Allgemeine Berichte | 16.11.2015

Gedenkfeier und Kranzniederlegung am Mendiger Kriegerdenkmal

Zahlreiche Bürger gedachten der Opfer zweier Weltkriege

Zahlreiche Mendiger hatten sich anlässlich der Gedenkfeier auf dem Platz vor dem alten Rathaus eingefunden.

Mendig. Seit 1952 ist der zweite Sonntag vor dem Advent ein Tag des Erinnerns und Gedenkens an die Menschen, die in zwei Weltkriegen ihr Leben ließen, an die Menschen, die der Nazi- Diktatur zum Opfer fielen und die Menschen, die Opfer von Gewaltherrschaft und Vertreibung wurden.

So auch in Mendig, wo sich am vergangenen Sonntag zahlreiche Menschen am Ehrenmal auf dem Marktplatz eingefunden hatten. Die erschütternden Terroranschläge am vergangenen Freitagabend in Paris gaben der Gedenkfeier leider einen weiteren aktuellen Anlass, der Opfer von Gewalt zu gedenken. Während die Mendiger Schützenkapelle und der MGV Mendig für einen dem Anlass angemessenen musikalischen Rahmen verantwortlich zeichneten, hieß Stadtbürgermeister Hans Peter Ammel zu Beginn seiner Begrüßungsansprache die Anwesenden willkommen. Wörtlich sagte er: „Deutschland und Europa sehen sich aktuell einer riesigen Belastung ausgesetzt, die mit dem Zustrom von hunderttausenden Flüchtlingen aus Kriegs- und Krisenländern einhergehen. Europa ist einer Zerreißprobe ausgesetzt, was die Aufnahme und Verteilung der Menschen betrifft, die hier bei uns Sicherheit, Frieden und ein menschenwürdiges Leben suchen. Zu alledem hat am Freitagabend der Terrorismus zugeschlagen und seine schreckliche, unsere Gesellschaft verhöhnende Fratze gezeigt. Dieser Terrorismus, meine lieben Bürgerinnen und Bürger, ist eine Gefahr, der wir begegnen- und der wir uns in der kommenden Zeit stellen müssen. Die Geschichte zeigt uns, wie schnell die Gesellschaft erschüttert- und der Mensch zum Verlassen des Weges von Vernunft und Aufrichtigkeit verführt werden kann. Wir wollen am heutigen Tag nicht nur unserer Verstorbenen aus den Kriegen gedenken, sondern auch aller Opfer des Terrors, besonders aber der Toten der jüngsten Anschläge in Paris und allen, die diese betrauern, unser Mitgefühl aussprechen!“

Schüler trugen Gedicht vor

In einem ebenfalls nachdenklich stimmenden Beitrag erinnerten die Schülerinnen der Realschule plus, Klasse 10, Lena Krayer und Jasmin Daub, sich an eine Klassenfahrt nach Verdun: „Im Geschichtsunterricht hatten wir bereits erfahren, dass die Schlachtfelder von Verdun die bedeutsamsten aus dem Ersten Weltkrieg sind. Uns haben die Friedhöfe mit tausenden von weißen Kreuzen schockiert. Nachdem wir über die Friedhöfe gegangen sind, kamen wir zum „Beinhaus von Douaumont“, wo wir u.a. die Originalknochen von gefallenen Soldaten sahen. Die Knochen den Krieges!“ Ihre Sprachlosigkeit über dieses Erlebnis unterstrichen die beiden Schülerinnen mit dem Gedicht von Erich Kästner: „Verdun, viele Jahre später“, welches dieser im Jahre 1932 geschrieben hatte. In seiner Eigenschaft als Hauptredner rief Stephan Augst, Pfarrer im „Unruhestand“ die Anwesenden auf, der bei den Terroranschlägen in Paris ums Leben gekommen Menschen in einer kurzen Stille zu gedenken. Nach einem Zitat des preußischen Philosophen Wilhelm von Humboldt „Nur wer die Vergangenheit kennt hat eine Zukunft“ erläuterte der Geistliche: „Heute am Volkstrauertag blicken wir in die Vergangenheit. Es ist ein Tag der Erinnerung und der Besinnung, der Erinnerung an Krieg und Gewalt und des Gedenkens an die Toten. Wir verneigen uns in Trauer vor ihnen und bleiben ihnen verbunden, in der dauerhaften Verpflichtung für Frieden, Freiheit, Demokratie und Menschlichkeit. In den letzten Jahrzehnten war Frieden für uns zum Selbstverständnis geworden. 70 Jahre lang leben wir hier in Deutschland, Gott sei Dank, in Frieden, in einer Demokratie, in Gerechtigkeit und Wohlstand. Seit 1945 wurden erneut Hunderte von Kriegen überall auf der Welt geführt. Wieder wurden Millionen von Menschen Opfer von Krieg, Verfolgung, Vertreibung und fanatischem Terror. Seit Ende des 2. Weltkrieges kamen unzählige Menschen aus dem Osten - aus Russland, Polen und anderen Ländern- zu uns und haben hier eine Heimat gefunden. Nach wie vor ist die Gewalt weltweit verbreitet. Jeden Abend sehen wir in den Nachrichten die schrecklichen Bilder von unzähligen Flüchtlingen, die zu uns kommen. Eine Welle der Hilfsbereitschaft hat sich über ganz Deutschland ausgebreitet, um den Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, eine neue Heimat zu geben. Auch hier in unserer Stadt Mendig. Allen Helfern gilt unser Dank und unsere Hochachtung!“

Bevor Pfarrer Augst seine Ansprache mit einem Gebet aus Frankreich aus dem Jahre 1913 beendete, zitierte er den ehemaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss, der 1952 sagte: „Die in den Gräbern ruhen, warten auf uns, auf uns alle. Sie wollen gar nicht, dass wir mit lauten Worten sie Helden nennen. Sie haben für uns gekämpft, gelitten, sie sind für uns gestorben. Sie waren Menschen wie wir. Aber wenn wir in der Stille an den Kreuzen stehen, vernehmen wir ihre Stimmen, die da sagen: Sorgt ihr, die ihr noch im Leben steht, das Frieden bleibe, Frieden zwischen den Menschen, Frieden zwischen den Völkern!“ Stephan Augst fügte noch einen Satz von Papst Paul VI hinzu, der da sagte: „Auch von Dir hängt der Friede ab!“

Mit der Niederlegung zweier Kränze vor dem Mendiger Mahnmal und der von der Schützenkapelle intonierten Nationalhymne fand die Gedenkstunde einen würdigen Ausklang.

Nach der Kranzniederlegung am Mendiger Kriegerdenkmal gedachte eine Abordnung der Freiwilligen Feuerwehr Mendig gemeinsam mit Stadtbürgermeister Hans Peter Ammel und dem VDK-Beauftragten Gerald Frank der Opfer beider Weltkriege. FRE

Nach der Kranzniederlegung am Mendiger Kriegerdenkmal gedachte eine Abordnung der Freiwilligen Feuerwehr Mendig gemeinsam mit Stadtbürgermeister Hans Peter Ammel und dem VDK-Beauftragten Gerald Frank der Opfer beider Weltkriege. Fotos: FRE

Zahlreiche Mendiger hatten sich anlässlich der Gedenkfeier auf dem Platz vor dem alten Rathaus eingefunden.

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