Allgemeine Berichte | 04.01.2016

Obermendig hat eine eigene Chronik

Willi Bömerich präsentierte sein umfangreiches Werk der Öffentlichkeit

Nicht nur für den Autor und Heimatforscher Willi Bömerich (4.v.li.) war die Präsentation seines Werkes ein denkwürdiges Ereignis. -FRE-

Mendig. „Schon seit langer Zeit bewegte einige Menschen im oberen Stadtteil der Gedanke, eine Chronik zu erstellen, in der die geschichtlichen Ereignisse, historische Zusammenhänge und das Zusammenleben der Menschen des Ortes Obermendig über Jahrhunderte hinweg zusammengefasst werden. Angefangen in den Jahren 1041, der ersten urkundlichen Erwähnung des Namens „Menedich“, bis hin zum Zusammenschluss von Nieder- und Obermendig im Jahre 1969 zur Stadt Mendig. Dies bedeutet nicht zuletzt, dass Mendig im kommenden Jahr voller Stolz ein Jubiläum feiern kann, nämlich 975 Jahre seit der ersten urkundlichen Erwähnung.“ Mit diesen Worten begrüßte Stadtbürgermeister Hans Peter Ammel zahlreiche interessierte Menschen, die zur offiziellen Vorstellung der von Willi Bömerich verfassten Obermendiger Chronik in das bis auf den letzten Platz voll besetzte Gasthaus Bolz gekommen waren. Ein besonderer Gruß des Stadtbürgermeisters galt u.a. dem Laudator des Abends, Gernot Mittler (Staatsminister a.D.), VG-Bürgermeister Jörg Lempertz, die Mitautoren Ralf Nolden und den heutigen Limburger Stadtarchivar Dr. Christoph Waldecker, Dr. Holger Schaaf und Dr. Angelika Hunold vom Römisch Germanischen Zentralmuseum Mainz, Außenstelle Mayen, die Sponsoren Volksbank RheinAhrEifel eG und Kreissparkasse Mayen, vertreten durch Sascha Monschauer und Dieter Kohnz sowie insbesondere dem wichtigsten Mann der Veranstaltung, Willi Bömerich und dessen Ehefrau Janine. An den in Obermendig lebenden Autor und Heimatforscher gewandt sagte Stadtbürgermeister Ammel: „Lieber Willi Bömerich, es ist Dir gelungen, ein beispielhaftes Werk zu erstellen und die mit höchster Akribie zusammengetragenen Fakten aus staatlichen Archiven, der Überlieferung vieler Einwohner, Firmenunterlagen und kirchlichen Quellen nötigen höchsten Respekt ab. Diesen zolle ich Dir, ebenso wie Deinen engagierten Mitstreitern, die ein so beredtes Zeugnis von Geschichte und Kultur zusammengestellt haben.“

Einen großen Teil des Buches umfassen die Ereignisse und Begebenheiten des Dorfes

Viele helfende Mitautoren standen Willi Bömerich zur Seite. Den größten Teil des Buches machen die Ereignisse und Begebenheiten der Geschichte des Dorfes aus. Ein weiteres Kapitel befasst sich mit den kleinen und großen Erlebnissen mit dem Dreigemeindewald, der neben den Obermendigern, auch den Niedermendigern und Bellern gehörte. Christoph Waldecker, damals Student, heute ein renommierter Doktor der Geschichte, beschreibt die eigentliche Chronik des Stadtteils. Vier große Höfe bildeten früher das Rückgrat der Dorfbefestigung. Der Bedeutendste war der Florins- oder Hirschbrunnshof. Ralf Nolden, ebenfalls Heimatforscher hat diesem einmaligen Hof ein eigenes Kapitel gewidmet. Die Kirchengeschichte gehört genauso dazu, wie die Grundherrschaft des Stiftes St. Florin über Obermendig. Die aufwendig aus dem Sütterlin übersetzte Schulchronik der Volksschule von Clementine und Egon Marx oder das Wegekreuzverzeichnis, das von Jakob und Maria Mais übersetzt wurde, gehören genauso dazu, wie eine reich bebilderte Aufzählung der Geschäfte, Handwerksbetriebe und Gaststätten in den 60er-Jahren von Frank Neideck und Nazif Selcuk.

Unzählige Bilder, insbesondere die dankenswerterweise von Erich Portz zur Verfügung gestellten Zeichnungen seines Vaters Werner, runden das Buch genauso ab wie alte Postkarten oder Fotos berühmter Obermendiger.

Ein rundum gelungenes Werk, das in keinem Bücherregal fehlen darf.

Den finanziellen Grundstock hat der in den 90er-Jahren aufgelöste Förderverein Kultur- und Heimatmuseum Mendig gelegt. Dankenswerterweise konnte das Werk mit großartiger Unterstützung der Stadt Mendig, der Verbandsgemeinde Mendig sowie Spenden der Volksbank Mendig, der Kreissparkasse Mendig und der Lotto-Stiftung Rheinland-Pfalz realisiert werden.

Gernot Mittler ging in seiner beeindruckenden Laudatio ausführlich auf einige Kapitel des Buches ein. So zum Beispiel auf den so genannten „Dreigemeindewald“ von Obermendig, Niedermendig und Bell, den Florinshof zu Obermendig, die Geschichte und Bedeutung der ehemaligen geistlichen Besitzungen in der Pfarrei Obermendig oder die Schulchronik. Der gebürtige Obermendiger Gernot Mittler dankte dem Autor mit den Worten: „Lieber Willi, Deine Liebeserklärung an Dein Dorf -an unser Dorf- ist vollends gelungen!“ Auch VG-Bürgermeister Jörg Lempertz, dem der Autor gemeinsam mit Stadtbürgermeister Hans Peter Ammel ein in (Nieder)-Mendiger Basaltlava gehauenes Buch überreichte, bezog sich in seiner anerkennenden Rede auf die Entstehung des Werkes. Dem 77-jährigen Bömerich sei es gelungen, eine Arbeit fortzusetzen, die von einigen Menschen bereits vor Jahrzehnten in Angriff genommen worden war. Er habe es geschafft, die Historie weiterzuführen, als keine Zukunft mehr für das Projekt in greifbarer Nähe schien, und er habe den Glauben nicht daran verloren, den Obermendigern das zu geben, wonach sie suchten: eine eigene Chronik.

Ansprache von Willi Bömerich

Respektvollen Applaus gab es für die mit einigen pfiffigen Anekdoten gewürzten Ansprache, von Willi Bömerich, der sich bei den unzähligen Helfern für die großartige Unterstützung seiner Arbeit bedankte. Augenzwinkernd stellte er sich zunächst mit den Worten vor: „Mein Vater stammt aus Köln und meine Mutter aus dem uralten Obermendiger Dorfadel der Reudelsterze“ und fügte hinzu: „Von wegen alter Dorfadel: In Obermendig gibt es noch heute Familien, die wesentlich älter sind als die ’Reudele‘. Bei meinen Nachforschungen konnte ich feststellen, dass der erste Reudelsterz erst 1744 nach Obermendig gekommen ist. Als ich das der Sippe bekannt gab, wurde ich fast für verrückt erklärt. Als ich jedoch versuchte, ihnen schonend beizubringen, dass der erste Reudelsterz aus Thür kam, hat man mich fast erschlagen!“ In diesem Zusammenhang ließ Willi Bömerich nicht unerwähnt, dass er denselben Ur-Ur-Großvater habe, wie Gernot Mittler, nämlich Johann Reudelsterz - genannt „das Heerche“. „Er war 1789 geboren, starb im Jahre 1878 und sorgt heute noch für Gesprächsstoff in der Sippe“, so der pfiffige Autor, der mit weiteren lustigen Geschichten während des geselligen Abends im Gasthaus Bolz für so machen Lacher sorgte.

Die „Obermendiger Chronik“ kann zum Preis von 22 Euro im Modehaus Mintgen, Obermendig, Teichwiese und in Niedermendig am Marktplatz im Fachgeschäft für Schreiben, Spiel und Schenken, Waldecker und im Bürgerbüro der Verbandsgemeinde Mendig, Marktplatz erworben werden.

Willi Bömerich und seine Ehefrau Janine.

Willi Bömerich und seine Ehefrau Janine.

Nicht nur für den Autor und Heimatforscher Willi Bömerich (4.v.li.) war die Präsentation seines Werkes ein denkwürdiges Ereignis. Fotos: -FRE-

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