Alternative Sitzung der KG Niedermendig in der Laacher-See-Halle
Christel Geilen ließ Freudentränen kullern
Mendig. Nach der gelungenen Premiere im vergangenen Jahr stand bei der KG Niedermendig auch 2015 die Bauzaunsitzung wieder auf dem Programm. Das Konzept dieser alternativen Sitzung ist so simpel wie erfolgreich. Männlein und Weiblein sitzen im Saal durch einen Bauzaun getrennt, genießen das Programm aber gemeinsam. Dabei ergeben sich allein schon durch diese Konstellation herrliche Möglichkeiten, mit den Unterschieden der Geschlechter zu spielen. Unterstützt wird diese Möglichkeit direkt durch den Elferrat - fünf Männer für die Frauen und fünf Damen für die Herren. Komplettiert wurde der Elferrat vor der Pause durch Stargast Olivia Jones (Oliver Ammel) und nach Pause durch Conchita Wurst (Thorsten Laux). Beim Blick in den Saal musste allerdings konstatiert werden, dass die Damenwelt bei der Bauzaunsitzung in der Überzahl war. Entsprechend hatten die Männer einen schweren Stand - konnten sich aber dennoch prima wehren.
Übereinstimmende Begeisterung in beiden Lagern beim Auftakt durch die Stadtsoldaten, die völlig zu Recht als Aushängeschild der KG Niedermendig bezeichnet werden.
Die Garde präsentierte gleich drei Gardetänze vom Allerfeinsten auf der Bühne. Den Auftakt machte Tanzmariechen Luisa Rheindorf. Nachdem der Applaus für diesen Soloauftritt abgeebbt war, stand die agile Tänzerin bereits wieder in der Reihe der jungen Garde, die einen furiosen Tanz bot. Den Abschluss bildeten die erwachsenen Tänzerinnen und Tänzer - das Publikum stand zunächst Kopf und anschließend von den Plätzen auf, um den Stadtsoldaten begeistert zu applaudieren.
Den Auftakt in der Bütt machte „der Dokda aus Maye“, Werner Blasweiler. Zur Verdeutlichung der Ausgangslage war mitten auf der Bühne eine Tür angebracht, die Blasweiler immer wieder nutzte, um mal mit den Herren zu reden und dann wieder auf die Damenwelt einzugehen. Standing Ovations erntete er für seine Rede, bei der er immer wieder mit den Unterschieden zwischen den Geschlechtern spielte. „Zugabe, Zugabe“ hallte es durch die Halle - und Blasweiler kam diesem Wunsch gern nach.
Und die Stimmung blieb am Siedepunkt, weil die Basaltbeißer ebenfalls eine grandiose Vorstellung ablieferten. Die sieben Akteure machten mit einfachsten Mitteln tolle Musik. Unter anderem ließ die mitreißende Rockhymne „We will rock you“ die Halle in ihren Grundfesten erzittern. Und der Clou: Wo andere Musikinstrumente oder viel Technik benötigen, kommen die Basaltbeißer mit Bechern und Händen aus. Das Publikum war begeistert und feierte die Gruppe völlig zu Recht ab.
Anschließend Heimspiel für die Tanzgruppe Mennije Mädche. Ins Land von 1001 Nacht entführte die Tanzformation das restlos begeisterte und staunende Publikum - eine Augenweide, was Kostüme, Choreografie und Anmut betrifft. Genau so hatten sich die Besucher die Zauberwelt des Orients bereits seit Kindesbeinen vorgestellt - und dies wurde in Perfektion auf die Bühne der Laacher-See-Halle gezaubert. Ein wahrlich märchenhafter Auftritt, der keine Wünsche offenließ.
Nach Dr. Blasweiler zum Auftakt folgte mit Professor Steven Geilen der nächste „akademische“ Glanzpunkt. Er ließ das Publikum an einer verrückten Vorlesung teilnehmen, die gleichzeitig das Ende der ersten Sitzungshälfte einleitete. „Die längste Schlange steht am Damenklo“ sangen die Triaden - und das Publikum bog sich vor Lachen. Vielleicht auch, weil der eine oder die andere nicht umhinkam, im Geiste dieser These zuzustimmen. Anschließend entließ der Elferrat das Publikum in die Pause, um den Gästen die Möglichkeit zu geben, die gesanglich vorgetragene Theorie der Triaden zu überprüfen.
Es ist nicht einfach, das Niveau über den gesamten Verlauf hin auf solch einem hohen Level zu halten - in Mendig gelang es, weil die Programm-Macher ein exzellentes Gespür für die Bedürfnisse und Wünsche des Publikums hatten. Sagenhafte 20 stramme Männer des Männerballetts „Zarte Zehe“ der KG Niedermendig starteten furios in die zweite Sitzungshälfte. Gleich drei verschiedene Kostüme präsentierten die Männer bei fetzigen Rhythmen - und das Publikum feierte im Saal ausgelassen mit. Vom pinken Anzug bis zum hautengen Body reichte das Repertoire in Sachen Kleidung. Vermutlich waren die Damen im Saal über diese abwechslungsreiche Garderobe begeistert, während die Männer wohl eher das schnelle Umkleiden bewunderten.
Die letzte Rede des Abends gehörte Christel Geilen, die ihre Erlebnisse aus der Kur präsentierte und dabei ihre Pointen treffsicher setzte. Auch hier kullerten Freudentränen bei den haarsträubenden Geschichten.
Einen Tanz der Extraklasse hatten die Niedermendiger dann aus dem Hunsrück exportiert. Die „Tanzenden Sterne“ aus Emmelshausen bewiesen eindrucksvoll, warum sie schon zahlreiche Landesmeistertitel und den Titel des Deutschen Meisters einheimsen konnten. Zwischendurch gab es noch den heiß begehrten Publikumsorden.
Dieser ging in diesem Jahr an die Zwillingsschwestern Anni Skiba und Uschi Schmidt, die seit Jahrzehnten zu den Stammgästen der Sitzungen bei der KG Niedermendig gehören.
Eine Besonderheit im Konzept der Bauzaunsitzung ist der frühe Beginn (18.11 Uhr) und damit auch das entsprechend frühe Ende, damit Männer und Frauen anschließend noch gemeinsam feiern können, um die Nacht zum Tag zu machen. Vorher aber setzten die „Schloffmötsche“ mit ihren Liedern einen grandiosen Schlusspunkt unter eine mehr als gelungene zweite Bauzaunsitzung. Der dritten Auflage im kommenden Jahr dürfte nichts im Weg stehen, es sei denn, die kreativen Köpfe der KGN zaubern eine weitere neue Idee aus dem Hut.
Öfter als einmal erhob sich das Publikum von den Stühlen, um bei den Programmpunkten zu feiern oder den Aktiven den verdienten Beifall zu zollen.
Eine tolle Show lieferte das Herrenballett der KG Niedermendig.
