Verkehrskongress im Siegburger Stadtmuseum
Von Eitorf nach Miel in vier Stunden
Dringender Reformbedarf bei öffentlichen Verkehrsmitteln
Meckenheim/Siegburg. Kürzlich führte die SPD-Kreistagsfraktion Rhein-Sieg im Siegburger Stadtmuseum einen gut besuchten Verkehrskongress im Siegburger Stadtmuseum durch. In seinem Eingangsreferat warb Prof. Dr. Monheim mit Verve dafür, sich von der bisherigen Verkehrspolitik, die noch immer einseitig auf das individuelle Auto ausgerichtet sei, zu verabschieden und statt dessen – nicht zuletzt aus Gründen des Klimaschutzes – auf intelligente und gemischte Verkehrskonzepte mit differenzierten Angeboten zu setzen. Dazu zählten attraktive Fahrpreisangebote der Eisenbahnunternehmen mit Vergünstigungen wie Bahn-Card, carsharing, Elektro-Fahrräder wie E-Bikes und E-Pedelegs, Mini- und Midi-Busse, Bürgerbusse und Rufbus- bzw. Taxibussysteme. Er machte deutlich, dass zum Beispiel in Frankreich oder der Schweiz der Kostendeckungsgrad des öffentlichen Nahverkehrs, das heißt die Deckung der Kosten über die Fahrtentgelte deutlich höher als in Deutschland sei, weil es in diesen Ländern einen attraktiveren und qualitativ besseren ÖPNV gebe. Unter Moderation von Petra Voßebürger von der Dortmunder Unternehmung „IKU Die Dialoggestalter“ fand dann eine lebhafte Podiumsdiskussion statt, an der streckenweise das Publikum teilnahm. Es diskutierten: Der NRW-Landtagsabgeordnete und verkehrspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Reiner Breuer, Jürgen Fenske, Vorstandsvorsitzender der Kölner Verkehrsbetriebe, der Geschäftsführer der DB Regional Köln Dirk Helfert und Heinz Jürgen Reining, Geschäftsführer der Stadtwerke Bonn. Der Eitorfer Kreistagsabgeordnete und verkehrspolitische Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion Dietmar Tendler wies in seiner Begrüßung eindrucksvoll auf die Defizite im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im Rhein-Sieg-Kreis hin: „Ich werde morgen zum Neujahrsempfang der SPD Swisttal mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Eitorf nach Miel fahren. Hierfür benötige ich über vier Stunden und damit genau so lang, als ob ich mit dem Zug von Eitorf z.B. nach Erfurt in die thüringische Landeshauptstadt fahren würde.“ Prof. Heiner Meindorf verwies auf andere Länder wie zum Beispiel Finnland, wo öffentliche Busse auch die örtlichen kleinen Lebensmittelgeschäfte mit Lebensmitteln und Waren versorgen und so der Autoverkehr reduziert werde. Insgesamt – auch dies war für manchen Zuhörer eine überraschende Erkenntnis – hat heute der Einkaufs- und Freizeitverkehr einen höheren prozentualen Anteil am Verkehrsaufkommen als der Berufsverkehr. Beherrschende Themen in der Diskussion mit dem Publikum waren die bevorstehenden Brückensanierungen im Bonner Raum, überfüllte Züge, Straßenbahnen und Busse sowie die oft mangelhafte Information der Fahrgäste bei Zugausfällen oder Verspätungen. So mahnte Bürgermeisterkandidatin Dr. Brigitte Kuchta für Meckenheim eine Verbesserung und Optimierung des ÖPNV in Meckenheim an, wozu unter anderem eine bessere Anbindung der Meckenheimer Ortsteile zur Meckenheimer Kernstadt sowie eine bessere Abstimmung zwischen der DB und dem Bus 843 am Haltepunkt Meckenheim-Industriepark bei Verspätungen der Voreifelbahn RB 23 zähle. Es könne nicht sein, dass der Bus schon zur Neuen Mitte losfahre, obwohl der Zug fünf Minuten später aus Bonn eintreffe.
Pressemitteilung
SPD-Kreistagsfraktion Rhein-Sieg
