Neujahrsempfang des CDU-Stadtverbands Mendig
Großer Applaus für die Neujahrsansprache von Dr. Pater Albert Sieger
Mendig. Ernst Einig, Vorsitzender des Mendiger CDU-Stadtverbands begrüßte am Sonntag zum traditionellen CDU-Neujahrsempfang in der Laacher-See-Halle zahlreiche Vertreter der Mendiger Gesellschaft sowie aus Politik, Wirtschaft, Kirche, Schulen, Verbänden und Vereinen. Sein ganz besonderer Willkommensgruß galt dem Hauptredner des Tages, Pater Dr. Albert Sieger OSB, Prior der Benediktinerabtei Maria Laach. Den musikalischen Rahmen gestaltete die Mendiger Jugendrockband „Red Dot“, die das Publikum mit beeindruckenden Interpretationen bereits auf das bevorstehende Festival „Rock am Ring“ einstimmte.
Sodann sprach der Vorsitzende des Mendiger CDU-Stadtverbands die beiden Ereignisse an, die in den vergangenen Wochen die Schlagzeilen der Presse beherrschen: „Pegida“ und „Je suis Charlie“. „Besonders der schreckliche Angriff auf die Redaktion von ‚Charlie Hebdo‘ hat weltweit für Aufsehen und Empörung gesorgt. Ich möchte an dieser Stelle nicht bewerten, wie weit Satire gehen darf und wann und wo die Grenzen der Menschenwürde überschritten und Persönlichkeitsrechte verletzt werden. Doch mit Gewalt und Racheakten darf dem trotz unterschiedlicher Betrachtung niemals begegnet werden“, so Einig.
Jörg Lempertz, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Mendig und Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbands begann sein Grußwort mit den Worten: „Was würden Sie antworten, wenn Sie gefragt würden, welche Eigenschaften die Mendiger, Beller, Thürer, Riedener und Volkesfelder Bürger besonders auszeichnen? Es gibt auf diese Frage eine klare Antwort, die sogar historisch belegbar ist: Es ist der Mut der Menschen, für Visionen einzutreten, die Ärmel hochzukrempeln und Gas zu geben, und es sind die hier lebenden Menschen, die nicht als Oberbedenkenträger und Nörgler, sondern als Macher und aktive Unterstützer auftreten. Diesen positiven Geist der Menschen fortzusetzen, ist für mich oberste Devise im Amt des Bürgermeisters“, so Lempertz, der als Beispiel viele von Erfolg gekrönte Projekte vorstellte wie den Riedener Waldsee, den Lava-Dome, die Seniorenpolitik, die Tourist-Info Maria Laach, für die er seit 2003 gekämpft und die voraussichtlich im Frühjahr dieses Jahres fertiggestellt sein wird, die „Familienfreundliche Verbandsgemeinde“, die Finanzen in der VG (Schuldenabbau um 27 Prozent seit 2006), die Schaffung eines leistungsfähigen Gewerbeparks auf dem ehemaligen Flugplatzgelände Mendig und nicht zuletzt die erfolgreiche Standortbewerbung für Deutschlands populärstes und größtes Musik-Festival „Rock am Ring“, das im Juni auf dem ehemaligen Mendiger Flugplatzgelände stattfinden wird. „Diese Veranstaltung schenkt uns eine enorme Wirtschaftskraft und für die jungen Menschen eine ganz neue Heimatidentifikation“, so Lempertz.
In einem kommunalpolitischen Rück- und Ausblick des Fraktionsvorsitzenden im Mendiger Stadtrat, Achim Grün, machte sich dieser Sorgen über die angespannte Haushaltssituation der Stadt und empfahl den Ratskollegen von der SPD: „Vielleicht sollten Sie Ihre Kontakte zur Regierung in Mainz nutzen und dafür sorgen, dass die Kommunen von der Landesregierung mit den notwendigen finanziellen Mitteln ausgestattet werden, anstatt die Steuergelder in Nürburgring, Schlosshotel oder Energieagenturen zu investieren!“
In einer kurzen Pause widmeten die Besucher sich dem von Bäckermeister Bernd Lempertz gezauberten Kuchenbüffet und ließen sich die eine oder andere Köstlichkeit bei einer Tasse Kaffee schmecken. Diese gastfreundliche Geste der Mendiger CDU-Familie wurde auch diesmal wieder von zahlreichen Gästen in den höchsten Tönen gelobt.
In seiner höchst interessanten Neujahrsansprache erläuterte Gastredner Pater Dr. Albert Sieger „Die Aufgaben eines Klosteroberen heute“. „Als ich wegen dieser Ansprache angefragt wurde, habe ich spontan und gern zugesagt, und so danke ich dafür, heute hier sprechen zu dürfen. Ich habe auch gerne dem vorgeschlagenen Thema zugestimmt, da dieses sich mir seit meiner Wahl geradezu aufdrängt. Und auch diese Ansprache zu halten, gehört schon zu den Aufgaben eines Klosteroberen gerade von Maria Laach“, so Pater Albert, der zu seiner Person sagte: „Jahrgang 1962, nach dem Theologie-Studium in Bonn 1992 Eintritt in Maria Laach, ewige Profess 1998, Priesterweihe 1999, und seitdem war ich einer der seltenen Laacher Mönche, die mit einer halben Stelle auswärts arbeiteten, was ich 14 Jahre lang gemacht habe. Seit 2012 war ich Prior, seit 2013 auch Novizenmeister, habe also mit der Wahl nicht ganz unvorbereitet die neue Aufgabe als Prior-Administrator, als Oberer von Maria Laach, angenommen.“ Weiter sagte er: „Wenn ich auf die Rolle des Oberen von Maria Laach schaue, sehe ich zunächst auf die Benediktsregel, ein 1500 Jahre altes Dokument klösterlichen Lebens. Wenn die RB noch heute - mit vielen Modifikationen - eine Grundlage für unser Leben bilden kann, spricht das für die Qualität des Textes, die Weisheit ihres Verfassers und die Offenheit der Regelungen, die auf die verschiedensten Situationen und Zeiten angepasst werden können. In dieser Regel mit 73 Kapiteln wird der Abt fast 130 Mal erwähnt. Die RB lässt sich ohne die Figur des Abts nicht richtig verstehen. Aber die starke Stellung des Abtes in dieser Regel verbaut heute auch das richtige Verständnis, denn eine demokratische Gesellschaft kann Anstoß daran nehmen. Auch wenn ich den Titel ‚Abt‘ nicht trage und nur für drei Jahre gewählt worden bin, so habe ich doch alle Aufgaben eines Abtes zu erfüllen. Bereits, wenn Benedikt die Zielgruppe nennt, für die er seine Regel schreibt, sind es die, die in Gemeinschaft unter Regel und Abt leben. Dieses Paar, Regel und Abt, bestimmt von Anfang an das Gesicht eines Benediktinerklosters. Auch der Abt steht unter der Regel, die als Aktualisierung und Anwendung der Heiligen Schrift die Richtschnur für alles Tun im Kloster bietet. Aufgabe des Abtes ist es nicht nur, über die Einhaltung der Regel zu wachen, sondern auch zu lehren und vor allem die Regel offenzuhalten, sie auf die verschiedenen Situationen anzuwenden, damit die Regel nicht erstarrt und zu totem Buchstaben wird. Benedikt schreibt seine Regel für eine Gemeinschaft, die zu ihrem Bestehen feste und auch rechtliche Strukturen braucht, aber wie jedes System auch in der Gefahr steht, zu erstarren und sich nur noch um sich selbst zu drehen. Als Anfangsimpuls des Neulings, der in ein Kloster eintritt, nennt Benedikt ganz klar, dass er Gott suchen muss. Kloster ist mehr eine Suche und ein Weg als ein Finden und Besitzen. Wenn über alle richtigen und wichtigen Strukturen dieses dynamische Element vergessen wird, trocknet eine klösterliche Gemeinschaft innerlich aus und steht in der Gefahr der Erstarrung oder sogar des Absterbens. In der Menschenführung liegt nach der RB eindeutig die Hauptaufgabe des Abtes. Nach der Eigenart und Fassungskraft jedes Einzelnen soll er sich auf alle einstellen und auf sie eingehen. Auch wenn der Abt seine Amtsträger als Hilfen hat, denen er einzelne Bereiche anvertrauen kann - der Novizenmeister, der Krankenbruder etc. - bleibt die Sorge um die Brüder doch immer seine Aufgabe. Ohne entsprechende Ausbildung und eine entsprechende Erfahrung ist die Führung eines mittelständischen Unternehmens wie Maria Laach nicht möglich. Dadurch wird die Letztverantwortung des Abts und des Konvents für wirtschaftliche Entscheidungen aber nicht berührt, und wir wissen auch um unsere Verantwortung für die Arbeitsplätze bei uns und alle, die bei uns arbeiten.“ Abschließend sagte Sieger: „Die Aufgabe des Abtes ist es unter anderem, das Zeichen zum Gottesdienst zu geben. Zu sehen, was an der Zeit ist, was ansteht, und dann das Zeichen zu geben, dass es beginnen soll, und auf der anderen Seite all das viele, was im Kloster geschieht, unter den Segen Gottes zu stellen, ist im Vergleich zu der fast Allgegenwärtigkeit des Abtes in der RB zwar eine eher bescheidene Beschreibung seiner Aufgaben, aber eine, die mir gerade in dieser Selbstbescheidung gut gefällt und den Abt in seiner Beziehung zur Gemeinschaft und auch in der Ausrichtung zu Gott zeigt; und das sind nun einmal die beiden Pole, zwischen denen der Abt steht und zwischen denen er eine Brücke zu schlagen hat.“
Die Neujahrsansprache hielt der Ehrengast Pater Dr. Albert Sieger, Prior der Benediktinerabtei Maria Laach.
Die Mendiger Jugendrockband „Red Dot“ stimmte die Besucher schon einmal auf „Rock am Ring“ auf dem Mendiger Flugplatz im Juni dieses Jahres ein.
