Berufseignungstest des Meckenheimer Handwerks am Schulzentrum
Schüler waren mit Engagement dabei
Neuntklässler waren bei erschwerten Aufgaben gefordert
Meckenheim. „Handwerk hat goldenen Boden“ - so heißt ein bekanntes Sprichwort. Allerdings nur dann, wenn genügend Nachwuchs gefunden wird, der zudem den steigenden, anspruchsvollen Anforderungen in den einzelnen Gewerken gewachsen ist. Um bereits frühzeitig nach geeigneten Kräften zu suchen und insgesamt den Leistungsstand der künftigen Handwerker zu beleuchten, führen Betriebe des Meckenheimer Verbunds unter Federführung von Kreishandwerksmeister Thomas Radermacher jährlich einen Berufseignungstest in den neunten Klassen der Theodor-Heuss-Realschule und der Geschwister-Scholl-Hauptschule am Schulzentrum in Meckenheim durch. Mit Letzterer kooperieren die Meckenheimer Unternehmen zudem bereits seit einiger Zeit im Rahmen der Ausbildungsplatzgarantie „MeGA - Meckenheimer Garantie für Ausbildung“ - einzigartig im Rheinland. Die Schüler verpflichten sich dabei im Gegenzug zur vertraglich fixierten Ausbildungsplatzgarantie, bestimmte Leistungen zu erbringen. Dazu gehören ein Hauptschulabschluss nach Klasse 10, keine mangelhaften Leistungen, Durchschnittsnote sowie die Fächer Deutsch, Mathematik und Arbeitslehre mindestens befriedigend, keine unentschuldigten Fehltage, Teilnahme am Berufsförderunterricht und ein positives soziales Verhalten und Engagement.
Chancen im Handwerk
„Die Chancen im Handwerk sind so gut wie nie“, ermutigte Radermacher die Real- und Hauptschüler bei der Übergabe der Ergebniszertifikate in der Aula der Theodor-Heuss-Realschule. Insgesamt 90 Realschüler und 52 Hauptschüler hatten am Eignungstest teilgenommen, der nun seit mehr als zehn Jahren durchgeführt wird, im fünften Jahr an beiden Lehranstalten parallel. Ausgearbeitet wird er von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg. „In diesem Jahr war der Test deutlich schwerer als 2013“, berichtete Hauptschulrektor Peter Hauck, der ebenso wie Realschulrektorin Claudia Hesseler, einige Kollegen sowie Vertretern der Handwerksbetriebe anwesend war. Dementsprechend fielen die Ergebnisse aus. „Es waren sehr viele gute Leistungen dabei, aber auch nicht wenige ganz schwache, die den Schnitt im Gesamten deutlich heruntergezogen haben“, erzählte Kreishandwerksmeister Radermacher. Auch bei Eignungstests der Arbeitgeber und im täglichen Arbeits- und Privatleben eben etwa bei Kalkulationen würden gerade mathematische Fähigkeiten gefordert. Aufgefallen war ihm, dass in der Leistungsdichte beide Schulen, die in den letzten Jahren vergleichsweise eng beisammen bei den Ergebnissen gewesen seien, sich „etwas entfernt“ hätten - zuungunsten der Hauptschule. Gefallen hatte ihm das durchweg „sensationell gute Fokussieren“ der Schüler auf den Test und die „gute Konzentrationsfähigkeit“ bei den meisten Teilnehmern. „Uns macht es immer viel Spaß, mit jungen Leuten zusammen zu arbeiten“, sprach Radermacher auch für seine Handwerkskollegen.
Vielfältige Aufgaben
Die Aufgaben des Eignungstests, für den die Schüler ein Zeitlimit von anderthalb Schul-, also einer Zeitstunde hatten, waren vielfältig. Ein Schwerpunkt lag natürlich auf Mathematik, eine Grundanforderung in praktisch allen Handwerken. Es galt, Gesamtflächen und -längen zu ermitteln, Fassungsvermögen von Gefäßen zu berechnen oder Arbeitsspannen oder Streckenlängen richtig zuzuordnen. Im Mittelpunkt stand die Berechnung von Arbeitsmaterialien für eine Wohnung mit unterschiedlich großen Räumen. Ob Verlegeflächen von Parkettböden und Anzahl von benötigten Fliesen, Ermittlung von Kosten inklusive Mehrwertsteuer für eine Stichsäge oder Kalkulation von Kleberpreisen, Holzleistenanzahl oder Raumdiagonalen: Die Aufgaben waren durchweg sehr realitätsnah und werden den angehenden Handwerkern in ihrem Berufsleben so oder so ähnlich sicher wieder begegnen. Doch auch Allgemeinwissen war gefragt: etwa die Jahresdaten von Mauerfall und Zweitem Weltkrieg, die Anzahl der Bundesländer oder der Name des ersten deutschen Bundeskanzlers. Eine Rechtschreibübung gehörte ebenso zum Test wie eine Reihe von Aufgaben zum logischen Denken und räumlichen Vorstellen. Quasi obligatorische Fragen zum technischen Grundverständnis sowie eine zeitlich limitierte zur Konzentrationsfähigkeit der Schüler rundeten den Eignungstest ab.
„Wir haben in der Woche zuvor im Unterricht dafür geübt“, berichtete Hauptschulleiter Peter Hauck. „Wir nehmen den Eignungstest sehr ernst“, ergänzte er. „Er geht auch in die Leistungsbeurteilung der Schüler ein.“
Anschließend folge nun die Nachbehandlung. Wie haben die Schüler abgeschnitten? Wo fehlt es noch besonders? Wo muss nachgehakt werden? „Wir werden die Defizitbereiche stärker im Unterricht berücksichtigen, besonders schwache Schüler beispielsweise in Mathematik noch einmal stärken“, so Hauck. Dies geschehe auch in Hinsicht auf das dreiwöchige Praktikum der Schüler im April. „Dieses ist wie der Berufseignungstest und die im November abgeschlossenen MeGA-Verträge ein weiterer Schritt in den künftigen Beruf für die Schüler“, sieht der Schulleiter alle Maßnahmen miteinander verzahnt.
Nur männliche Testsieger
Unter den Teilnehmer am Berufseignungstest gab es natürlich auch solche, die besonders gut abschnitten. Sie wurden mit Sachpreisen zusätzlich geehrt. Drittbester der Geschwister-Scholl-Hauptschule war Tom Kosmowski (Klasse 9b, 62 Punkte). Vor ihm rangierten Johannes Schleinig (9a, 63,5) und als Primus Jan Salzmann (9b, 65). Die ersten drei Plätze der Teilnehmer von der Theodor-Heuss-Realschule belegten als Testbester Phillip Kucera (9a, 82) vor Sebastian Schatton (9b, 78) und Fabian Jurischka (9a, 75). Auffallend: Kein Mädchen schaffte es unter die Besten. „Das ist eher ungewöhnlich. So etwas haben wir in den letzten Jahren noch nicht gehabt“, wunderte sich auch Kreishandwerksmeister Radermacher.
Der Sieger der Realschüler, Phillip Kucera, war gerade erst vom Gymnasium auf die Realschule gewechselt. Auch für ihn war der Test aufschlussreich. „Ich weiß nun, dass es dort vor allem an den Fremdsprachen lag, dass ich nicht zurechtgekommen bin“, berichtete er. Ob der 16-Jährige allerdings für ein Handwerk gewonnen werden kann, ist zumindest sehr fraglich. Denn er möchte eigentlich nach der Stufe 10 wieder zurück aufs Gymnasium gehen, um später Ingenieurswesen zu studieren. „Rechnen, logisches Denken und technisches Verständnis - das liegt mir einfach“, begründet er auch seinen Erfolg beim Eignungstest.
Die Besten des Eignungstests im Kreis der Lehrer und Handwerksvertreter. Als Sieger schlossen Phillip Kucera (5.v.l.) von der Realschule und Jan Salzmann (4.v.r.) von der Hauptschule ab.
