Erste Mendiger Sitzung am Bauzaun war ein voller Erfolg
Laacher-See-Halle wurde zum Hexenkessel
Mendig. Allen Skeptikern zum Trotz ging das Konzept der KG Niedermendig für die erste Sitzung am Bauzaun hundertprozentig auf. Mehr noch: Mit der ersten Mendiger Sitzung am Bauzaun hat die KGN ein neues Kapitel ins Geschichtsbuch des Mendiger Karnevals geschrieben, da diese Veranstaltung mit allen bisherigen Sitzungen nichts, aber auch gar nichts gemein hatte.
Obwohl die Akteure des Abends vielen Besuchern bereits von der 1. Damensitzung der KGN noch in Erinnerung waren, hatten diese sich mit ihren eigens auf die Bauzaunsitzung abgestimmten Darbietungen mitunter selbst übertroffen.
Bereits beim Betreten der in der Mitte des Saals durch einen rund 1,70 Meter hohen Bauzaun geteilten Laacher-See-Halle erlebten die bunt gekleideten Jecken am Samstag die erste von vielen tollen Überraschungen, die an diesem Abend noch folgen sollten. So wurden die Männer und Frauen, bevor sie sich auf die rechte bzw. linke Seite des Bauzauns begaben, zunächst mit einem Glas Sekt begrüßt. Schon beim ersten Blick über den Zaun wurde jedoch klar, dass einige besonders pfiffige Damen sich aufgrund ihres maskulin anmutenden Outfits auf die Seite der Männer „geschmuggelt“ hatten, wie zum Beispiel die Damen von der Kölschen Narrengilde, die mit Bart und schwarzem Herrenhut so manchem ihrer männlichen Begleiter die Show stahlen. Andere Paare wiederum gaben sich am Zaun noch schnell einen Abschiedskuss, um es dann mit ihren jeweiligen Geschlechtsgenossen im Verlauf der stimmungsgeladenen Sitzung so richtig krachen zu lassen.
Bereits beim Einzug des Elferrats, der Stadtsoldaten, des Dreigestirns samt Hofstaat und Prinzengarde sowie des Husarencorps „Jack von der Wasserschöpp“ staunte das närrische Publikum nicht schlecht, da alle anstelle ihres traditionellen Kopfschmucks einen Sicherheitshelm trugen. Mundschenk Paddy schob - dem Motto des Abends entsprechend - gar eine Schubkarre in den Saal, die er vorsorglich mit „geistigen“ Getränken für seine Regenten gefüllt hatte. Ein weiteres Novum war der aus fünf weiblichen und fünf männlichen Mitgliedern bestehende Elferrat, der um einen Gleichstellungsbeauftragten (Ernst Simons) erweitert worden war. Während Sitzungspräsident Timo Schubach die Herren der Schöpfung auf der Bühne und im Saal anführte, erwies sich die für die Damenwelt zuständige Sitzungspräsidentin Ulrike Weiler-Tersch als durchaus ebenbürtig. Nach einem umjubelten Auftritt des Dreigestirns mit seinem feschen Hofstaat sowie einer hinreißenden Tanzdarbietung der Stadtsoldaten und der Garde erwies der seit zehn Jahren aktive Büttenredner Steven Geilen sich als absoluter Eisbrecher. In seine Rolle als frauen- und männerfreundlicher Bademeister wurde er für seine ebenso feinsinnigen wie treffsicheren Pointen mit stehenden Ovationen und der wohlverdienten ersten Rakete des Abends belohnt. Mit einer akrobatischen Höchstleistung begeisterten auch die „Tanzenden Sterne“ vom Verein „Freche Karnevalskinner Emmelshausen“.
Bis zu diesem Zeitpunkt war die Stimmung auf beiden Seiten des Zauns noch etwa gleich groß. Als der Gleichstellungsbeauftragte Ernst Simons jedoch den so genannten „Gesangscontest“ ansagte, bei dem die Männer und Frauen im Saal nicht nur ihre jeweiligen Gesangskünste unter Beweis stellen mussten, sondern auch die entsprechende Begeisterung für den von Wolfgang Porz am Keyboard vorgegebenen Ohrwurm bewertet wurde, erwiesen die Frauen sich als wahre Stimmungsgranaten.
Bereits nach wenigen Minuten hatten sie den Saal mit lautstarkem Gesang in einen Hexenkessel verwandelt, und nachdem sie in einer Polonaise durch „ihren“ Teil des Saals gezogen waren, stürmten sie, angeführt von Jungfrau Buddy und dem weiblichen Hofstaat, sogar die Bühne und hatten somit den Saal voll im Griff. Die männlichen Jecken reagierten jedoch prompt, indem sie kurzerhand den Damenbereich jenseits des Bauzauns vorübergehend besetzten.
Dass die Frauen jedoch an diesem Abend den Ton angeben würden, bestätigte sich auch beim Tanzcontest, bei dem das Herrenballett „Zarte Zehe“ gegen die „Mennijer Mädchen“ antrat und von den Frauen in einer ohrenbetäubenden Lautstärke angefeuert wurden.
Auch die mitreißenden Sketche der Basaltbeißer und die stimmungsgeladenen Musikvorträge der Schloffmötsche ließen die Laacher-See-Halle geradezu erbeben.
Ebenso wie der „Lustige Rheinländer“ Hans-Jürgen Pinter, der die Damen mit Komplimenten und die Herren mit deftigen Anzüglichkeiten bei Laune hielt, verstand es auch Reiner Zufall (Good Droff) die Stimmung auf dem Siedepunkt zu halten.
Nach dieser sensationellen Sitzung der ganz besonderen Art enterten die närrischen Männer und Frauen, die zwischenzeitlich wieder zueinander gefunden hatten, den Saal Schubach im Deutschen Haus, wo sie bis in die frühen Morgenstunden ausgiebig weiter feierten.
Auf Anfrage von „Blick aktuell“ versprach der 1. Vorsitzende der KG Niedermendig, Jürgen Mittler: „Im nächsten Jahr dürfen die Mennijer Jecken sich auf eine Fortsetzung der Sitzung am Bauzaun freuen.“
Stimmung auf beiden Seiten des Bauzauns. Fotos: FRE
Auch die närrischen Regenten trugen eine dem Motto des Abends gerechte Kopfbedeckung.
Vor Beginn der Sitzung traf man sich am Bauzaun noch einmal auf einen kleinen Flirt.
