Ausschuss macht sich für Weiterbeschäftigung der Schulsozialarbeiterinnen stark
„Kinder wollen gefördert, gesehen und gemocht werden“
Meckenheim. Derzeit steht an jeder Grund- oder weiterführenden Schule in Meckenheim ein Schulsozialarbeiter oder eine Schulsozialarbeiterin zur Verfügung. Dass dies auch dringend erforderlich ist, dokumentierten die beiden Sozialarbeiterinnen, die zu Gast im Ausschuss für Schule, Sport und Kultur waren, eindrucksvoll. Es war bewegend, was die Schulsozialarbeiterinnen Monika Klose und Birgit Gestrich über ihren Arbeitsalltag berichteten. Sie sprachen auch für ihre drei Kolleginnen, die ebenso wie sie selbst über das sogenannte Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) finanziert werden. Klose arbeitet seit dem 1. Oktober mit je einer halben Stelle an der Gemeinschaftsgrundschule Merl und der Katholischen Grundschule Merl. Gestrich ist mit je einer halben Stelle an der Realschule und dem Gymnasium aktiv. Das könnte jedoch schon bald Vergangenheit sein, denn die Bundesmittel für diese zusätzlichen Gelder im Rahmen des BuT-Pakets gibt es nur noch bis zum Jahresende. Die Stellen an den Schulen in Meckenheim sind bis zum 31. Juli 2014 befristet und zu hundert Prozent über das BuT refinanziert, wie es dann weiter geht, ist ungewiss. Für die Ratssitzung hat die SPD eine Resolution vorbereitet, in der sie sich für die Weiterfinanzierung der Schulsozialarbeiter ausspricht. Das berichtete Christopher Scholz (SPD) im jüngsten Ausschuss für Schule, Sport und Kultur. Einig war man sich dort, dass die Schulsozialarbeiter angesichts der geänderten Familienstrukturen immens wichtig geworden sind. Das bestätigten auch die Lehrer, die sich einen geordneten Schulbetrieb ohne die Helfer für die schwierigen Fälle nicht vorstellen können.
„Die Arbeit der Schulsozialarbeiter ist absolut unverzichtbar“, formulierte es der Leiter des Konrad-Adenauer-Gymnasiums, Hans-Jürgen Jüngling. Auch Bärbel König von der Katholischen Grundschule Meckenheim bestätigte, dass das Gehörte keine exotischen Ausnahmefälle beschreibe, sondern den Alltag. In der Tat ist ihr Arbeitstag als Schulsozialarbeiterin prall gefüllt.
Unterschiedliche Anforderungen erfordern schnelles und flexibles Handeln und man wisse nie, was am nächsten Tag auf einen zukomme, beschrieb Klose ihre Arbeit. Sie berichtete von auffällig aggressiven Kindern, die zunächst eine gesonderte Betreuung brauchten, von vor Angst aufgelösten Müttern, deren Ehemann irakischer Herkunft Hausverbot von der Polizei bekommen habe oder von kleinen Besuchern in ihrer Kindersprechstunde, die nicht in der Lage seien, ihren Konflikt alleine zu lösen.
Auch gab sie Einblicke in das von ihr geleitete Projekt „soziales Lernen“, bei dem die Erstklässler spielerisch an Regeln herangeführt werden. Elterngespräche, Lehrerkonferenzen oder Arbeitskreise mit Kollegen gehören ebenfalls zum Schulalltag der Sozialarbeiterin. 1280 Schüler betreut die Kollegin Birgit Gestrich seit 14 Monaten am Schulcampus. Auch hier sei der Bedarf deutlich, denn das Verhalten der Kinder habe sich in den letzten Jahren verändert. Entsprechend dem Alter ihrer Klientel liegen die Probleme etwas anders: Gestrich beschäftigt sich mit psychischer Gewalt und Mobbing, Angst, Spielsucht, Absentismus, sexuellem Missbrauch, Magersucht sowie Drogenkonsum, -besitz oder Drogenhandel.
Sie beschrieb auch das geringe Interesse mancher Eltern an ihren Kindern, Kommunikationsarmut im Elternhaus und fehlende Bindung und Strukturen. „Die Kinder wünschen sich gehört, gesehen und gemocht zu werden“, sprach sich auch Gestrich für eine Fortsetzung der Schulsozialarbeit.
Förderung läuft zum Jahresende aus
Das Bildungs- und Teilhabepaket wurde 2011 beschlossen, um benachteiligte Kinder zu fördern. Zum Kompromiss, der im Vermittlungsausschuss gefunden wurde, gehörte unter anderem auch, dass befristet auf drei Jahre zusätzlich Mittel von jährlich 400 Millionen Euro an die Länder fließen sollten, die nicht zweckgebunden seien, so ein Sprecher des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.
Diese zusätzliche Unterstützung des Bundes gebe es jedoch ab 2014 nicht mehr, verweist er auf eine entsprechende Anfrage im Bundestag aus dem Jahr 2012. Darin heißt es auch, dass es zwar einen politischen Zusammenhang zum Bildungs- und Teilhabepaket gebe, die zusätzliche Unterstützung jedoch nicht Teil des BuT-Pakets sei. Stattdessen werde der Bund schrittweise Kosten zur Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsunfähigkeit übernehmen, was die Kommunen wiederum an anderer Stelle entlaste
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