Im Alten Arresthaus wurde die „Heinrich Thiel Ausstellung“feierlich eröffnet
In Erinnerung an das alte Mayen
Mayen. 110 Jahre wäre er geworden, der "Mayener Jung" Heinrich Thiel. Immer mit einem Stück Papier, dem Deckel eines Schuhkartons und einem kurzen Bleistift bewaffnet, sah man ihn in seiner geliebten Heimatstadt fast unscheinbar wirkend zwischen Burg und Brückentor unterwegs. Doch wer genau hinsah, der merkte, dass Thiel sich Skizzen machte. Vorlagen, in denen er „sein“ Mayen festhielt und aus denen er wunderbare bunte Bildwerke entstehen ließ.
Auch meine Person hatte vor vielen Jahren, als einer der Dekorateure im Kaufhaus Küster, öfters mit dem oft verkannten Mayener Genie zu tun. Dann, wenn er kam, und uns bat: „Hätt ihr vielleicht noch e paar Päppchje oder jet Farf für mech?“, die wir ihm, da immer Reste vorhanden waren, auch in seine mitgebrachten Döschen füllten und mitgaben. Allerdings ahnten auch wir nichts von der großen Fähigkeit dieses bescheidenen Mannes, dessen Bilder erst jetzt nach seinem Tod immer mehr Beachtung finden, wie auch bei der Eröffnung der „Heinrich Thiel Ausstellung“ im Alten Arresthaus mit vielen Gästen, darunter der Kreisbeigeordnete Rolf Schäfer, der Vorstandsvorsitzende der KSK, Karl Josef Esch, Vertreter des Mayener Stadtrates und der Künstlergemeinschaft Augstmühle.
Lebensgeschichte in Farben
Besonders erfreut über die Ehrung Heinrich Thiels waren seine anwesenden Kinder Elisabeth und Heinz-Konrad: „Unser Vater war immer ein bescheidener und vor allen Dingen frommer Mensch. Wenn man sein Vertrauen erwarb, dann war er auch sehr aufgeschlossen. Dann 'sprudelte' es aus ihm heraus, meist ging es um seine Kunst“. Der gelernte Bäcker Heinrich Thiel führte nach dem ersten Weltkrieg den Schuhmacherbetrieb seines Vaters fort. Seine Liebe galt aber der Fotografie und der Schöpfung vieler farbenfroher Aquarell-Bilder.
Für den Bürgermeister der Stadt, Rolf Schumacher, der die Vernissage eröffnete, stand fest - das, was an den Wänden präsentiert werde, bedeute ein großes Stück Leben innerhalb der Eifelstadt: „Ich freue mich, das diese Thiel Bilderschau hier im Alten Mayener Arresthaus zu sehen ist. Hier, wo die Menschen sicherlich beim Anblick der Bildwerke in Erinnerung schwelgen. Diese anmutenden Bilder, diese Sinnesausdrücke, das ist die Lebensgeschichte in Farben, das ist die Geschichte Mayens. Als 'Mayener Jung' beeindruckt es mich ganz besonders, in seinen im naiven Malstil gehaltenen Bildern Lebens- und Straßenszenen, überfüllte Märkte, Volksfeste, Prozessionen oder gar heute vielfach verschwundene Straßenszenen, Häuser und Hinterhöfe zu sehen“.
Schumacher dankte besonders dem anwesenden Mayener Oberbürgermeister a. D., Günter Laux, der 1999 anlässlich seines 50. Geburtstages zu einer Spendenaktion zum Ankauf der Gemäldesammlung aufgerufen hatte, um so den künstlerischen Nachlass für die Stadt zu erhalten.
Und in der Tat, viele der anwesenden Gäste hatten noch gute Erinnerungen an Heinrich Thiel: „Jenau bee et woor - dee Arche“, der „Zehnthoff“, datt „Gesellenhaus“, dee „Hausener Setz“, et „Müller Scharfeck“, der „Eisweiher an de „Papiermüll“, dee „Fronleichnamsprozession“ und vieles mehr. Und dann wurde eine Besucherin ganz still, als sie sich „Die Herbergssuche“ ansah, wohl eines der markantesten Bildwerke Thiels, in dem er die Flucht und die Suche nach einer Unterkunft vieler Mayener in schwersten Kriegstagen festhielt. „Dieses Bild hat einen wahren Symbolcharakter. Auch für die Menschen, die heute durch Krieg bedingt auf der Flucht sind".
Im Ruhestand entdeckte Thiel seine künstlerische Ader
Für die anwesenden Kinder des Malers, Tochter Elisabeth und Sohn Heinz-Konrad, war es eine Freude, die Begeisterung der Besucher über des Vaters Werke anzusehen. Der 1899 geborene und mit 94 Jahren verstorbene Künstler hatte zu Beginn seines Ruhestandes mit 65 Jahren seine künstlerische Ader entdeckt und dann in bunten Bilddokumenten seine große Liebe zur Heimatstadt ausgedrückt. "Wir denken, dies hat ihm viel Freude gemacht, es war für ihn wie eine Erfüllung, wie Medizin, darum hat er auch sicherlich dieses hohe Alter erreicht. Wir können froh und dankbar sein, dass wir so viel schöne Bilder für die Nachwelt erhalten konnten". 1988, so erinnerten sich beide, fertigte die Mayener Werbegemeinschaft einen Kalender mit Bildern Thiels, das Heimatjahrbuch des Kreises wählte seine Mayener Ansichten als Titelbild, aber auch die Kreissparkasse Mayen hatte die Fähigkeiten des Urmayeners erkannt und ihm im Jahre 1990 eine Einzelausstellung „Aus Liebe zu Mayen“ gewidmet. Damals saß er inmitten „seiner“ Bilderschau und den vielen begeisterten Gästen und war einfach nur „glücklich“. Später würdigten die Verantwortlichen im Mayener AWO Seniorenzentrum, das Wirken Heinrich Thiels mit einer Bilderschau.
Nun gibt es im Alten Arresthaus eine weitere bunte Präsentation der Erinnerung mit vielen künstlerisch wertvollen Bildwerken, die es wert sind, angesehen zu werden. Wie sagte doch bei der Vernissage ein „Kär Mayener“: „Heut können mir uss all esu richtesch erfreue - an denne schöne Bilda vom Aale Maye“. Und darüber hätte auch Heinrich Thiel wohl auf seine verschmitzte Art geschmunzelt.
Freuten sich über die große Resonanz (v.l.): Elisabeth Thiel, Heinz-Konrad Thiel, Bürgermeister Rolf Schumacher und die Mayener Malerin Marika Kohlhaas mit dem wohl berühmtesten Bild Heinrich Thiels. Fotos: BS
Es ist eine Ausstellung voller Erinnerungen, auch für die Kinder des Malers, Heinz-Konrad und Elisabeth.
Das wohl markanteste Bild des Malers ist die „Herbergssuche“.
Viel Applaus gab es für den bereits verstorbenen Künstler und seine Werke.