Erfolgreiche Integration ins Berufsleben
Wie Herr E. in Mayen nach langer Zeit den Weg ins Berufsleben fand
aus Kruft
Mayen. Als Herr E. heute morgens zur Arbeit fährt, ist das für viele Menschen etwas völlig Alltägliches. Für ihn bedeutet es deutlich mehr. Denn noch vor wenigen Jahren schien ein Weg zurück ins Berufsleben kaum vorstellbar.
Heute arbeitet der 49-Jährige als Betreuungsassistent in einem Seniorenzentrum. Die Arbeit mit älteren Menschen erfüllt ihn, die Probezeit hat er erfolgreich bestanden und er blickt optimistisch in die Zukunft. Doch hinter diesem Erfolg steht ein langer Weg – geprägt von Rückschlägen, Selbstzweifeln, kleinen Fortschritten und dem Mut, immer wieder neu anzufangen.
Nach dem Verlust seiner früheren Beschäftigung geriet Herr E. zunehmend in einen Kreislauf aus Rückzug und Perspektivlosigkeit. Über viele Jahre zog er sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurück. Fehlende Tagesstruktur, gesundheitliche Belastungen und persönliche Herausforderungen erschwerten den Weg zurück in Beschäftigung.
„Ich habe diese Zeit rückblickend immer als mein finsteres Mittelalter bezeichnet“, erzählt Herr E. „Ich habe mich immer weiter zurückgezogen und mir selbst viele Steine in den Weg gelegt.“
Obwohl Familie, Freunde und das Jobcenter ihn über Jahre unterstützten, gelang es zunächst nicht, diesen Kreislauf dauerhaft zu durchbrechen. Die Bereitschaft zur Veränderung war grundsätzlich vorhanden – doch der entscheidende Schritt fiel immer wieder schwer.
Genau hier setzte die Arbeit des Fallmanagements an.
Über mehrere Jahre hinweg begleitete Fallmanager Herr K. Herrn E. mit regelmäßigen Gesprächen, individueller Beratung und passgenauen Unterstützungsangeboten. Dabei ging es zunächst nicht um eine schnelle Vermittlung in Arbeit. Im Mittelpunkt stand vielmehr die Stabilisierung der persönlichen Situation, die Entwicklung neuer Perspektiven und der Aufbau von Vertrauen.
„Manchmal muss zunächst das Fundament geschaffen werden, bevor berufliche Integration gelingen kann“, erklärt Herr K. „Entscheidend war, dass wir nie aufgehört haben, im Gespräch zu bleiben und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.“
Der Weg zurück verlief dabei nicht geradlinig. Gemeinsam mit dem Fallmanagement wurden über die Jahre unterschiedliche Projekte und Maßnahmen genutzt, die Herrn E. Schritt für Schritt wieder an den Arbeitsmarkt heranführten.
Ein besonderer Meilenstein war ein sechswöchiger Auslandsaufenthalt im Rahmen eines Projekts in Tallinn (Estland). Dort arbeitete Herr E. an der Rezeption eines Hotels und betreute internationale Gäste überwiegend in englischer Sprache. Die Erfahrung gab ihm neues Selbstvertrauen und zeigte ihm, dass er sich auch außerhalb seiner gewohnten Umgebung neuen Herausforderungen stellen kann.
Es folgten weitere Projekte und Arbeitsgelegenheiten. Über einen längeren Zeitraum war Herr E. im Rahmen eines Projekts des CJD Montabaur tätig. Dabei übernahm er unterschiedliche gemeinnützige Aufgaben – unter anderem Landschaftspflegearbeiten sowie die Sammlung und Entsorgung von Elektroschrott in der Region. Auch wenn diese Stationen noch nicht unmittelbar in eine feste Beschäftigung führten, stärkten sie seine Tagesstruktur, seine Verlässlichkeit und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
„Nicht jede Maßnahme führt direkt in einen Arbeitsplatz“, sagt Herr K. „Aber jede Erfahrung kann ein wichtiger Baustein auf dem Weg dorthin sein. Entscheidend ist, gemeinsam dranzubleiben und den nächsten Schritt zu gehen.“
Parallel dazu nahm Herr E. therapeutische Unterstützung in Anspruch und setzte sich intensiv mit den Ursachen seines langjährigen Rückzugs auseinander. In einem Coaching kristallisierte sich schließlich ein neues berufliches Ziel heraus: die Arbeit als Betreuungsassistent.
„Im Rückblick frage ich mich manchmal: Warum nicht früher? Heute weiß ich, dass ich manche Dinge erst aufarbeiten musste, bevor ich den nächsten Schritt gehen konnte“, sagt Herr E.
Mit Unterstützung des Jobcenters absolvierte er eine geförderte Qualifizierung zum Betreuungsassistenten. Anschließend sammelte er praktische Erfahrungen in einem Seniorenzentrum. Schnell wurde deutlich, dass die Tätigkeit hervorragend zu seinen Fähigkeiten passt. Der Umgang mit Menschen, die Verantwortung und die positiven Rückmeldungen stärkten sein Selbstvertrauen nachhaltig.
Aus den ersten Praxiseinsätzen entwickelte sich schließlich eine feste Beschäftigung.
Heute begleitet Herr E. Seniorinnen und Senioren im Alltag und erlebt seine Arbeit als sinnstiftend und erfüllend. Die positiven Rückmeldungen der betreuten Menschen sowie seiner Kolleginnen und Kollegen bestätigen ihn jeden Tag aufs Neue.
Auch nach der Arbeitsaufnahme blieb das Jobcenter Ansprechpartner. Die weitere Begleitung half dabei, den Übergang in die Beschäftigung erfolgreich zu gestalten und neue Sicherheit aufzubauen.
Für Herrn E. ist der Weg noch nicht abgeschlossen. Perspektivisch möchte er seine Arbeitszeit weiter ausbauen und langfristig vollständig unabhängig von Unterstützungsleistungen werden.
Seine wichtigste Botschaft richtet er an Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden:
„Hilfe anzunehmen ist keine Schwäche. Man muss den ersten Schritt machen und dranbleiben. Aufgeben ist keine Option. Beharrlichkeit und Geduld zahlen sich aus.“
Die Geschichte von Herrn E. zeigt, dass berufliche Integration nicht immer geradlinig verläuft. Manchmal braucht es Zeit, Vertrauen, individuelle Unterstützung und Menschen, die bereit sind, gemeinsam an einer Perspektive zu arbeiten. Genau darin liegt die Stärke des Fallmanagements.
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Herr K. Fallmanger Jobcenter Landkreis-Mayen Koblenz und Herr E. im Beratungsgespräch Foto: Daisy Hansen
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