Meckenheim feierte den „Tag der Deutschen Einheit“ mit einem Festakt
„Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut“
Meckenheim. Rund 200 Bürger hatten sich am Vormittag des 3. Oktober in der Aula der Evangelischen Grundschule Meckenheim eingefunden, um am offiziellen Festakt der Stadt teilzunehmen. Nach einer musikalischen Einführung von Christian Klein konnte Bürgermeister Bert Spilles auch die beiden Ehrenbürger der Stadt, Frau Meyer zu Drewer und Albert Graen begrüßen, ebenso wie den Bundestagsabgeordneten Dr. Norbert Röttgen sowie den Bürgermeister von Rheinbach, Stefan Raetz, und weitere Amtskollegen. In seiner Festrede ging Bert Spilles tief in die Historie zurück und zitierte König Friedrich Wilhelm III., der am 5. April 1815 die Übernahme des Rheinlandes in das preußische Königreich wie folgt kommentierte: „Diese deutschen Urländer müssen mit Deutschland vereinigt bleiben; sie können nicht einem anderen Reich angehören, dem sie durch Sprache, durch Sitten, durch Gewohnheiten, durch Gesetz Fremde sind.“ Auch 175 Jahre später, im Jahre 1990, wurden wieder zwei deutsche Länder vereinigt, wenn auch aus anderen Gründen und Motiven. Während die Vereinigung vor 200 Jahren der Neuordnung Europas als Folge des Wiener Kongresses kam, und überhaupt nicht dem Wunsch der Bevölkerung entsprach, war die deutsche Wiedervereinigung das Ergebnis der Massendemonstrationen und der friedlichen Revolution in der DDR. Hinzu kam, wie Bert Spilles ausführte, die Unfähigkeit des von der SED geführten kommunistischen Systems, zu politischen und ökonomischen Reformen, wie sie in anderen Ländern des Warschauer Paktes in Gang gekommen waren. Hinzu kam der Ruf „Wir sind das Volk“ und der damit verbundene Wunsch der DDR-Bevölkerung nach einer Vereinigung oder zumindest engeren Zusammenarbeit mit der Bundesrepublik Deutschland.
„Die Vereinigung bleibt eine permanente Aufgabe“
Bert Spilles: „Der 3. Oktober ist seit einem Vierteljahrhundert ein Festtag für Deutschland, für die Freiheit, für die Demokratie. Er ist ein Tag, der daran erinnert, dass Freiheit auch erkämpft werden muss, ohne Gewalt, aber mit Mut. Und er ist ein Tag, der uns dazu inspirieren soll, uns und andere immer wieder für die Freiheit zu begeistern und ihre Möglichkeiten deutlich zu machen, die größer sind als Angst und Unsicherheit.“ Spilles zitierte den Historiker Fritz Stern, der das Jahr 1989 und den Fall der Mauer als den „strahlendsten Moment in Europas dunkelstem Jahrhundert“ bezeichnet hat. Im weiteren Verlauf ging Bert Spilles auch auf die Erfolge der Einheit ein und die Veränderungen in den ostdeutschen Bundesländern, er betonte dass einstmals graue und kaputte Städte bunt wurden und ein ganz neues Lebensgefühl entwickelt haben. Das vereinigte Deutschland ist heute wirtschaftlich stark, weltweit geachtet und gefordert. Unter dem Verweis auf ein Wort von Willy Brandt - „Abgeschlossen ist ein Prozess des Zusammenwachsens erst, wenn wir nicht mehr wissen, wer die neuen und wer die alten Bundesbürger sind“ - betonte er, dass es für die jungen Deutschen, welche nach 1990 geboren sind, kaum noch einen Unterschied zwischen Ost und West gebe. Bert Spilles erinnerte auch an die große Solidarität der Menschen im Jahre 1990 und danach, auch die Stadt Meckenheim leistete damals in ihrer Partnerstadt Bernau konkrete Aufbauhilfe. So tauschte man Mitarbeiter der Verwaltungen aus und Bert Spilles konnte berichten, dass er im Juli in Bernau gewesen sei und dort auch seinen Amtskollegen besucht hatte. Ebenfalls konnte er mit einigen Mitarbeitern sprechen, welche seinerzeit in Meckenheim gewesen sind und sich noch gerne an diese Zeit erinnerten. Die Vereinigung Deutschlands sei jedoch noch nicht abgeschlossen, sondern bleibe eine permanente Aufgabe, denn viele drohen zu vergessen, was in den Jahren 1989 und 1990 geschah und im Osten erscheint manch einem die Vergangenheit schon in einem verklärten Licht.
Bei aller Freude bleiben jedoch die aktuellen Herausforderungen nicht unerwähnt. Bert Spilles zitierte hier den Altbundespräsidenten Richard von Weizsäcker, der einmal gesagt hat: „Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie wiederholt ihre Lehren.“ Und während 1989 Tausende Bürger aus der DDR nach Ungarn oder in die deutsche Botschaft nach Prag flüchteten, kommen heute massive Flüchtlingsbewegungen nach Deutschland.
„Sind wir Deutschen ein Flüchtlingsvolk?“
Mit der provokanten Frage „Sind wir Deutschen ein Flüchtlingsvolk?“ ging Bert Spilles dann in den aktuellen Teil des Vormittages und seines Vortrages über: „Von rund 18 Millionen Deutschen in den Ostprovinzen des Deutschen Reiches und „Volksdeutschen“ in den deutschen Siedlungsgebieten in Ost- Ostmittel- und Südosteuropa waren in der Endphase des Krieges rund 14 Millionen in Richtung Westen geflüchtet oder nach dem Kriegsende vertrieben bzw. deportiert worden. Knapp 12,5 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene waren aus den nunmehr in polnischen und sowjetischen Besitz übergegangenen ehemaligen Ostgebieten des Deutschen Reiches und aus den Siedlungsgebieten der „Volksdeutschen“ in die BRD und die DDR gelangt. Aus der DDR kamen in der Zeit von 1945 bis 1989 ebenfalls 4,9 Millionen Flüchtlinge in den Westen. Etwa 4,4 Millionen Menschen kamen seit 1950 als Spätaussiedler. Heute stehen Hunderttausende vor der europäischen Tür und wollen nach Deutschland. Niemand hatte damit gerechnet, weil es niemand wahrhaben wollte, dass je mehr Kriege geführt werden, je mehr die Hoffnung und die Nahrung in den Flüchtlingslagern schwindet, die Menschen sich aufmachen, um ihr Überleben und ihre Zukunft zu sichern. Auch wenn manch einer die Vergleiche mit deutschen Nachkriegsflüchtlingen und den Flüchtlingen aus Syrien für unzulässig ansieht, Menschen in Not muss geholfen werden.“
Bert Spilles sieht Meckenheim als Teil der großen Hilfsaktion, die Deutschland zurzeit leistet und verweist auf das Grundgesetz, wo definiert ist, dass die Würde des Menschen unantastbar sei und dass politisch verfolgte Menschen Asylrecht genießen. Er forderte die internationale Staatengemeinschaft auf, hier Lösungen zu suchen, um die Fluchtursachen zu stoppen und er ging hart ins Gericht mit jenen, die Alarm schreien und mit schriller Propaganda fremdenfeindliche Reflexe verstärken oder gar Unterkünfte angreifen. Der Bürgermeister forderte, nicht zu versäumen, sich über das gesellschaftliche und politische Tagesgeschäft hinaus auf die Ideen und Ideale zu besinnen, auf denen das Gemeinwesen basiere und das es so erfolgreich und attraktiv mache. Der Bürgermeister endete mit einem Zitat des Athener Staatsmanns Perikles, der im vierten Jahrhundert vor Christus den Satz prägte „Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut“.
Zum feierlichen Abschluss sang die Festgesellschaft gemeinsam die Nationalhymne und die Europahymne.
Bürgermeister Bert Spilles ging in seiner Festrede auf die Historie, aber auch auf das sehr aktuelle Thema „Flüchtlingsbewegung“ ein.
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