„Tiefschlaf in der Eifel?“
Engagement gegen den Verkauf des Nürburgrings muss weiter steigen
„Bloß nicht schon wieder das Thema Nürburgring“, höre ich schon beim Schreiben dieses Leserbriefes viele Menschen in der Region denken oder sagen, wenn sie nur die Überschrift lesen. Aber es geht darum, genau diesen Menschen in der Region hier mal etwas Aufklärung zukommen zu lassen und den einen oder anderen eventuell wach zu rütteln. Natürlich, ich stehe zum Nürburgring und damit auch zum motorisierten Breitensport. Aber ich bin in keiner Weise in meiner Existenz vom Nürburgring und seinen Veranstaltungen wirtschaftlich beeinflusst und auch nicht nur zum Teil abhängig. Wenn dort das Gras über den Asphalt wachsen würde, kann mir das in dieser Hinsicht völlig egal sein. Und ich bin auch kein Einheimischer, sondern ein Zugezogener. Vielleicht kann ich gerade deshalb nicht verstehen, dass die drohende Problematik durch den Verkauf des Nürburgrings in der Region Eifel und darüber hinaus so wenig auf öffentliches Interesse bzw. Reaktionen stößt. Der Nürburgring ist in seiner jetzigen Form ein Wirtschaftsfaktor mit großer Tragweite und nicht nur in der Eifel. Gastronomie und Einzelhandel, Dienstleister und Zulieferer, Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen, ärztliche Versorgung und Krankenhäuser, ….es würde sich beinahe schier endlos aufzählen lassen.
Dieser Umstand ist bei Weitem nicht nur bedingt durch die landläufig bekannten Großveranstaltungen wie
Formel 1, DTM, Truck Grand Prix, Rock am Ring, Triathlon und viele andere mehr. Der Nürburgring hat circa 200 Tage im Jahr geöffnet und bindet dadurch Publikum und Aktive. Beide Personengruppen kommen aus der gesamten Republik und den Nachbarländern und sind angewiesen auf alle möglichen Produkte und Dienstleistungen. Wer mit wachem Auge durch die kleinen Städte in der Nachbarschaft geht, erkennt während der zahlreichen Veranstaltungstermine viele auswärtige Kennzeichen an den oft „sportlich betonten“ Fahrzeugen. Die sind nicht aus ganz Deutschland hierhergekommen, weil in Mendig, Andernach oder Mayen der Kaffee so gut schmeckt oder sonstige großartige Attraktionen locken. Nur zu gern werden der Besuch Nürburgring mit Maria Laach etc. kombiniert. Seit 1927 sind Touristenfahrten Tradition auf der Nordschleife, das heißt, die Strecke wird an veranstaltungsfreien Tagen der Öffentlichkeit zwecks eigenen Befahrens zugänglich gemacht.
Jährlich kommen allein deswegen viele Tausende aus ganz Deutschland und den Nachbarländern in die Region, ein Wirtschaftsfaktor erster Güte. Die Eifel mag zwar schön sein, aber deshalb noch lange nicht einzigartig. Tolle Regionen mit ausgeprägter Gastfreundlichkeit gibt es in Deutschland reichlich, auf einem vermeintlich landschaftlichen Vorteil allein würde ich mich als Gewerbetreibender nicht ausruhen. Regionen wie Schwarzwald, Alpenvorland, Harz, Mittel- und Oberrhein sowie die Küstenbereiche sind touristisch nicht umsonst an der Spitze in Deutschland zu nennen.
Im Ausland bekommt der Nürburgring darüber hinaus noch eine viel schwerwiegendere Bedeutung: Die meisten kennen den Begriff „Eifel“ überhaupt nicht, aber sehr wohl den Namen dieser Rennstrecke.
Und jetzt noch ein paar Worte zu den „verschwendeten Steuergeldern“: Ich konnte in jüngster Vergangenheit feststellen, dass selbst in der Region nur wenige Interessierte wissen, dass von den 2009 rund 330 Millionen investierten Steuergeldern nicht ein einziger Cent in die Rennstrecke (inklusive Nordschleife) geflossen ist. Dieses Geld wurde in das von vorneherein zum Scheitern verurteilte Eifeldorf gesteckt. Der Motor-/Breitensport hat davon nichts gesehen. Und genau der soll jetzt darunter leiden - und mit ihm die gesamte Region-, indem der Nürburgring verkauft wird? Hierdurch werden genau die Menschen der Institutionen bestraft, die oben bereits schon mal aufgezählt wurden.
Eigentlich „logische Schlussfolgerungen“: Man muss kein Motorsportfan sein, um gegen den Verkauf zu sein. Man muss auch nicht in der unmittelbaren Region leben, um dagegen zu sein. Man sollte sich als Bürger der Region bewegen, um etwas zu bewegen. Dazu muss man nicht unbedingt auf der Straße demonstrieren (was sicher wünschenswert wäre), aber man sollte zumindest eine Stellung beziehen und seine Meinung vertreten. Dazu gibt es viele Möglichkeiten. Wer keine kennt, kann mich gerne fragen. Oder man muss gar nichts tun, wenn einem alles egal ist und es einem ohnehin „zu gut“ geht. Und ganz wichtig: Anschließend das Jammern und Meckern nicht vergessen.
Jürgen Thierfelder, Mendig
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Mit passenden Worten auf den Punkt genau die Situation beschrieben,
wirklich klasse !!!