Stadtsoldaten-Corps feiert 145-jähriges Bestehen
Von Generationen getragen
Fast 180 Karnevalisten zwischen drei und 87 Jahren sind zurzeit in elf Abteilungen aktiv
Meckenheim. 1868: Im mit 1300 Bürgern eher beschaulichen Meckenheim wird die „Große Meckenheimer Karnevals-Gesellschaft“ gegründet. Sie gilt in der historischen Rückschau als Keimzelle des Stadtsoldaten-Corps, das in diesem Jahr sein 145-jähriges Bestehen feiern kann. „145 Jahre - von Generationen getragen“ ist das Motto des Jubiläumsjahres, das mit der Eröffnung einer Ausstellung am Freitag und einem Tag der offenen Tür am vergangenen Wochenende eingeleitet wurde.
„145 Jahre - das ist in Meckenheim unübertroffen. Nur die Sankt Sebastianus Schützenbruderschaft ist noch älter. Wir sind eines der ältesten Traditionscorps Deutschlands“, erklärte Kommandant Peter Klee zur Eröffnung der Ausstellung. Er selbst gehöre einer Generation an, die mit den Stadtsoldaten groß geworden sei. Sein besonderer Dank galt Karl Siegberg, der 1963 das Kommandantenamt von Hans Eschweiler übernommen hatte und das Corps mit viel persönlichem Einsatz in die Neuzeit geführt hat. Damals zählten die Stadtsoldaten 18 aktive Mitglieder. Mit konsequent betriebener Jugendarbeit sei es unter Siegberg gelungen, die Mitgliederzahl innerhalb von fünf Jahren auf 70 zu schrauben. In seine Zeit falle zudem die Freundschaft zum Musikverein Neumarkt/Steiermark, die mittlerweile seit 45 Jahren mit Leben gefüllt werde. In besonderer Weise habe sich auch sein unmittelbarer Vorgänger Hans-Erich Jonen um das Stadtsoldaten-Corps verdient gemacht. „Er hat uns das Wichtigste beschert, was wir haben - unser neues Zeughaus. Es ist unsere gute Stube, unser Daheim“, so Paul Klee. Überhaupt seien die 145 Jahre die Geschichte einer Gemeinschaft von Generationen und Menschen, die stets das Vorankommen des Corps im Sinn gehabt hätten. „Das ist das Fundament, auf dem wir heute stehen“, betonte der Kommandant.
Bürgermeister Bert Spilles fungiert als Schirmherr
„Hunderte von Mitgliedern, Freunde und Gönnern sind Zeugnis dafür, dass viele Menschen das Corps getragen haben und immer noch tun“, lobte auch Bürgermeister Bert Spilles, der erklärte, nicht nur froh zu sein, sondern sich ebenso geehrt fühlte, die Schirmherrschaft über die Ausstellung im Zeughaus und das vom 10. bis 12. Mai in der Swistbachaue folgende große Jubiläumsfest übernehmen zu können. Nicht zuletzt die Ausstellung zeige, wie sehr die Stadtsoldaten mit der Stadt verbunden seien. Der Bürgermeister dankte allen Beteiligten für das große Engagement um das Brauchtum „in unserer Stadt“. „Als Schirmherr fordere ich alle auf: Lasst uns diese Tradition bewahren“, schloss Spilles seine Ansprache.
Zeugnisse einer langen Vereinsgeschichte
In vierwöchiger Vorbereitung haben Uniformwartin Regina Gutzeit und Zeremonienmeister Stefan Hammerschlag einige Hunderte Ausstellungsstücke zusammengetragen. Neben dem gut sortierten Fotoarchiv - Bilder von 1900 bis heute füllen rund 40 Ordner - sind in der Kommandantur gut 200 blank geputzte Pokale zu bewundern. Besonders stolz ist man auf die Trophäen, die die „starken Männer der Stadtsoldaten“ als Seriensieger beim Meckenheimer Tauziehwettbewerb haben erringen können. Fotos, Plakate und Presseberichte aus gut 100 Jahren sind auch in der „Folterkammer“ - dem Übungsraum - ausgestellt. Der erste Karnevalszug im Jahr 1906 wurde ebenso im Bild festgehalten wie die bislang letzte Fahrt zum Musikverein Neumarkt. Selbstverständlich werden auch die Freunde aus Österreich zum Jubiläumsfest erwartet. Einen Höhepunkt der Ausstellung bildet das Zeughaus, das 2001 mit enormem ehrenamtlichen Einsatz der Mitglieder gebaut wurde. Neben einem Modell und einer mit Bildern bestückten Chronik ist etwa ein Modell des Multifunktionshauses zu sehen. Von der glorreichen Geschichte des Corps zeugen nicht zuletzt die Porträts der Spieße und Kommandanten. An der Wand hängen alte Musikinstrumente des im Anschluss an das Fest zum 100-jährigen Jubiläum gegründeten Tambourcorps.
Zwei Vitrinen füllen auch die zahlreichen Orden, die an besondere Ereignisse des Corps erinnern. Als besonderes Schätzchen bezeichnet Regina Gutzeit den ersten Jubiläumsorden zum Hundertjährigen, von dem lediglich 20 Exemplare existieren und der nur an Mitglieder vergeben wurde, die sich in besonderer Weise um die Stadtsoldaten verdient gemacht hatten.
Stolz ist man auch auf die Uniform aus den sechziger Jahren, das einzige Stück seiner Art, das sich im Fundus der Stadtsoldaten befindet. „Etwas ganz Besonderes ist auch der Kinderprinzenornat von Andreas Groß, der 1987 als erster proklamierter Kinderprinz der Stadt Meckenheim in die Annalen eingegangen ist“, weiß Regina Gutzeit. Imposant ist auch der mannshohe und 16 Kilogramm schwere Schellenbaum, der den Stadtsoldaten beim Kameradschaftsabend 2005 auf Initiative von Günther Tobisch überreicht wurde und seitdem bei allen Auftritten als sichtbares Zeichen einer stolzen karnevalistischen Streitmacht dabei ist.
Tragende Säule des gesellschaftlichen Lebens
Heute tragen fast 180 begeisterte Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer die blau-rot-weiße Uniform und längst ist das Stadtsoldaten-Corps nicht mehr „nur“ ein Karnevalsverein, sondern hat sich zu einer tragenden Säule des gesellschaftlichen Lebens in Meckenheim entwickelt. Im Jubiläumsjahr verfügen die Stadtsoldaten über elf uniformierte Abteilungen, in denen Stadtsoldaten im Alter von drei bis 87 Jahren mit großer Begeisterung das Brauchtum Karneval pflegen.
