Laufgemeinschaft Laacher See
Die höchsten Steilklippen Europas
Ultramarathonläufer Christoph Mintgen beim Madeira Island Ultra Trail mit 85 Km und 8240 Höhenmeter
Maria Laach. Die Madeira Inseln gehören, wie die Kanaren, Kapverden und den Azoren, zur Gruppe der makaronesischen („glückseligen“) Inseln. In der Mitte der Insel ragt einer der höchsten Gipfel Portugals empor.
Der höchste Berg ist Pico Ruivo mit 1862 m. Dieser bildet zusammen mit drei weiteren Bergen das Hochgebirge der Insel. Der Großteil der Küsten Madeiras sind Steilklippen. Im Süden Madeira liegt die höchste Klippe, Kap der Umkehr und wird mit einer Höhe von 560 bis 589 m angegeben, damit ist es eine der höchsten Steilklippen Europas. Diese Gebirgskette und einige Passagen der Klippen gilt es auf der Laufstrecke zu bezwingen. Dafür ist eine lange und schwierige Trainingsvorbereitung notwendig, denn die Strecke ist hoch anspruchsvoll und gefährlich.
Der Start für diesen Ultra Trail war um Mitternacht und liegt mit zehn Metern über dem Meeresspiegel immerhin vier Meter höher als das Ziel. Christoph Mintgen aus Nickenich war mit dabei und erfüllte sich hiermit einen lang ersehnten Traum. Schon zu Beginn an mussten sich die Sportler sehr konzentrieren. Auf den ersten 15 Kilometern musste Christoph 1200 positive Höhenmeter (HM) zurücklegen. Dabei war die Strecke bis dahin asphaltiert aber immer wieder mussten viele Stufen bewältigt werden. Ab Kilometer 17 kam Schneeregen und Nebel dazu. Christoph war auf 1300 HM und die Stufen, ob Steinblöcke, mit Kantholz gestützt oder aus purem Sand, wollten nicht weniger werden. Gegen 5 Uhr morgens gab es einen größeren Verpflegungsstand mit Kaffee, Tee und Gebäck. Hier konnte man sich etwas aufwärmen, aber da man zusätzlich gegen die Uhr läuft, hat man keinen längeren Aufenthalt. Alle sechs Kilometer musste Mintgen durch Checkpoints, wo man mit einem Chip am Arm die Zeit speichert und die Helfer (Volontäre) die Startnummern aufschreiben. Nach dem Christoph den ersten Gipfel auf 1550 HM und 28 Kilometer bezwungen hatte, lief er an dem berühmten Kanalsystem, dass das Wasser aus dem Norden in den Süden durch kleine und enge Höhlen transportiert, entlang.
Die Sonne ging langsam auf und die Uhr zeigte kurz nach Sieben an. Endlich konnte die Stirnlampe ausgeschaltet werden und ein schnelleres Tempo eingeschlagen werden. Ab jetzt ging es auf 950 HM runter. Doch das hielt nicht lange an, denn ab Kilometer 38 ging es auf den zweiten Gipfel mit 1650 HM. Ab dann hieß es Kraft sparen. Die Strecke ging immer hoch und runter, auf mindestens 1450 HM bis er den dritten Gipfel auf 1800 HM nach 47 Kilometern erreicht hatte. Den schwierigsten Teil hatte er hinter sich gelassen. Trotzdem musste er jetzt den höchsten Punkt und die gefährlichsten Stellen auf der Insel erreichen, bei Kilometer 53 und 1862 HM. Eine weitere große Verpflegung mit ärztlicher Kontrolle erwartete die Sportler. Die vorletzte maximale Cut-off Zeit von 16 Stunden konnte Christoph frühzeitig durchlaufen. Von dort aus ging es 20 Kilometer bergab. Wer denkt, dass es einfach wird, hat sich getäuscht. Teilweise lief es auf offiziellen Wanderwegen, die hin und wieder sehr steile Treppen beinhalteten, aber auch inoffizielle Wege, die abseits waren und mit viel Mühe zu meistern waren. Nach 19 Stunden ist Christoph endlich an den Klippen angekommen. Ab hier waren es nur noch zehn Kilometer. Das Laufen konnte man ab dann auch wieder einstellen, denn den letzten Anstieg von einer Länge von fünf Kilometern und 250 Höhenmeter - die einem deutlich höher erschienen - mussten bezwungen werden. Die Dämmerung setzte ein und alle wollten nur noch ins Ziel. Aber das Problem war, die 250 HM gingen wieder abwärts. Viele fragten beim letzten Checkpoint nach, ob noch weitere gefährliche Stellen folgen, aber es wurde versichert, das Schwierigste hätten alle hinter sich. Es hat nicht lange gedauert und den Extremsportlern wurde klar, dass mancher Volontär die Laufstrecke nicht kannte. Christoph schaltete wieder seine Stirnlampe ein, um mehr Sicherheit zu bekommen. Der Waldboden wurde mit spezieller Erde aufgeschüttet, damit man nicht komplett wegrutschte. Teilweise mussten sich die Läufer immer wieder an Bäumen festhalten und die Füße seitlich stellen, um unten heil anzukommen. Die Straßenlaternen leuchteten auf und endlich waren sie unten am Meer angekommen. Im schweren Laufschritt war das Ziel nicht mehr fern.
Nach 21:49:44 Std., einer Strecke von 85 km, mit 4116 HM im Anstieg und 4124 HM im Abstieg, 20 Minuten Pause durch Aufwärmen und ärztliche Kontrollen, erreichte Christoph völlig erschöpft das Ziel. Mit kaputten Schuhen war es ein Laufabenteuer ohne Gleichen - ein einzigartiges Erlebnis.
Wie Jens Vieler schon sagte: „Wo manche Leute Urlaub machen, laufen andere aus Leidenschaft.“
„Jetzt heißt es erst einmal den geschundenen Körper zur Ruhe kommen lassen. Dann kann man sich wieder so langsam Gedanken machen, welches Abenteuer als Nächstes auf ihn wartet“, verrät Christoph mit einem verschmitzten Lächeln.
