Vortragsveranstaltung der Deutschen Vulkanologischen Gesellschaft in Mendig
Aufbau der jungen Eifelvulkane
Mendig. Bei vulkanisch-heißen Temperaturen hatten sich mehr als zwanzig Vulkanismus-Interessierte zu einer Vortragsveranstaltung der DVG in deren Dr. F. X. Michels-Institut in Mendig eingefunden. Der Chemiker Dr. Helmut Endres erläuterte ihnen anhand vieler Schaubilder und Fotos, wie das Eruptionsverhalten und damit der Aufbau der Vulkane von der Zähigkeit und dem Gasgehalt der magmatischen Gesteinsschmelze abhängen. In dem neuzeitlichen Vulkangebiet der Osteifel lässt sich dies in den Basaltsteinbrüchen der Ettringer Lay nachvollziehen. Diese sind Zeugnisse eines effusiven Eruptionsverhaltens. Hierbei tritt ein Strom aus dünnflüssiger Lava aus einem Vulkankrater aus und erstarrt zu den typischen „Basaltsäulen“. Ganz anders gebärdete sich vor 12900 Jahren der Vulkan, dessen Eruptionszentrum heute vom Laacher See eingenommen wird. Er schleuderte hochzähes und sehr gasreiches Magma so fein und weiträumig verteilt in die Luft, dass sich die Eruptionsprodukte im weiten Umkreis verteilten, ohne dass sich ein typischer Vulkankegel bilden konnte. Die spektakuläre Wingertsbergwand bei Mendig offenbart die Eruptionsgeschichte des Laacher See - Vulkans in einzigartigem Detail. Der Referent erklärte, warum die Zähigkeit und der Gasgehalt eines Magmas während dessen langsamer Abkühlung in einer Magmakammer zunehmen: Die Gesteinsschmelze, wie sie aus tieferen Erdschichten in die Erdkruste aufsteigt, besteht aus unterschiedlich großen Baueinheiten, die sich beim Abkühlen zu Mineralkristallen zusammenfinden können. Die kleineren Baueinheiten sind beweglicher als die größeren und komplizierter geformten.
Das Magma ist daher umso dünnflüssiger, je mehr kleine Mineral-Baueinheiten es enthält. Dies ist in der Regel bei einem jungen Magma der Fall, das zu einem friedlich-effusiven Eruptionserhalten neigt, und nach der Eruption Hufeisenkrater und Lavaströme hinterlassen kann, wie der Bausenberg bei Niederzissen zeigt. Verweilt aber das Magma für längere Zeit in der Magmakammer, kühlt es langsam ab. Dabei kristallisieren nach und nach bestimmte Mineralien aus der Schmelze aus. In den zuerst gebildeten Mineralien sammeln sich die besonders kleinen und leicht beweglichen Baueinheiten an, die so aus der restlichen Schmelze entfernt werden. Danach finden sich die nächstgrößeren Baueinheiten zu Mineralkristallen zusammen. Und so setzt sich dieser Prozess mit der weiteren Abkühlung fort: Immer die zum jeweiligen Zeitpunkt kleinsten noch vorhandenen Baueinheiten verlassen als Kristalle die Schmelze. Hierdurch wird die Schmelze immer zäher. Kommt es dann zu einer Eruption, werden die zähen Fetzen dieser Schmelze explosionsartig in die Atmosphäre zerstäubt. Dabei spielt auch der Gasgehalt der Schmelze eine bedeutende Rolle: Je gasreicher und zäher die Schmelze, desto größer ist die explosive Wirkung, wenn sich das unter hohem Druck im Magma gelöste oder komprimierte Gas beim Druckabfall auf seinem Weg an die Erdoberfläche explosionsartig ausdehnt. Diese Gase, insbesondere Wasser und Kohlendioxid, sind bereits in der jungen Schmelze vorhanden. In die Mineralkristalle, die sich bei der Lagerung in der Magmakammer nach und nach abscheiden, werden sie aber kaum eingebaut. Das Magma wird also mit der Zeit nicht nur zäher, sondern auch gasreicher: die richtige Mischung für ein hochexplosives Verhalten, wie es ganz dramatisch der Laacher See - Vulkan zeigte.
