Allgemeine Berichte | 28.09.2015

Comedian Jürgen von der Lippe stellte in der voll besetzten Laacher See-Halle sein jüngstes Buch vor

„Beim Dehnen singe ich Balladen“

Im Anschluss an den kurzweiligen Abend signierte der Altmeister seine von den Fans neu erworbenen Bücher.

Mendig. „Beim Dehnen singe ich Balladen“ heißt das bereits im Januar erschienene jüngste Werk des bekannten Comedian und Moderators Jürgen von der Lippe. Auf seiner Lesereise machte er auch Station in Mendig und wurde in der bis auf den letzten Platz besetzten Laacher See-Halle von seinen Fans mit einem Riesenapplaus empfangen. Gleich zu Beginn stellte der 67-jährige Profi augenzwinkernd klar, dass er nicht mehr der Jüngste sei und die Fotografen ihn bitte nicht mit „Blitzlichtgewittern“ traktieren mögen. „Blitzen kann der Opa nicht mehr vertragen!“ Während er sich zunächst ausführlich über das Lachen im Allgemeinen und insbesondere im Zusammenhang mit der Reaktion seines Publikums ausließ, unterhielt er dieses etwa zwei Stunden lang mit Geschichten aus seinem Buch. Dabei sprang er zwischen unterschiedlichsten Themenbereichen hin und her und landete dabei im ehelichen Schlafzimmer oder bei Gott, der einen Witz erfindet, bei dem Adam nicht besonders gut wegkommt, und am Ende gesteht, verknallt in Eva zu sein.

In jedem Genre zu Hause

Ob es nun um Heiratsanträge oder einen Kannibalismus-Experten geht, mit seinem untrüglichen Gespür für Zwischentöne bewies der Altmeister, dass er vom Western bis zum Beziehungsratgeber in jedem Genre brillieren kann. Auch seinen Lieblingsphilosophen Immanuel Kant ließ er zu Wort kommen: „Kant hat die Ehe als einen Vertrag zur wechselseitigen Nutzung der Geschlechtsteile bezeichnet. Das ist natürlich Quatsch! Ein Vertrag enthält schließlich immer eine Garantie. Und welche Frau würde diese nicht nach kurzer Zeit in Anspruch nehmen, den Mann zurück zu seiner Mutter bringen und sagen, hier nimm ihn zurück, er ist ein Mängelexemplar? „Kants kategorischen Imperativ interpretierte der wortgewaltige Kabarettist und Comedian ebenfalls auf seine Weise, indem er einer Mutter, die ihr Kind „...mein kleiner Schmetterling“ nennt, die bitterböse Wahrheit sagt: „Ein Schmetterling ist ein federleichtes, hauchzartes Wesen und nun betrachten wir ihr Kind: In drei, vier Jahren hat ihre Wuchtbrumme noch einmal 20 Kilo drauf gepackt.“ Gezielt gesetzte Schlusspointen, der kurze Witz zwischendurch - Treffen sich zwei Jäger. Beide tot - und viele humorige Einlagen trafen den Nerv seiner Fans. Selbst die vielen Einschläge unter der Gürtellinie wirkten bei dem Geld- oder -Liebe-Mann selten obszön und geschmacklos. Die Gratwanderung zwischen Sexismus und Fäkalsprache, zwischen Wortkunst und Stammtischwitzen gelang ihm beinahe perfekt.

Applaus ohne Ende

Im Dialog mit dem Publikum in der Laacher See-Halle bewies Jürgen von der Lippe, dass auch er eine gute Pointe zu schätzen weiß. Auf seine Frage: Was könnten die größten Beziehungskiller sein? kam aus dem Publikum der spontane Zuruf: Waffen! Obwohl seine Antwort „Nasenbohren“ gewesen wäre, überzeugte diese Antwort den Humoristen so sehr, dass er sich gleich eine Notiz machte und diesen Gag sicher in einer seiner nächsten Lesungen zum Besten geben wird. Für den nicht enden wollenden Applaus revanchierte der Altmeister sich gleich mit drei Zugaben und im Anschluss an die kurzweilige Veranstaltung belohnte er die wartenden Männer und Frauen aller Altersklassen mit je einer persönlichen Widmung in deren „frisch“ erworbenen Buchexemplaren. Übrigens: Jürgen von der Lippe heißt eigentlich Hans-Jürgen Hubert Dohrenkamp und sein Künstlername hat nichts mit seiner lustigen Lippe zu tun, sondern mit dem Kreis Lippe, in dem er 1948 geboren wurde.

Im Anschluss an den kurzweiligen Abend signierte der Altmeister seine von den Fans neu erworbenen Bücher.

Im Anschluss an den kurzweiligen Abend signierte der Altmeister seine von den Fans neu erworbenen Bücher.

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