An der Unterdorfstraße rückten Bagger an
Anlieger sind unzufrieden mit der Stadt
Nach 14 Jahren könnte der Streit um den Bebauungsplan in Ersdorf beigelegt werden
Meckenheim-Ersdorf. Nein, die Anlieger sind nicht zufrieden. Obwohl am Montag die Baumaschinen an der Unterdorfstraße anrückten und damit ein Schlusspunkt unter einen 14-jährigen Streit gesetzt werden könnte. Im städtischen Stadtentwicklungsausschuss hatte der Technische Beigeordnete Heinz Peter Witt auf Nachfrage der Bürger für Meckenheim angekündigt, dass Anfang dieser Woche mit der Umsetzung des neuen Bebauungsplanes an der Unterdorfstraße in Ersdorf begonnen werde. Ein schier unendliches Hickhack war den Arbeiten vorausgegangen. Neue Bebauungspläne, verstrichene Fristen, persönliche Angriffe und Unterstellungen, Gerichtsverhandlung und viel Arbeit für die Post mit ungezähltem Briefverkehr waren den nun begonnenen Arbeiten vorausgegangen. Da sind die etwa 40 betroffenen Anlieger doch glücklich, könnte man meinen. „Wir sind sauer auf die Stadt und auf große Teile der Politik“, meinten bei einem Ortstermin Marcus Knopp sowie Bernd und Kerstin Seehafer. Denn was wie ein Erfolg aussieht, nämlich dass nun mit der Umsetzung des Bebauungsplanes begonnen wurde, ist ein Scheinerfolg. Denn die Anlieger hatten sich eine andere Lösung erhofft, was auch in den ersten Planungen der Stadt manifestiert war: Eine fünf Meter breite Zufahrt zu den in zweiter Reihe stehenden zwei Wohnhäusern sollte hergerichtet werden, dazu sollten acht Parkplätze die in der Anliegerstraße prekäre Parksituation entschärfen. Nun sind es gerade mal sechs Parkplätze, die erst im Laufe der Zeit kommen sollen, die Erschließungsstraße ist nur noch drei Meter breit.
Die „unendliche Geschichte“
Begonnen hatte das Ersdorfer „Drama“ 1999/2000, damals hatten junge Familien vom Verein Gefährdetenhilfe an der Unterdorfstraße Immobilien gekauft. Grundvoraussetzung für den Erwerb war der damals geltende Bebauungsplan, nach dem eine dort befindliche „Werkstatthalle“ abgerissen und der ungepflasterte Weg zu den hinteren zwei Grundstücken fünf Meter breit ausgebaut werden sollte.
Der Verein ging dann in Insolvenz, ein Privatmann ersteigerte das Gewerbegrundstück im Mischgebiet. Selbst gerichtliche Auseinandersetzungen blieben erfolglos, die Baulasten umzusetzen. Im ersten Bebauungsplan waren an der Erschließungsstraße acht Parkplätze vorgesehen, die Zahl wurde nun reduziert. Denn nach heftigen Diskussionen in Ausschüssen und Stadtrat, wobei Ortsvorsteher Ferdi Koll (CDU) erst gegen, dann für eine Änderung des alten Planes stimmte, wurden die Breite der Straße und die Zahl der Stellplätze verringert. „Das Parken wurde direkt den Grundstücken zugeordnet und sind so der Gemeinschaft nicht mehr uneingeschränkt zugänglich“, erklärte Marcus Knopp. Bernd und Kerstin Seehafer beklagten sich, die Erschließungsstraße sei mit ihren drei Metern Breite viel zu schmal: „Der Investor des Nachbargrundstückes hat seine Werkhalle an ein Unternehmen vermietet, das regen LKW-Verkehr mit sich brachte. Außerdem wurde ein großes Rolltor als Zufahrt von der Seite errichtet. Unser Carport ist schon mehrfach stark beschädigt worden.“ Wahllos und entgegen der Straßenverkehrsordnung stellten einige Mitarbeiter des Unternehmens ihre Autos an der Unterdorfstraße ab und sorgten so für Verkehrschaos und versperrten Zufahrten. Die Verkehrsbelastung an der Anliegerstraße habe erheblich zugenommen.
Ein geplanter Spielplatz ist inzwischen aus der Planung gestrichen. Die Anlieger nahmen es gelassen: „Unsere Kinder sind ja schon fast groß.“ Lediglich sechs Kinder seien unter zehn Jahren, da könne man auf den Platz wohl verzichten und andere Spielmöglichkeiten in Ersdorf nutzen.
Fristen nicht eingehalten
Nutzen können die Anwohner allerdings nicht die Randstreifen zum Parken, nicht die Stichstraße, nicht den Spielplatz. Der Investor, der das Grundstück mit der Halle ersteigert hatte, hatte von der Stadt eine Frist gestellt bekommen, bis zum 24. Januar die Stichstraße auszubauen. Nichts ist passiert. „Auch die Stadt hat sich nicht gerührt“, beklagten Bernd und Kerstin Seehafer. Marcus Knopp hat für die „unendliche Geschichte“ den Ortsvorsteher und die Stadtverwaltung als Schuldige ausgemacht und wirft ihnen vor, „im Interesse eines Einzelnen und gegen die Allgemeinheit zu handeln. Lediglich die BfM war stets auf unserer Seite“. Die Stadt, im Stadtentwicklungsausschuss durch den Technischen Beigeordneten Heinz Peter Witt vertreten, sieht das naturgemäß anders. Er räumte die Frist bis zum 24. Januar ein, die Verwaltung habe auch bestimmte Nachfristen einhalten müssen. Es habe erheblichen Schriftverkehr und intensive Gespräche mit dem Eigentümer des betroffenen Grundstücks gegeben. „Die Verwaltung hat auf diesen Investor erheblichen Druck ausgeübt, um den Bebauungsplan endlich umzusetzen. Damit wurde am Montagmorgen begonnen.“
Die Arbeiten an der Stichstraße und den Parkplätzen in Ersdorf haben begonnen.
