Allgemeine Berichte | 04.05.2015

Ballsportbetonte Grundschulklasse in Mendig

Beeindruckende Ergebnisse nach Langzeitstudie

Die Ballsport orientierte Klasse 4b. privat

Mendig. Wie wirkt sich eine tägliche Sportstunde im Grundschulunterricht auf die soziale und motorische Entwicklung der Schülerinnen und Schüler aus? Diese Frage sollte im Rahmen einer Langzeitstudie an der Pfarrer-Bechtel-Grundschule in Mendig geklärt werden. Die Ergebnisse der von der Universität Koblenz unter der Leitung von Professor Dr. Reiner Theis durchgeführten Studie wurden nun vorgestellt – und sind wahrlich beeindruckend.

Zusätzliche Sportstunden

Zu Beginn des Schuljahres 2010/11 bis zum Ende des Schuljahres 2013/14 genossen  28 Schülerinnen und Schüler statt der üblichen drei Schulstunden Sport derer fünf, davon zwei mit sportartübergreifenden ballsportorientierten Inhalten – andere Unterrichtsfächer wurden dafür nicht gekürzt, sondern die Gesamtstundenzahl erhöht.  Die Schülerinnen und Schüler absolvierten innerhalb der vier Jahre mehrere motorische Tests, darüber hinaus wurde ihre soziale Entwicklung durch Tests, Fragebögen, Lehrereinschätzlisten, Interviews – auch mit Eltern und Lehrern – und Unterrichtsbeobachtungen festgehalten. Unterstützt wurde das Projekt bereits mit der Initiierung durch den Fußballverband Rheinland, der sich auch in finanzieller Hinsicht stark einbrachte und die ADD Koblenz.

Umgang mit Sieg und Niederlage

Die Ergebnisse der aktuell vorgelegten Studie zeigen, dass sich dieses Engagement gelohnt hat: So konnten bei den Schülerinnen und Schülern in allen Bereichen der Persönlichkeitsentwicklung, im Sozialverhalten, in der kognitiven Entwicklung und in der Motorik wissenschaftlich belegbare Fortschritte festgestellt werden. Die Frage, welche Rolle der Ballsport als Schwerpunktsetzung beim Projekt spielte, konnte ebenfalls beantwortet werden: Wie die positiven Ergebnisse im sozialen Bereich zeigen, ist das im Ballsport thematisierte mit- und Gegeneinanderspielen im Besonderen geeignet, um den Umgang mit Konflikten, die Anerkennung von Regeln, den Umgang mit Sieg und Niederlage sowie das Bilden von fairen Mannschaften zu erlernen.

Bildungschancen des Sports

Aus den Unterrichtsbeobachtungen geht ebenfalls hervor, dass sich der spielerische Charakter der (Ball-)Spiele positiv auf die Sportbegeisterung und Motivation der Kinder auswirkt. „Das ist ein Projekt mit Signalwirkung“, sagte Walter Desch, Präsident des Fußballverbandes Rheinland. „Die Schullandschaft sollte offen sein gegenüber solchen Projekten und die unaustauschbaren Bildungschancen des Sports diesbezüglich fördern und nutzen.“ Das sah auch Prof. Dr. Reiner Theis so: „Die Studie hat die positiven Ergebnisse in der Entwicklung von Kindern durch zusätzlichen Sportunterricht, insbesondere Ballsport, aufgezeigt und bewiesen“ – und hob die große, jederzeit spürbare Begeisterung bei allen Beteiligten hervor. Als verantwortlicher Sportwissenschaftler lautete sein Credo: „Die tägliche Sportstunde sollte daher sowohl in der Primarstufe als auch in den weiterführenden Schulen in den nächsten Jahren flächendeckend umgesetzt werden.“ Diese Forderung konnte Staatssekretär Hans Beckmann freilich nicht an Ort und Stelle zusagen. Dennoch meinte auch er: „Ein ganz besonderes Projekt, dessen beeindruckende Ergebnisse die Bestätigung erbracht haben: Der Bildungswert des Faches Sport ist in der Schule von herausragender Bedeutung für die soziale und motorische Entwicklung.“ Schulleiter Matthias Jaklen zeigte sich ebenfalls sehr angetan von den vorgelegten Ergebnissen, aber auch von dem Verlauf der vier Projektjahre: „Wir hatten viele, ausgesprochen verlässliche Partner: die Kinder, die Eltern, die Lehrkräfte, den Fußballverband Rheinland, die ADD Koblenz und die Universität Koblenz. Ich blicke mit einem sehr guten Gefühl auf die Jahre zurück“,- der DFB und der FVR haben in meinen Augen eine gesellschaftlich wichtige Vorreiterrolle bei der Förderung des Schulsports inne. So war es im Rahmen dieses Projekts möglich, dass der Ballsport und nicht ausschließlich der Fußball im Vordergrund stand.“ Für die Kinder und Eltern der BSK waren diese besonderen vier Grundschuljahre eine sicherlich unwiederholbare Herausforderung, ein einmaliges, gemeinschaftlich geprägtes Erlebnis, welches hoffentlich nachhaltig wirkende positive Wahrnehmungen, Einstellungen und Einfluss auf gesamte Persönlichkeitsbildung der Kinder hatte - insbesondere die Mädchen und Schüler, die eher Außenseiterpositionen inne hatten von den zusätzlichen Sportstunden am stärksten profitiert. Für die Grundschule Pfarrer-Bechtel Mendig war das Projekt ein weiterer Baustein, um die im Qualitäts- und Schulprogramm grundgelegte Zielvorgabe der Weiterentwicklung zentraler Unterrichtsbereiche im Hinblick auf eine moderne und zeitgemäße Lebens- und Lernstätte anzustreben. Die sportliche Ausrichtung und Schwerpunktbildung wurde und wird im gemeinsamen kollegialen Konsens seit vielen Jahren praktiziert.

Pädagogische Sinnhaftigkeit

So wird versucht dem Anspruch und Wert der ästhetischen Parallelfächer Musik und Kunst ebenfalls zu berücksichtigen und die besonderen und vergleichsweise ähnlich gelagerten Bildungsmöglichkeiten dieser Bereiche den Kindern nahe zu bringen. Nicht zuletzt bot sich mit dem Projekt die dankbar angenommene Gelegenheit konkrete Personalentwicklung für die Schule vorzunehmen. Für den Fußballverband Rheinland war dieses Projekt eine von vielen Maßnahmen, mit denen der selbstbewusste Verband den vergleichsweise guten finanziellen und allseits anerkannten Standortvorteil in die schulische und damit gesellschaftliche Weiter- und Fortentwicklung steckt. In das konkrete BSK Projekt flossen beträchtliche Mittel, verbunden mit der Hoffnung, dass die Ergebnisse die pädagogische Sinnhaftigkeit der durchgeführten Maßnahme inhaltlich und qualitativ bestätigen und damit insgesamt auf schulischer Ebene ähnliche und weitergehende Projekte institutionalisiert werden können. Für die ADD und das MBWWK war das Projekt eine geeignete Möglichkeit die Innovationsbereitschaft des Systems Schule zu dokumentieren. Mit der großzügigen Unterstützung wurde aber auch die erfolgreiche Mitwirkung der Grundschule Pfarrer-Bechtel Mendig als Pilotschule bei der Entwicklung des Teilrahmenplans Sport und des landesweiten MOQS-Fortbildungsprojekts honoriert und anerkannt. Darüber hinaus hat der Schulsport in Rheinland-Pfalz seit mehreren Jahren eine ganze Reihe weiterer innovativer Projekte initiiert und gefördert und damit den besonderen, unaustauschbaren Wert und Bildungsanspruches des Faches nachhaltig dokumentiert. Für das Sportinstitut der Universität Koblenz bot sich in persona Dr. R. Theis mit dem BSK-Projekt die Gelegenheit im Rahmen einer wissenschaftlichen Begleitung die unmittelbare Verzahnung hochschulspezifischer Forschungsansätze mit einem konkreten Unterrichtsprojekt vorzunehmen.

Mit „Ballsport“ auseinandersetzen

Die prozessbegleitende Erhebung des umfangreichen Datenmaterials wurde unterstützt durch regelmäßige Unterrichtshospitationen in denen je nach Vorgabe und Zielperspektive spezielle unterrichtliche Sequenzen in enger Absprache mit dem unterrichtenden Lehrer Florian Stein an dem aktuellen Forschungsdesign orientiert aufbereitet wurden. Auf diese Weise erhielten eine ganze Reihe von Lehramtsstudentinnen und -studenten Einblicke in eine sportpädagogisch und kompetenzorientierte Unterrichtsgestaltung bei der sich Schülerinnen und Schüler aktiv, engagiert und konstruktiv mit dem Unterrichtsgegenstand „Ballsport“ auseinandersetzten, in dem sensibel mit heterogenen Lernvoraussetzungen umgegangen und effizient und produktiv Lernerfolge angestrebt und abgesichert wurden.

Pressemitteilung der

Grundschule Mendig

Staatssekretär Heinz Beckmann, Dr. Rainer Theis, Rektor Matthias Jaklen, FVR-Präsident Walter Desch und ADD Sportreferent Stefan Kölsch.

Staatssekretär Heinz Beckmann, Dr. Rainer Theis, Rektor Matthias Jaklen, FVR-Präsident Walter Desch und ADD Sportreferent Stefan Kölsch.

Die Ballsport orientierte Klasse 4b. Fotos: privat

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Kommentare
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  • Julia Doll : Lieber Roman, ja absolut, sehe ich ganz genauso
  • Roman Bermel: Hallo Julia. Du hast vollkommen recht. Ich habe lange bei euch gearbeitet und bin auch heute noch in der Grundschule unterstützend tätig. Ich kann nicht feststellen, dass weniger Unterstützung notwendig ist, eher das Gegenteil ist der Fall.
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