Zeitreise einer Kirchengeschichte mit Weinbegleitung
Zwei Kirchen, eine Gemeinde: Die Historie der Gotteshäuser in Kehrig
aus Mayen
Ein Abend für alle Sinne: Am Freitag, 16. Oktober lud das Team der kirchRAUMpilot* innen in die Kirche nach Kehrig ein. Unter dem Titel „Die Geschichte der zwei Kehriger Kirchen“ gab es einen Bildvortrag mit Weinprobe. Rund 60 Personen sind der Einladung zu diesem Abend gefolgt. Es wurden verschiedene Bistumsweine und Weine von der Untermosel gereicht, so dass die historischen Eindrücke in gemütlicher Runde nachwirken konnten.
Heinz Fuhrmann und Alfred May führten durch den Abend. Mit viel Recherche und Herzblut hatten sie die Geschichte der beiden Kirchen aufgearbeitet und nahmen die Gäste mit auf eine spannende Zeitreise. Alte Aufnahmen und Luftbilder machten die Entwicklung des Ortes anschaulich. Besonderes Staunen löste ein archäologischer Befund aus: Das Gräberfeld belegt, dass Kehrig bereits spätestens zur Karolingerzeit, also um 800 n. Chr. einen christlichen Friedhof hatte.
Ein besonderes Highlight waren die historischen Quellen, die Heinz Fuhrmann und Alfred May zusammengetragen hatten. Ein Fragebogen an den damaligen Pfarrer Pillicher, den dieser 1847 beantwortete, gab Einblick in den Zustand der Kirchen im 19. Jahrhundert. Danach befanden sich innerhalb der Pfarrei Kehrig die Pfarrkirche und die Kapelle zu Gering. Beide Gebäude bezeichnete der Pfarrer als sehr alt, ihre Entstehungszeit ließ sich damals nicht mehr genau bestimmen.
Die äußere Struktur deutete auf den Übergang vom Rund- zum Spitzbogen hin, also etwa auf die Zeit um 1200. Bei beiden Bauten schloss der Chor im Halbkreisbogen. Auch die Maße hielt der Pfarrer fest. Die Pfarrkirche war ohne Turm 56 Fuß (ca. 17,07 Meter) lang und 28 Fuß (ca. 8,53 Meter) breit, die Kapelle in Gering 44 Fuß (ca. 13,41 Meter) lang und 22 Fuß (ca. 6,71 Meter) breit.
Neben den schriftlichen Zeugnissen sorgten historische Fotografien für Staunen und Erinnerungen im Publikum. Zu sehen waren der frühere Altarraum mit seinem neugotischen Altaraufbau und eine Gruppe junger Menschen vor einem festlich mit Blumen und Girlanden geschmückten Altar. Manch einer im Saal erkannte vertraute Gesichter wieder und die ein oder andere Erinnerung an längst verstorbene Menschen kam auf.
Geplant waren zwei Stunden, am Ende wurden es drei. Das Interesse war so groß, dass sich immer wieder Fragen und lebhafte Diskussionen ergaben. Viele Besucher steuerten eigene Erinnerungen und Geschichten bei.
Als Gäste begrüßten die Veranstalter unter anderem Verbandsbürgermeister Timo Kanzinger und Markus Hermann von der Verbandsgemeinde Vordereifel. Ebenfalls dabei waren Lioba Speer von der Hochschule Koblenz, Gatien Ebenezer Njoume vom Bistum Trier und Dekan Jörg Schuh vom Leitungsteam des Pastoralen Raum Mayen.
Der Abend war zugleich ein Beispiel dafür, was das Projekt kirchRAUMpilot*innen will. Es probiert und initiiert neue soziale Treffpunkte in Kirchengebäuden in der Verbandsgemeinde Vordereifel, um traditionelle Orte der Gemeinschaft neu zu denken und zukunftsfähig zu machen. Das Projekt läuft von Oktober 2025 bis Ende Juni 2027 und wird von der Hochschule Koblenz, der Verbandsgemeinde Vordereifel und dem Bistum Trier getragen.
Gefördert wird es aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat. Wie lebendig die Projekte bereits sind, zeigte eine Stellwand, die im Rahmen einer Befragung der Hochschule Koblenz aufgestellt wurde. Hier konnten die Gäste mit grünen Smileys ihre Favoriten wählen. Das „Kultur-Café Kehrig“, den „Kinder-Kreativ-Raum“ und den „Bücherwurm unter’m Kirchenturm“ standen zur Auswahl.
Zum Abschluss der Veranstaltung fand Dekan Jörg Schuh noch Worte des Dankes an die beiden Referenten und die kirchRAUMpilot*innen. Er betonte wie wichtig es ist, dass Menschen sich engagieren. Egal ob in Kirche, Vereinen oder Projekten wie das der „kirchRAUMpilot*innen“; alles lebt davon, dass Menschen sich einbringen, Menschen sich zeigen, einsetzen und andere damit vielleicht sogar motivieren.
Ein interessanter Abend, der gezeigt hat wie viel Geschichte und Gemeinschaft in dem kleinen Ort Kehrig und seinen Kirchen steckt. Bei einem letzten Glas Wein blieben viele Besucher noch lange im Gespräch. Auch zeigt ein solcher Abend, wie wichtig es ist, dass „Kirche im Dorf bleibt“ und sie sowohl für den Gottesdienstbesuch, aber auch für schöne gemeinschaftliche Veranstaltungen JEDEM Menschen offensteht. Bericht und Fotos: Martina Wolf
Viele Gäste waren der Einladung gefolgt und erfreuten sich an den historischen Beiträgen der zwei Kehriger Kirchen. Foto: Martina Wolf
Ein Blick zurück in die Geschichte: Heinz Fuhrmann (links) und Alfred May (rechts) führten als Moderations-Duo durch die spannende Historie rund um die zwei Kehriger Kirchen. Foto: Martina Wolf
Dekan Jörg Schuh vom Leitungsteam Pastoraler Raum Mayen beendet mit seinem Schlusswort den historischen Abend der zwei Kehriger Kirchen und dankt allen, die dieses Projekt ermöglicht haben, und den zahlreichen interessierten Gästen für ihr Kommen. Foto: Martina Wolf
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Altes Bildmaterial weckt auf der Leinwand Erinnungen an vergangene Zeiten. Foto: Martina Wolf