Allgemeine Berichte | 23.07.2013

Jehovas Zeugen Meckenheim

Vom Zuchthausinsassen zum Bibellehrer

Ewald Kohberg erzählte von einem ganz besonderen Zeitabschnitt in seinem Leben

Ewald Kohberg (rechts) beim Treffen mit Rolf Kaven in Meckenheim. JZ

Meckenheim. Ewald Kohberg (81), der seit fünf Jahren zur Meckenheimer Gemeinde von Jehovas Zeugen gehört, erzählte bei den diesjährigen Sommerkongressen im Meckenheimer Kongresszentrum von einem ganz besonderen Zeitabschnitt in seinem Leben. Über 4600 Anwesende auf zwei Kongressen hörten gespannt zu, als er unter dem Thema: „Die Wahrheit macht uns frei von Hoffnungslosigkeit“ von seiner Verfolgung in der DDR berichtete. Am 30. Juni 1952 wurde er als 20-jähriger für sieben Monate in Schwerin in Untersuchungshaft eingesperrt, ohne dass seine Eltern benachrichtigt wurden. Aus politischen Gründen angeklagt, wurde er in Rostock vor Gericht gestellt und zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Über diese schwere Zeit seines Lebens berichtete Ewald Kohberg: „Ich war sehr deprimiert und fühlte mich hoffnungslos. Für Gerechtigkeit und Wahrheit hatte ich mich eingesetzt und nun saß ich verurteilt im Zuchthaus Bützow-Dreibergen (Mecklenburg-Vorpommern). Dabei musste ich meine Zelle mit bis zu neun anderen Häftlingen teilen.“ Bei seiner Arbeit als Installateur im Zuchthaus begegnete er Ewald Kaven, einem von 279 Zeugen Jehovas im Zuchthaus Bützow-Dreibergen. Der Historiker Hans Hesse hat den DDR-Strafvollzug erforscht. In dem Buch „Denn einmal kommt der Tag, dann sind wir frei...“, berichtet er, dass nahezu 25 Prozent der inhaftierten männlichen Zeugen Jehovas bereits in der NS-Zeit verfolgt wurden und somit Opfer zweier Diktaturen wurden. Ewald Kohberg beobachtete ihren starken Zusammenhalt und die innere Zufriedenheit, die sie ausstrahlten - und das trotz Haftbedingungen, die teilweise härter als im KZ waren. „Bei unseren Rundgängen auf dem Hof nutzten Ewald und ich die Mittagspause, um uns über die Bibel zu unterhalten. Was ich dabei über Gott und Gottes Königreich erfuhr, weckte in mir den Wunsch, die Bibel selbst zu lesen, obwohl dies unter Strafe stand,“ meinte Ewald Kohberg und fügt hinzu: „So begann meine ganz persönliche Wende: Von innerer Hoffnungslosigkeit zur Hoffnung, dass durch Gottes Regierung Gerechtigkeit auf der Erde herbeigeführt werden wird. Die Aussage Jesu, dass die Wahrheit aus Gottes Wort frei macht, auch frei von Hoffnungslosigkeit, habe ich persönlich erlebt.“ Aufgrund guter Führung wurde Ewald Kohberg 1956 auf Bewährung entlassen und setzte sich noch im selben Jahr in den Westen ab. 1957 lies er sich als Zeuge Jehovas taufen. Heute zieht er folgendes persönliches Lebensresumee: „Die Wahrheit der Bibel hat mir Antworten auf alle meine Lebensfragen gegeben. Wenn ich heute mit 81 Jahren über mein Leben nachdenke, wenn ich meine Tochter mit ihrer Familie sehe, die ebenfalls zur Meckenheimer Gemeinde von Jehovas Zeugen gehört, dann bin ich dankbar und glücklich, dass ich mich seit 55 Jahren aktiv als Bibellehrer für die Hoffnung aus Gottes Wort eingesetzt habe.“ Ein zusätzliches Highlight war für ihn anlässlich der Meckenheimer Kongressserie von Jehovas Zeugen das Wiedersehen mit Rolf Kaven, dem jüngsten Sohn des Mannes, der ihm im Zuchthaus wieder eine Hoffnung gab. Kaven, der auf dem Kongress als Vorsitzender fungierte, dankte in seinen Schlussworten den über 360 freiwilligen Helfern, die zum Gelingen der Kongresse beigetragen hatten, und sprach damit allen Anwesenden aus dem Herzen.

Ewald Kohberg (rechts) beim Treffen mit Rolf Kaven in Meckenheim. Foto: JZ

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