Politik | 12.08.2015

„Fairer Handel“ und ein Lebenswerk

Weiterhin im Aufwind

Mit Harry Neyer lebt einer der Väter des erfolgreichen Projekts in Meckenheim

Harry Neyer mit Peter Kardinal Turkson aus Ghana bei dessen Besuch in Meckenheim. privat

Meckenheim. Es begann mit Bastkörben, Nussketten und Bambusflöten. Jugendgruppen und Frauenkreise verkauften handgefertigtes Kunstgewerbe aus Ländern der Dritten Welt, wie es damals genannt wurde. Damals, das war 1971, als die „Aktion Dritte Welt Handel“ gegründet wurde. Harry Neyer, einer der Gründer und erster Vorsitzender, zog 1972 nach Meckenheim, weil er in Bonn im kirchlichen Dienst für Entwicklungspolitik tätig wurde. Die Aktion war auf Anhieb erfolgreich. Schon 1973 erreichte der bundesweite Umsatz eine Million Mark. Inzwischen war die Verkaufspalette um Kaffee und Tee erweitert worden. Die Produkte hatten etwas Besonderes: Sie waren ausnahmslos in kleinen Produktionsgenossenschaften entstanden.

Beim Verkauf dieser „politischen Waren“ konnte leichter auf die bisherige Ausbeutung der Kleinbauern in den Entwicklungsländern hingewiesen und ihre Bereitschaft zur Selbsthilfe gestärkt werden. Dazu erzielten sie nun höhere Gewinne als im Großhandel und das langfristig. So konnten sie Kindergärten, Schulen und Krankenstationen bauen, die Qualität ihrer Produkte verbessern und insgesamt „integrierte Entwicklung“ gefördert werden.

Die „Aktion Dritte Welt Handel“ hatte zur Sicherung und Finanzierung des Warenimports als Ableger der holländischen Partnerorganisation eine „Dritte Welt Handel Gesellschaft“ initiiert, deren Vorsitz in der Gesellschafterversammlung Harry Neyer übernahm. Längst waren auch die großen Hilfswerke der beiden Kirchen wie MISEREOR und „Brot für die Welt“ ins Boot geholt worden, um deren Erfahrungen und Projektkontakte einzubeziehen. Dies führte dann 1975 zur Gründung der GEPA, der „Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt GmbH“, heute das größte Fair-Handelshaus in Deutschland und in diesem Jahr 40 Jahre alt.

Seit vielen Jahren ist der faire Handel im Aufwind - mit über einer Milliarde Euro Umsatz 2014. Auch im lokalen Lebensmittelhandel sind die fairen Produkte zu haben und am „Fair Trade“- Logo zu erkennen. Sie kosten etwas mehr als die Billigangebote. Aber viele Kunden haben inzwischen verstanden, dass faire Produkte die Lebensqualität der Produzenten verbessern. Zudem hat die westliche Welt mit ihrem Konsumverhalten und Lebensstil Einfluss auf die sozialen wie auch auf die ökologischen Bedingungen der Hersteller weltweit, weil zudem auch der Anteil biologischer Produkte zunimmt. Während der „Fairen Woche“ vom 11. bis 25. September wird erneut und besonders für Sinn und Zweck des Fairen Handels geworben.

In Meckenheim ist Harry Neyer, der am 19. August seinen 85. Geburtstag begeht, mehr bekannt durch die Initiierung der Ghana-Partnerschaft der katholischen Pfarrgemeinde St. Johannes der Täufer. Als Vorsitzender des damaligen Pfarrgemeinderats hat er sie gemeinsam mit dessen Mitgliedern seit 1980 vorbereitet und 1986 offiziell begründet. In der Partnerschaft werden die Bildungsprojekte der Gemeinde St. Paul in Kumasi (Ghana) unterstützt. Zugleich wird gegenseitiges Lernen durch Begegnung und Austausch gefördert. Im Jahr 2016 darf die Partnerschaft ihr 30-jähriges erfolgreiches Bestehen feiern - dank der Verbundenheit und wachsenden Solidarität vieler Meckenheimer Christinnen und Christen. Pressemitteilung

Partnerschaftsausschuss

Kumasi - Meckenheim

Harry Neyer mit Peter Kardinal Turkson aus Ghana bei dessen Besuch in Meckenheim. Foto: privat

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