Kaum noch erfolgreiche Bruten bei den Wasservögeln am Dreifelder Weiher – Katastrophe für Amphibien
Region. Die Obere Wasserbehörde bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD Nord) hatte bereits im Jahr 2023 den Dreifelder Weiher wegen angenommener Risiken der Hochwasserentlastung in der Brutzeit absenken lassen. Deshalb fanden in 2023 praktisch keine erfolgreichen Bruten statt.
Auch in diesem Jahr 2026 stehen derzeit wieder Vögel und Amphibien in der Brutzeit auf einem trockenen Gewässer, das nach Sanierung des Ablassbauwerkes nach Plan eigentlich Ende Januar wieder befüllt werden sollte.
„Darüber hinaus kam es auch im letzten Jahr 2025 zu weniger umfassenden Wasserstandsabsenkungen in der Brutzeit, die sich aber deutlich negativ auf das Brutgeschehen in der Röhrichtzone auswirkten“, erklärte Dipl.-Biologe Immo Vollmer, Naturschutzreferent der NI.
Die kontinuierlichen Beobachtungsdaten der hier aktiven Ornithologen Antonius Kunz von der Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (GNOR) und Wolfgang Burens von der Naturschutzinitiative (NI) zeigen auf, dass es im gesamten Schutzgebiet der Westerwälder Seenplatte schon seit mehreren Jahren kaum noch erfolgreiche Bruten bei den Wasservögeln gibt. Die Ursachen gehen über die wasserwirtschaftliche Problematik hinaus. Als besondere Ursache hatten Untersuchungen der Universität Koblenz eine hohe Beutegreiferdichte (v.a. Waschbär) identifiziert, die regelmäßig das Ufer absuchen.
Von daher können nach Beurteilung der Naturschutzinitiative e.V. (NI) die anderen Weiher der Westerwälder Seenplatte den Ausfall des Zentralgewässers nicht auffangen, da auch hier der Bruterfolg extrem schlecht ist. Sichere Brutplätze sind rar, so dass sich nicht einfach die Vögel des Dreifelder Weihers hierhin verlagern können. Laut Wolfgang Burens zeigen die langjährigen Bestandsdaten, dass in der Folge die bundesweit bekannten Besonderheiten dieses EU-Vogelschutzgebietes, vor allem der Rothals- und der Schwarzhalstaucher, das Gebiet als Brutplatz nahezu aufgegeben haben. Da auch der Bruterfolg der mäßig häufigen Arten wie Haubentaucher, Blässhuhn, Höckerschwan, Stockente, Reiherente oder Tafelente minimal ist, nehmen die Gesamt-Brutbestände immer weiter ab.
„Wenn dann auch noch die Stauhaltung am Weiher keine Rücksicht auf die Ansprüche brütender Wasservögel nimmt, dann ist der Schaden komplett. Die 2023 im Auftrag der Oberen Naturschutzbehörde getroffenen Maßnahmen gegen den Verlust an Bruthabitaten wie das Einbringen von Nistflößen, wirkten hilflos und hatten keinerlei Erfolg“, so Vogelkundler und Gebietskenner Wolfgang Burens.
Katastrophe für die Amphibienpopulation
Für die Amphibienpopulation erscheint das Missmanagement bei der Wasserhaltung eine völlige Katastrophe zu sein. Die Population von geschätzten 6000 Erdkröten ist seit der Wasserstandsabsenkung von 2023 und einem Ausfall des Laichgeschehens gravierend eingebrochen. Es ist fraglich, ob die Amphibienpopulation ein weiteres Jahr ohne Fortpflanzungserfolg verkraften kann. Man hatte zwar laut Wolfgang Burens im Frühjahr versucht, im Zulauf von Gräben einige Kleingewässer auszuheben, aber das war nur ein Tropfen auf den heißen Stein und schaffte keine stabilen Laichplatzvoraussetzungen für die Erdkröte.
Forderungen der Naturschutzinitiative e.V. (NI)
Die NI fordert die SGD Nord auf, umgehend geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um eine weitere Verschlechterung der Erhaltungszustände zahlreicher Arten in einem europäischen Schutzgebiet zu verhindern. „Die noch laufenden Arbeiten müssen umgehend abgeschlossen werden. Nacharbeiten müssen auf unkritische Zeiten verschoben werden. Die uns vorliegenden Analysen zeigen bereits deutlich, dass eine erhebliche Verschlechterung des Erhaltungszustandes an den Schutzgütern des EU-Vogelschutzgebietes und des Naturschutzgebietes eingetreten ist.
Daher fordern wir von der Behörde eine transparente und umfassende Aufnahme des eingetretenen Schadens, die Benennung von Verantwortlichkeiten, die Beteiligung aller Naturschutzverbände, eine transparente Kommunikation für die Bevölkerung und die Einleitung der nach Umweltschadensgesetz erforderlichen Maßnahmen zur Sanierung des Umweltschadens“, so Landesvorsitzender Harry Neumann und Dipl.-Biologe Immo Vollmer, Naturschutzreferent der NI.
Da Bauverzögerungen bei öffentlichen Bauprojekten mittlerweile eher die Regel als die Ausnahme darstellen, fordert die NI weiterhin, dass in den anstehenden wasserbaulichen Sanierungsverfahren an der Westerwälder Seenplatte Vorkehrungen, insbesondere für den Schutz für laichende Amphibien getroffen werden. Die Anlage von alternativen Kleingewässern muss für solche Fälle vorgeplant sein, genehmigt und im Falle einer Verzögerung kurzfristig umsetzbar sein.
Pressemitteilung Naturschutzinitiative e.V. (NI)
Auch auf die Amphibien hat die Wasserhaltung Auswirkungen. Foto: HARRY NEUMANN
