40-jähriges Priesterjubiläum für Stephan Augst
„Priester ist man bis zum letzten Atemzug“
Der Pfarrer a.D. Stephan Augst feiert am 15. Juni vier Jahrzehnte als Priester
Mendig. Der in Ettringen geborene und nunmehr im Obermendiger Sonnenhang lebende Priester Stephan Augst feiert am 15. Juni im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes in seiner Heimatpfarrkirche St. Genovefa Obermendig sein 40-jähriges Priesterjubiläum. Die Messe, an der zahlreiche weitere Geistliche sowie die Männergesangvereine aus Irlich und Mendig teilnehmen, wird auf dem Kirchenvorplatz übertragen. Anschließend findet ein Empfang in der Obermendiger Schützenhalle statt, der von der Blaskapelle Ettringen musikalisch gestaltet wird.
1950 zog Stephan Augst nach Obermendig in das Elternhaus seines Vaters (Neustraße). Nachdem er in der Zeit von 1958 bis 1960 eine Ausbildung zum Schmied machte, brach er die Lehre ab, weil er damals schon den Wunsch verspürte, Priester zu werden. Da er dafür jedoch das Abitur benötigte, bereitete er sich zunächst im Internat Lantershofen vier Jahre darauf vor und bestand nach weiteren drei Jahren 1967 sein Abitur am Gymnasium in Ahrweiler. Aufgrund seiner schulischen Ausbildung wurde ihm der Gesellenbrief zum Schmied anerkannt, sodass er während seines Studiums in Trier in den Semesterferien bei der Krufter Firma Meurin in der Schlosserei arbeiten und sein Taschengeld ein wenig aufbessern konnte.
Bevor Stephan Augst am 16. Juni 1974 im Dom zu Trier durch Bischof Dr. Bernhard Stein zum Priester geweiht wurde, ging er für ein Jahr als Diakon nach Niederfischbach. Nach seiner Priesterweihe war der nimmermüde Geistliche zweieinhalb Jahre lang als Kaplan in Koblenz Neuendorf und Wallersheim im Einsatz. Danach wirkte er zweieinhalb Jahre lang als Vikar in Neustadt an der Wied und war gleichzeitig Jugendpfarrer im Dekanat Waldbreitbach. 1979 wurde Stephan Augst Pfarrer in Brohl-Lützing und gleichzeitig Pfarrverwalter in Gönnersdorf und Waldorf. 1988 ging er dann nach Neuwied-Irlich und Feldkirchen und war 16 Jahre lang Dechant im Dekanat Neuwied.
„Das Wunder vom Rhein“
Während dieser Zeit wurde er jedoch sehr krank. Nachdem die Ärzte bei ihm Magenkrebs diagnostiziert hatten, unterzog er sich im Februar 1998 einer entsprechenden Operation. Als er im Anschluss an eine Reha bereits nach wenigen Wochen wieder im Einsatz war, nannten die Gläubigen seiner Gemeinde ihn fassungslos „Das Wunder vom Rhein“. Die Freude über seine Genesung währte jedoch nicht lange, denn im Juni 1998 wurde Stephan Augst mit einem Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert. Obwohl die ihn behandelnden Ärzte dringend empfahlen, kürzer zu treten, war er vier Wochen später schon wieder in seinen Pfarreien Neuwied-Irlich und Feldkirchen aktiv.
2009 ging Pastor Stephan Augst in den wohl verdienten Ruhestand und bezog sein herrlich gelegenes neues Heim im Obermendiger Sonnenhang. Es dauerte jedoch keine vier Wochen und schon war er getreu seinem Grundsatz „Pfarrer ist man zeitlich begrenzt - Priester ist man jedoch bis zum letzten Atemzug“ wieder aktiv. So hat er seitdem in 110 verschiedenen Kirchen und Kapellen mit den Gläubigen Gottesdienste gefeiert und in 15 nicht sakralen Räumlichkeiten, wie zum Beispiel in einer großen Scheune auf dem Schnürenhof in Monreal, auf Burg Pyrmont oder in den Mendiger Basaltlavakellern Eucharistiefeiern zelebriert. Hinzu kommen Trauungen, Gold- und diamantene Hochzeiten, Werktaggottesdienste und Beerdigungen. Für zahlreiche Pfarreien ist der Unruhezustand von Stephan Augst ein wahrer Segen. Wenn die Pfarrsekretärinnen ihn am Montagmorgen anrufen und ihn bitten, einen erkrankten oder zeitlich restlos „ausgebuchten“ Geistlichen zu vertreten, finden sie bei dem hilfsbereiten Priester immer Verständnis und - wenn es zeitlich irgend möglich ist - auch Hilfe.
Der enorme Priestermangel bereitet dem Pfarrer i.R. große Sorge. „In wenigen Jahren werden Eucharistiefeiern und Gottesdienste begrenzt sein bzw. häufig ausfallen. Deshalb muss die Kirche den Laien mehr Rechte einräumen, da diese erfahrungsgemäß durchaus in der Lage sind, sehr schöne Gottesdienste zu gestalten“, so Stephan Augst, der sich von den Kirchenoberen wünscht: „Nicht nur reden - endlich handeln.“
