Ein Blick hinter die Kulissen des Eifelarchivs
Zeitreise in die fünfziger Jahre von Mayen
Im Eifelarchiv sind Bilder von Walter Richter zu sehen
Mayen. Einen Blick hinter die Kulissen gewährt das Eifelarchiv am kommenden Sonntag, 14. September, aus Anlass des Stein- & Burgfestes. Dann, wenn am „Tag des offenen Denkmals“ die Räume des Alten Arresthauses geöffnet sind, will auch das Archiv seine Schätze zeigen.
Das seit dem vergangenen November konstituierte Eifelarchiv besteht aus den selbstständigen Archiven der Stadt Mayen, der Verbandsgemeinde Vordereifel und des Geschichts- & Altertumsvereins (GAV). Die hier verwahrten Archivalien stammen überwiegend aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Doch statt verstaubter Akten will das Archiv einen Ausschnitt aus seinen reichhaltigen Fotobeständen zeigen.
Zu den besonderen „Kostbarkeiten“ unter den historischen Fotos zählt der fast geschlossen erhaltene Bestand des Fotomeisters und Fotohändlers Walter Richter (1914-1999), in Mayen kurz und bündig bekannt unter dem Namen „Foto-Richter“. Richter führte nach dem Krieg ein Fotoatelier in der „neuen“ Marktstraße. Er rühmte sich als Mayens damals ältestes Fotohaus. 1882 war die Werkstatt von einem seiner Vorgänger, W. Erlemann aus Koblenz gegründet worden. 1892 übernahm der bis heute unvergessene Rudolf Böhm (1868-1954) das Atelier, welches zunächst am Brückentor ansässig war, bevor es in die Koblenzer Straße umzog. Walter Richter übernahm nach dem Krieg Böhms Werkstatt und wagte in der verlängerten Marktstraße einen Neuanfang.
Das Eifelarchiv verfügt über umfangreiche Bestände sowohl über private Auftragsarbeiten als auch über Dokumentationen des gesellschaftlichen Lebens in Mayen in den 50er Jahren. Vor allem die letzt genannten Bestände, rund 15.000 Fotonegative, sind durch glückliche Umstände erhalten geblieben. In mühevoller Kleinarbeit wurden die Kleinbild-Negativfilme gescannt und digital gesichert. Eine inhaltliche Erschließung dieses Bestandes wird noch Jahre andauern.
Eine kleine Auswahl von Bildern soll aber schon während des Stein- & Burgfestes, sonntags, am Tag des offenen Denkmals und des offenen Archivs gezeigt werden. Bei der Besichtigung von Gebäude und Archiv ist an mehreren Stationen eine thematisch gegliederte Zusammenstellung zu sehen. An Bildschirmen und Leinwänden ziehen Fotos aus den Jahren nach Abschluss der ersten Wiederaufbauwelle vor den Augen des Betrachters vorbei.
Ob aus dem kirchlichen Leben und den mit großer Anteilnahme der Bevölkerung abgehaltenen Prozessionen, dem Wiederaufbau der Kirchen und Häuser, ob aus dem städtischen Geschehen, der wieder aufkeimenden Fastnacht, viel beachteten Seifenkistenrennen, oder aus dem Alltag, mit banalen Autounfällen oder den so populären Wald- und Wiesenfesten – die Fotos Walter Richters zeigen eine Stadt und ihre Menschen auf dem Weg zurück in die Normalität nach der Katastrophe der Kriegs- und Nachkriegsjahre. Die Bilder haben eine eigenartige Stimmung zwischen Nachdenklichkeit und Aufatmen. Es ist eine kleine Reise in die Zeit, an die sich jedes Jahr aus Anlass des Stein- & Burgfestes ganz Mayen erinnert.
Das Eifelarchiv zeigt eine Auswahl der Bilder von Walter Richter
Am Sonntag, 14. September, von 11 Uhr bis 17 Uhr, im Alten Arresthaus, 1. Obergeschoss, Eifelarchiv.
Ein kleiner Vorgeschmack auf Walter Richters Bilder ist auf der Homepage des GAV - www.gavmayen.de - und in Facebook - www.facebook.com/gavmayen - zu finden. Pressemitteilung
Geschichts- & Altertumsverein
für Mayen und Umgebung e.V.
Feiern unter freiem Himmel: das Stein- & Burgfest auf dem Marktplatz; aus dem Marktbrunnen wurde ein Bierbrunnen.
Eifelarchiv, Foto: Walter Richter
Die zunehmende Motorisierung und ihre Folgen: Verkehrsunfall im Entenpfuhl; an den Fahrzeugen das alte Kfz-Kennzeichen „FR“ für französisches Rheinland. Eifelarchiv, Foto: Walter Richter
