verschiedenen, meist sehr originellen Rahmen der Präsentation passte, die der Autor schon früher für seine Werke oft gewählt hatte. Diesmal wurde ihm zumindest zum Teil dieser Wahl genommen, denn aus Krankheitsgründen konnte er weder öffentlich lesen noch selbst an der Veranstaltung teilnehmen, was er in einem Grußwort unendlich bedauerte.
Professionelle Wegbegleiter und Freunde hatten es übernommen, die Vorstellung per Videos zu inszenieren. Nach einem Grußwort des Verbandsgemeindebürgermeisters Jörg Lempertz, einem offensichtlichen Förderer und großen Liebhaber von Astors Romanen, war zunächst ein kurzes Interview von Stefan Pauly mit dem Autor zu sehen, bevor Szenen aus dem Roman comicähnlich, aber in der seriöseren Optik eines echten Films, also quasifilmisch dargestellt wurden, und so montiert und mit gesprochenem Text unterlegt, dass sie – ähnlich wie in einer guten Lesung – als Ausschnitte gleichermaßen einen Eindruck vom Geschehen vermittelten, nicht genug verrieten und gerade dadurch Lust auf die Lektüre weckten. So viel sei gesagt: Es geht um das Wiederauftreten des Wolfs in unserer Gegend, um den Konflikt zwischen Tierschützern, Viehzüchtern und Trophäenjägern, die bestellte Schützen zur „Wolfsstunde“ (drei Uhr nachts) ansitzen lassen, wenn die scheuen Rudel am aktivsten sind.
Ihre schon langjährige Freude an Hans Astors Werken insgesamt bewiesen die Redebeiträge von Jörg Lempertz, Astors Lektorin Anita Schlich-Reuter und Stefan Pauly, die immer wieder auf den Einfalls- und Ideenreichtum des Schriftstellers Astors hinwiesen sowie auf dessen Motto, dass die Phantasie zu recherchierten Realität des Themas passen müsse; die Lektorin schilderte, wie oft sie Elemente der Handlung im Manuskript zunächst als „unlogisch“ anstreiche, nur um nachher festzustellen, dass der Autor die Plausibilität durch einen überraschenden Dreh später im Roman wieder herstelle. Das Buch selbst, am Abend der Präsentation im Lava-Dome auch käuflich zu erwerben, offenbart in der Tat das erzählerische Geschick, die ungeheure Arbeit und Disziplin hinter dieser scheinbar so mühelos zusammengestrickten Handlung voller fast aberwitzigen Wendungen und völlig plausiblem Lokalkolorit zwischen der Blumenrather Heide hinter Kürrenberg bis zu einem Tunnel in Andernach. Angesichts der immensen Recherche- und Denkarbeit im Detail bei einem solchen Werk kann man sich gut ausmalen, dass sich der erkrankte Autor zunächst schon diesen Krimi eigentlich nicht mehr zu schreiben zugetraut hatte. Seine Freunde und Förderer glauben indes dank Hans Astors unbändiger Kreativität noch nicht so recht daran, dass „Wolfsstunde“ wirklich sein letztes Buch gewesen sein soll. ML
Verbandsgemeindebürgermeister Jörg Lempertz kann guten Gewissens den Roman mit soviel Osteifler Lokalkolorit empfehlen. Foto: Michael Lohr
Gruppenbild leider ohne (den erkrankten) Autor: Die Mitwirkenden, Förderer, Iniatoren, Gestalter und Durchführenden der ungewöhnlichen Buchvorstellung im Eingangsbereich des Lava-Domes Foto: Michael Lohr
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Verbandsgemeindebürgermeister Jörg Lempertz sprach ein Grußwort. Foto: Michael Lohr