Neujahrskonzert stand unter dem Motto: „Wien bleibt Wien“
Johann Strauß-Ensemble Köln versprühte Wiener Charme im Walzer- und Polka-Takt
Wiener Opernballatmosphäre begeisterte das Publikum des Neujahrskonzerts in der restlos ausverkauften Mendiger Laacher See-Halle
Mendig. Unter dem Motto „Wien bleibt Wien“ eröffnete das Johann-Strauß-Ensemble Köln unter der Leitung von Gerd Winzer das traditionelle Mendiger Neujahrskonzert in der bis auf den letzten Platz besetzten Laacher See-Halle mit dem berühmten Konzertwalzer „Wiener Blut“ von Johann Strauß (Sohn). Eine wahre Offenbarung stellte derweil das von dem Kölner Ensemble zur Verfügung gestellte Bühnenbild dar, welches nach einer Idee des Ensemble-Leiters kunstvoll gestaltet worden war. Während das aus Neuwied stammende Multitalent sowohl als Pianist als auch als Moderator eine hervorragende Figur machte, indem er fast jeden dargebotenen Walzer und Polka mit amüsanten Anekdoten zu würzen verstand, verzauberte das international anerkannte Ensemble sein Publikum mit musikalischen Highlights aus der Wiener Epoche des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die Musiker stammen allesamt aus großen Orchestern und finden sich schon seit Jahren zusammen, um mit Leidenschaft und Hingabe diese typische Wiener Musik zu spielen.
Außer der Annen-Polka aus der ersten Schaffensperiode von Johann Strauß (Sohn), seinem Walzer „Rosen aus dem Süden“, der Pizzicato Polka, die er mit seinem Bruder Joseph 1869 in Petersburg komponierte, der Polka „Leichtes Blut“ und der Tritsch-Tratsch-Polka bereicherte auch die „Barkarole“ aus „Hoffmanns Erzählungen“ von Jacques Offenbach und nicht zuletzt der „Ungarische Tanz Nr. 5“, einer von insgesamt 21 Tänzen, die Johannes Brahms in der Zeit von 1858 - 1869 komponierte, die erste Hälfte des unvergesslichen Konzertabends in Mendig.
Nach der Pause kam die nach einer Vorlage von Gerd Winzer gestaltete einmalige Kulisse insbesondere bei dem Konzertwalzer „Frühlingsstimmen“ noch einmal ganz besonders zur Geltung. Zu sehen war das nordwestlich des Schlosses von Versailles im herrlichen Park von Versailles gelegene Lustschloss „Petit Trianon“, welches Ludwig XV. für die königliche Mätresse Madame de Pompadour errichten ließ und später in den Besitz von Marie Antoinette überging. Johann Strauß (Sohn) widmete die Frühlingsstimmen übrigens dem Komponisten Richard Genée. Es folgte die „Petersburger Schlittenfahrt“ aus der Feder von Richard Eilenberg, der vor allem durch seine volksnahe Musik bekannt wurde. Die 1886 von ihm komponierte Petersburger Schlittenfahrt zeugt von rhythmischer Prägnanz und Eingänglichkeit. Als besonderen Gag hatte Gerd Winzer sich ein Schellenband um den Fuß gebunden, und agierte somit nicht nur als souveräner Pianist, sondern gab der Schlittenfahrt durch rhythmisches Fußstampfen mit dem Erklingen der Glöckchen auch noch eine vermeintlich authentische Note. Außer der Serenata op. 6,1 von Enrico Toselli, die unter dem Namen „Toselli-Serenade“ berühmt wurde sowie dem nicht weniger berühmten „Can-Can“ von Jacques Offenbach und nicht zuletzt Johann Schrammels Marsch: „Wien bleibt Wien“ durften selbstverständlich auch in der zweiten Konzerthälfte weitere bekannte Melodien von Johann Strauß jun. , wie zum Beispiel die Schnellpolka: „Unter Donner und Blitz“ , „Im Krapfenwaldl“ und der herrliche Wiener Walzer „An der schönen blauen Donau“ nicht fehlen!
Obligater Kuckucksruf wurde gegen eine Kuckuckspfeife eingetauscht
Bevor der „verschmitzte“ Leiter des Ensembles, Gerd Winzer, das Strauß´sche Werk „Im Krapfenwaldl“ anstimmte, bat er den Klarinettisten Selcuk Sahinoglu, für den obligaten Kuckucksruf die Klarinette gegen eine „Kuckuckspfeife“ einzutauschen, was sowohl beim Publikum als auch bei den begnadeten Musikern, insbesondere der 1. Violinistin, Anja Borchers, große Heiterkeit auslöste.
Johann (Baptist) Strauß war ein österreichischer Komponist und Kapellmeister, der im Alter von 45 Jahren am 25. September 1849 in Wien starb. Um Verwechslungen mit seinem gleichnamigen Sohn, dem „Walzerkönig“, zu vermeiden, wird er meist Johann Strauß Vater genannt. Sein bis heute bekanntestes Werk ist der 1848 uraufgeführte „Radetzky-Marsch“, der zur traditionellen Zugabe des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker zählt und unter dem nicht enden wollenden Applaus des restlos begeisterten Publikums selbstverständlich auch das Mendiger Neujahrskonzert krönte.
