Allgemeine Berichte | 07.03.2013

Meckenheimer Verbund übt Kritik

Die Entwicklung am Steinbüchel sei schädlich für die Gewerbebetriebe in der ganzen Stadt

Der Vorstand des Meckenheimer Verbundes (von links): Vorsitzender Willi Wittges-Stoelben, dritter Vorsitzender Wilhelm Ley, Beisitzer Peter Frings, zweiter Vorsitzender Thomas Radermacher, Beisitzer Heinz Bruhn, Schatzmeisterin Nadja Hügle-Ginster und Schriftführer Markus Feuser.VJ

Meckenheim. Der Meckenheimer Verbund fühlt sich vom Stadtrat der Rosenstadt im Stich gelassen und ist derzeit nicht gut auf die Kommunalpolitik zu sprechen. Willi Wittges-Stoelben, der Vorsitzende der Werbegemeinschaft, ließ in seinem Jahresbericht bei der Jahreshauptversammlung kaum ein gutes Haar an den Verantwortlichen. „Die Politik fährt uns mit voller Wucht gegen die Wand“, schüttelte er den Kopf und wies darauf hin: „Bei der nächsten Kommunalwahl sollte man die Quittung ausstellen.“

Wittges-Stoelben begann seine Suada mit der Feststellung, die Stadtspitze habe es jahrzehntelang versäumt, genügend Bauland in Meckenheim auszuweisen. „Der Bedarf ist da, das sieht man an der riesigen Nachfrage für die Meckenheimer Sonnenseite“, war er überzeugt. Gottlob habe der über Jahre hinweg festzustellende Einwohnerschwund jetzt endlich gestoppt werden können, es sei sogar eine leichte Steigerung am Horizont erkennbar. Wittges-Stoelben machte klar, dass angesichts der demographischen Entwicklung ein Zuwachs an Einwohnern nur durch Zuzug zu erreichen sei, und das Potenzial dafür sei in Meckenheim durchaus vorhanden.

Gefahr aus Bad Münstereifel

Die Gewerbebetriebe in Meckenheim stünden ohnehin nicht nur mit der Nachbarstadt Rheinbach, sondern auch mit den nahe gelegenen Zentren Bonn und Köln in Konkurrenz. Jetzt komme auch noch das innenstädtische FOC in Bad Münstereifel hinzu, das vermutlich noch in diesem Herbst eröffnet werde. Insgesamt stünden dort etwa 13.000 Quadratmeter Verkaufsfläche für den Fabrikverkauf im Innenstadtbereich zu Verfügung, welches aufgrund des Kurstadtstatus von Bad Münstereifeleinen genehmigten Sonntagsverkauf habe. Mittlerweile laufe jedoch ein Gerichtsverfahren vor dem Landgericht Bonn, in dem der Sonntagsverkauf gekippt werden soll. „Dass FOC in Bad Münstereifel ist ein großes Risiko für Meckenheim, eine riesige Gefahr für unsere Einzelhändler“, so Wittges-Stoelben. Und auch das geplante FOC in der benachbarten Grafschaft sei noch nicht gänzlich gestorben.

Und in dieser Situation beschließe der Stadtrat von Meckenheim, auf 2600 Quadratmetern Verkaufsfläche ein „Nahversorgungszentrum“ im Steinbüchel zu bauen mit Aldi und Edeka. Schon jetzt sei der Einzelhandelsbesatz deutlich über dem Durchschnitt vergleichbarer Städte, der Druck auf den Einzelhandel werde dadurch wesentlich erhöht. „Wir sehen das als großen Fehler der Meckenheimer Politik an, der erhebliche negative Auswirkungen auf die Neue Mitte haben wird“, so Wittges-Stoelben. Dort werde durch die neue Konkurrenz in direkter Nachbarschaft acht bis zwölf Prozent Umsatzverlust vorausgesagt. „Das hätte man besser wissen können“, verwies er auf Gutachten, in denen diese Folgen minutiös vorausgesagt würden.

Politik wäscht die Hände in Unschuld

Jetzt stelle sich die Politik hin, wasche die Hände in Unschuld und lasse ein neues Konzept für die Neue Mitte suchen. Dass man dann allerdings auch noch den Meckenheimer Einzelhändlern den Schwarzen Peter zuschiebe, wie jüngst in einer Ausschusssitzung geschehen, „ist eine unsägliche Frechheit“, so Wittges-Stoelben.

Fragwürdig sei auch die Entscheidung, an der Jungholzhalle ein neues Rathaus zu bauen. „Ein Rathaus gehört ins Zentrum, Meckenheim hat allerdings zwei Zentren, deshalb hätte man den Verwaltungssitz auch auf die beiden Zentren verteilen müssen“, skizzierte er die Ansicht des Meckenheimer Verbundes. „Mit den 12 Millionen Euro, die für den Neubau des Rathauses und die Sanierung der Jungholzhalle angesetzt sind, hätte man auch eine sinnvolle Lösung am Neuen Markt und in der Altstadt hin bekommen - das interessiert die Politiker aber wenig“, schüttelte der Vorsitzende den Kopf.

Lob für geplante Sanierung der Altstadt

Zugute hielt er dem Rat, dass er nun die Altstadt neu überplanen und sanieren wolle. Die Aufenthaltsqualität in der Hauptstraße solle erhöht und die Plätze attraktiver gemacht werden. Auch die Parkplätze sollen künftig besser erreichbar und besser nutzbar sein. Der Marktplatz solle wieder einen echten Marktplatzcharakter bekommen, wozu auch der „Nahversorger“ beitragen werde, der auf dem oberen Teil des Parkplatzes angesiedelt werden soll. Wittges-Stoelben stehe der ganzen Angelegenheit jedenfalls sehr positiv gegenüber, denn die Altstadt könne eine Attraktivitätssteigerung wirklich gebrauchen. „Die Hauptstraße kann nur gewinnen“, meinte er.

Dabei müsse allerdings beachtet werden, dass nach Möglichkeit sämtliche PKW-Stellplätze erhalten werden müssten. Eine zügige Umsetzung sowohl im Vorlauf als auch in der Abwicklung sei ebenfalls unabdingbar für das Überleben der in der Altstadt sitzenden Gewerbebetriebe. „Zwei Jahre Bauzeit werden ein Riesenproblem für unsere Betriebe“, sagte er voraus. Er plädiere deshalb für möglichst kleine Bauabschnitte, die auch noch so zügig wie möglich fertiggestellt werden müssten. Auch ein professionelles Baustellenmanagement und ein ebenso gutes Baustellenmarketing seien erforderlich, mit dem man beispielsweise von Fall zu Fall Baustellenfeste oder ähnliche Aktivitäten starten könne.

Zielkonflikt möglichst sinnvoll lösen

Letztlich gehe es auch darum, den sich abzeichnenden Zielkonflikt zwischen einer möglichst hohen Aufenthaltsqualität und dem Erhalt möglichst vieler Parkplätze sinnvoll zu lösen. „Auch wir dürfen dabei nicht auf Maximalforderung bestehen, sondern müssen dazu beitragen, einen Kompromiss zu finden, der allen Seiten Geltung verschafft.“

Dabei sei es allerdings kontraproduktiv, wenn einzelne Geschäftsleute aus der Altstadt sich öffentlich gegen das Projekt stellten. Er jedenfalls halte die Pläne für eine große Chance für Meckenheim und seine Altstadt.

Unterstützt wurde Wittges-Stoelben in seiner Kritik von seinem Stellvertreter Thomas Radermacher. Der beklagte eine zunehmende Zahl von Leerstände vor allem am Neuen Markt, was durch das geplante Ärzte- und Gesundheitszentrum auf dem Parkplatz des HIT-Marktes voraussichtlich noch verschärft werde. „Die Situation am Neuen Markt gibt Anlass zur Sorge“, so Radermacher, der den Eindruck gewonnen habe, alle starrten wie das Kaninchen auf die Schlange nach Steinbüchel und warteten darauf, was dort geschehe. „Für die Krokodilstränen aus der Politik habe ich allerdings wenig Verständnis“, schüttelte er den Kopf. Die Entwicklung auf dem Steinbüchel sei schädlich für den ganzen Einzelhandel in Meckenheim. Schließlich könnten auch die Meckenheimer ihr Geld nur einmal ausgeben. Darüber hinaus kranke Meckenheim daran, dass es nicht genügend Gewerbeflächen gebe. Das habe letztlich auch zur Folge gehabt, dass das Unternehmen DSG Canusa demnächst nach Rheinbach umziehe und mehr als 200 Arbeitsplätze mitnehme.

Wenig Neues bei den Vorstandswahlen

Schatzmeister Peter Kruse teilte in seinem Bericht mit, nach zwei Verlustjahren habe der Meckenheimer Verbund 2012 wieder einen kleinen Gewinn erwirtschaftet, der sich auch 2013 verstetigen werde. Höheren Einnahmen trotz gesunkener Mitgliedsbeiträge stünden auch leicht gestiegene Ausgaben gegenüber. Die Kassenprüfer Frank Becker und Josef Dunkelberg hatten nichts auszusetzen, so dass dem Vorstand einstimmig Entlastung erteilt wurde.

Bei den anschließenden Vorstandsneuwahlen wurde Vorsitzender Willi Wittges-Stoelben ebenso einstimmig in seinem Amt bestätigt wie der zweite Vorsitzende Thomas Radermacher und der dritte Vorsitzende Wilhelm Ley. Neue Schatzmeisterin ist Nadja Hügle-Ginster, nachdem Peter Kruse aus beruflichen Gründen nicht mehr für das Amt kandidiert hatte. Bestätigt wurde Schriftführer Markus Feuser, zu Beisitzern wurden Heinz Bruhn, Peter Frings und Franziska Nüsser gewählt.

Der Vorstand des Meckenheimer Verbundes (von links): Vorsitzender Willi Wittges-Stoelben, dritter Vorsitzender Wilhelm Ley, Beisitzer Peter Frings, zweiter Vorsitzender Thomas Radermacher, Beisitzer Heinz Bruhn, Schatzmeisterin Nadja Hügle-Ginster und Schriftführer Markus Feuser.Foto: VJ

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