Hunderte Besucher feierten das letzte traditionelle „Sünderbänkchenfest“
„Niemals geht man so ganz...“
200 Wunderkerzen brannten um 24 Uhr während der zum Teil ergreifenden Abschiedszeremonie
Mendig. Zum großen Bedauern zahlreicher Fans des Mendiger Sünderbänkchenfestes ging die bei Jung und Alt beliebte Tradition mit Kultstatus zu Ende. Somit wurde aus der schon lange bekannten Vorankündigung der beiden Festorganisatoren Franz Weiler und Wolfgang Kranz: „Wenn es am schönsten ist, sollte man aufhören“ bitterer Ernst. Gegenüber „Blick aktuell“ unterstrichen die beiden engagierten Mendiger: „Es ist schöner, in der Blüte eines Festes Abschied zu nehmen, als lange zu zögern.
Unsere circa 40 Helferinnen und Helfer sind schon zwischen 70 und 80 Jahre alt und es wäre doch schade, wenn deswegen der Erfolg unseres Festes irgendwann versiegen würde.“ Das von Weiler und Kranz 1994 in dem rustikalen Ambiente des ehemaligen Bauernhofs Weiler am Niedermendiger Brunnenpfad ins Leben gerufene Nachbarschaftsfest erfreute sich einer derart großen Resonanz, dass daraus bereits vier Jahre später eine öffentliche Veranstaltung mit circa 500 Besuchern wurde. In den darauf folgenden Jahren etablierte diese wohl einmalige Veranstaltung sich als absoluter Stimmungsgarant. Seinen Namen verdankt das Sünderbänkchenfest einer schlichten hölzernen Bank, auf der die beiden „Obersünder“ Franz Weiler und Wolfgang Kranz einst beisammen saßen und bei einem guten Getränk über ein entsprechendes Nachbarschaftsfest nachdachten. Neben ihrem Sünderbänkchen hatten die beiden bekennenden Katholiken Franz Weiler und Wolfgang Kranz vor einigen Jahren an der Stelle eines ehemaligen „Mai-Altärchens“ einen Ehrenplatz für die Statue der Heiligen Anna Selbdritt errichtet, welcher inzwischen um eine Gebetsstätte aus Basalt erweitert wurde und den kirchlichen Segen erhielt. Da es sich - nach Aussage von Weiler und Kranz - bei der Heiligenfigur um ihre „persönliche Schutzpatronin“ handelt, fühlten sie sich motiviert, den Erlös ihres Festes einem guten Zweck zukommen zu lassen.
Ein Spaß für Jung und Alt
Auch im Nachhinein verwundert es nicht, dass das Sünderbänkchenfest sich sowohl bei den Kindern als auch bei den Erwachsenen einer ständig wachsenden Beliebtheit erfreute. Während die Kids sich beim „Hasenrennen“, „Dosenwerfen“, Kinderschminken oder Enten angeln vergnügen konnten, gab es für die Erwachsenen ein Schätzgewinnspiel, bei dem als Hauptgewinn eine von dem Mendiger Bildhauer Hans Loosen kreierte und geschaffene Basaltstein-Skulptur lockte. Übrigens ging bei dem zum letzten Mal initiierten Schätzgewinnspiel der erste Preis an Horst Schüller aus Mendig, während die beiden „Gründungsväter“ den 20. Sünderbänkchen-Ehrenkrug Winfried Steinos überreichten, der sich - ebenso wie die 19 weiteren Ehrenkrugbesitzer - nicht nur durch seinen unermüdlichen Einsatz beim Sünderbänkchenfest bestens bewährte, sondern auch immer zur Stelle war, wenn bei sonstigen anfallenden Arbeiten Not am Mann war.
Emotionaler Abschied
„Ich möchte nicht wissen, wie viele Hektoliter Bier hier in den vergangenen Jahren getrunken wurden“, so ein Besucher, der nach eigener Aussage seit vielen Jahren Stammgast beim Sünderbänkchenfest war und sich bei der offiziellen Abschiedszeremonie um 24 Uhr verstohlen ein paar Tränen aus dem Gesicht wischte. Ähnlich ergriffen reagierten auch die unzähligen Besucher, als bei dem gemeinsam intonierten Hit der legendären Kölnerin Trude Herr „Niemals geht man so ganz... circa 200 Wunderkerzen abgebrannt wurden. Es versteht sich von selbst, dass auch beim letzten Sünderbänkchenfest noch bis in die frühen Morgenstunden gefeiert wurde. Nun erinnert eine Zeichnung der Kunststudentin Judith Ritter, ebenso wie ein eigens für das letzte Fest hergestellter Button mit einem Festmotiv, der auch als Flaschenöffner funktioniert und nicht zuletzt erinnern viele tolle Erlebnisse an dieses wunderbare Event, dem ein Platz in den Mendiger Geschichtsbüchern sicher sein dürfte. Es war ein rundum harmonisches Fest, das von Anfang bis Ende von einer Superstimmung geprägt war“, freuten sich die beiden Gastgeber Wolfgang Kranz und Franz Weiler, die - ebenso wie die zahlreichen „Fans“ - ganz sicher noch oft an das unverwechselbare Ambiente des in seiner Art wohl einmaligen Sünderbänkchenfestes zurück denken werden.
Bei den mediterranen Temperaturen kam jeder auf seine Kosten.
