Gastronom kauft das Bahnhofsgebäude von der Stadt
Brauhaus Meckenheim an historischem Ort
Meckenheim. Eines der repräsentativsten Gebäude von Meckenheim hat einen neuen Besitzer. Der 1880 errichtete Bahnhof soll künftig zum „Brauhaus Meckenheim“ werden. Der neue Inhaber, der Gastronom Peter Schemerka (65) möchte mit dem zweiten Standort die Erfolgsgeschichte des „Brauhaus Rheinbach“ fortschreiben, das er seit 1998 betreibt. Vor allem dank des großzügigen Gewölbekellers kann er sich sogar vorstellen, die Brauanlage für obergäriges Bier nach Kölscher Brauart künftig hierhin zu verlegen und in Rheinbach eine reine Gastronomie zu betreiben. Das allerdings ist noch Zukunftsmusik. Zunächst soll bis voraussichtlich bis zum späten Frühjahr oder frühen Sommer das unter Denkmalschutz stehende Gebäude zwischen Altstadt und Neubaugebiet „Meckenheimer Sonnenseite“ dem neuen Zweck als Gastronomiebetrieb entsprechend nach Plänen eines Meckenheimer Architekten umgebaut werden. Die Substanz dafür ist gut, ist der gründerzeitliche Ziegelsteinbau mit seinem hohen Mittelteil und den seitlichen Flügelbauten doch in einem guten baulichen Zustand. Auch die ursprüngliche Architektur ist weitgehend erhalten - inklusive der wunderschönen historischen Bahntresore, die wenn möglich im Gastronomiebereich erhalten bleiben sollen. Im Innern des Gebäudes sind keine wesentliche Schäden und Mängel vorzufinden. Bauteile der äußeren Hülle wie Fassaden und die Dacheindeckung inklusive Dachentwässerung und obergeschossige Fenster wurden bereits erneuert. Dennoch beziffert Schemerka die Investitionen inklusive des Kaufpreises auf rund eine Million Euro. Unter anderem sollen neben dem den nötigen Arbeiten für den Gastronomiebereich auch Vordach und Treppen erneuert werden. Außerdem muss das Gebäude natürlich den Brandschutzbestimmungen entsprechen.
150 Sitzplätze
Der Thekenbereich des heutigen „Bahnhofsstüffje“ soll nach den Planungen in den neu entstehenden, durchgehenden Gastronomiebereich integriert werden. Gespräche mit den derzeitigen Pächtern der Gaststätte, Annemie Reuter und ihrer Tochter Sandra Breutigam, liefen derzeit: „Sie würden zu uns passen“, kann sich Schemerka eine Zusammenarbeit vorstellen. Dann entstände im Erdgeschoss ein rund 240 Quadratmeter großes Restaurant mit ca. 150 Sitzplätzen und Thekenbereich in gemütlichem Ambiente. Ein besonderes Highlight biete der urige, 140 Quadratmeter große Gewölbekeller. Diesen zählt er neben dem historischen Flair des Gebäudes, dem riesigen Parkplatzangebot rund um den Bahnhof und dem großzügigen Flächen für eine Außengastronomie zu den wichtigsten Pluspunkten des künftigen Brauhauses, das eine gutbürgerliche Küche bieten soll.
Meckenheims Bürgermeister Bert Spilles zeigte sich glücklich über die künftige gastronomische Lösung für den historischen Bahnhof, der übrigens baugleich zu dem in Rheinbach ist - eine Parallele zu der künftigen vergleichbaren Brauhausgastronomie in beiden Städten. „Für uns war eine Nutzung wichtig, die Leben in das Gebäude bringt“, betonte er bei der Vorstellung des künftigen Gebäudekonzepts. Die Stadt hatte den Bahnhof 2010 inklusive der bereits im östlichen Bereich bestehenden P+R-Anlagen von der Deutschen Bahn erworben. Im März 2013 war er öffentlich ausgeschrieben worden mit dem Ziel einer Hauptnutzung als Gastronomiebetrieb. 21 Interessenten hatten sich daraufhin gemeldet, wovon mit sieben Besichtigungen durchgeführt wurden. Drei Bieter hatten anschließend ein Angebot abgegeben. Deren Nutzungskonzepte wurden hinsichtlich Denkmalschutz durch den Fachbereich Bauordnung und Denkmalpflege der Stadt sowie den Landschaftsverband Rheinland geprüft. Den Zuschlag nach Beratungen des Hauptausschusses und Stadtrats erhielt schließlich die Familie Schemerka - Vater Peter führt sein Unternehmen zusammen mit Sohn Markus (38), und auch der jüngste Sprössling Peter jun. (24) ist nach Ausbildung zum Immobilienkaufmann bereits in das Geschäft des Brauhausunternehmens eingestiegen. „Wir haben Punkte vergeben. Das Konzept der Familie Schemerka hat Stadtverwaltung und Rat überzeugt“, berichtete der Bürgermeister. „Wir haben uns für Tradition und Qualität entschieden.“ Das passe auch bestens zu der langjährigen, historischen Brautradition in Meckenheim. Noch im 19. Jahrhundert habe es rund zehn Gaststätten in der Stadt gegeben, wo überwiegend selbst gebraut wurde, außerdem mehrere Brauereien.
20 Mitarbeiter
Die neuen Besitzer wollen den Bahnhof von oben nach unten instand setzen. Den Anfang machen die Wohnungen in den Obergeschossen, die erhalten bleiben, saniert und später vermietet werden. Der Umbau wird in enger Abstimmung mit Gerd Gerres erfolgen, Fachbereichsleiter Bauordnung und Denkmalpflege. Nicht tragende Wände im Erdgeschoss werden herausgenommen, damit ein durchgehender Gastronomiebereich entsteht. Künftig sollen hier wie in Rheinbach rund 20 Mitarbeiter beschäftigt sein. Für die Leitung der Küche habe er schon eine hausinterne Lösung im Auge, verriet Peter Schemerka. Er kann übrigens auf eine langjährige und erfolgreiche Laufbahn als Gastronom in Bonn und der Region zurückblicken. Vor der Gründung des Brauhauses Rheinbach war er bereits lange Jahre Inhaber des Brauhaus Bönnsch und von 1990 bis 2000 auch des „Em Höttche“ in Bonn. Davor betrieb er von 1975 bis 1990 das „Haus am Rhein und Biergarten Pavillon Blauer Affe“ in Bonn-Beuel. Sein Sohn Markus ist seit vielen Jahren mit seiner Firma „Markus Schemerka Consulting“ im Catering- und Eventmanagement tätig und war so unter anderem bereits für Firmen wie Do & Co International, Lufthansa und die Fußballweltmeisterschaft 2006 im Organisationskomitee in Frankreich für den Bereich Hospitality und Catering verantwortlich. 2007 ist er als Mitinhaber des Brauhauses Rheinbach eingestiegen. Für das Brauhaus Meckenheim visieren die Schemerkas einen ähnlichen Publikumsmix wie in Rheinbach an. Dort besuchen ein Drittel Einheimische das Gasthaus, zwei Drittel kommen von auswärts, etwa aus Bonn. Die Lage zwischen der Altstadt und dem Neubaugebiet „Meckenheimer Sonnenseite“ sei natürlich ein Plus für guten Besuch auch der Meckenheimer. Und das Besucherpotenzial steigt weiterhin. Zu den 85 bestehenden Grundstücken sollen im zweiten Bauabschnitt 220 weitere hinzukommen, berichtete Bürgermeister Spilles. Eine Fußgängerunterführung verbindet die beiden Meckenheimer Teile künftig. Für eine gute Anbindung sorgt auch die Eisenbahnstrecke, wo die Züge demnächst im Viertelstundentakt verkehren werden. Die Gleisanlagen wurden bereits von der Bahn barrierefrei ausgebaut.
Noch sind der Bahnhof und die nahe Umgebung eine Baustelle, was sich aber bald ändern soll.
(V.l.) Peter und Markus Schemerka, „Bahnhofsstüffje“-Pächterin Sandra Breutigam, Peter Schemerka jun., Bürgermeister Bert Spilles, Jörg Hild und Gerd Gerres von den Fachbereichen Stadtplanung/Liegenschaften bzw. Bauordnung/Liegenschaften sowie Wirtschaftsförderer Dirk Schwindenhammer stellten das neue Gastronomiekonzept im Bahnhof Meckenheim vor. Fotos: CBÜ
