(Un)sichtbare Familien
Ausstellung zu (Un)sichtbaren Familien und frühkindlichem Verlust in Neuwied 2026
aus Neuwied
Neuwied. Es ist eine der selbstverständlichsten Fragen überhaupt. Sie entsteht beim Kennenlernen, im Wartezimmer, im Sportstudio, auf dem Spielplatz oder im Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen. Meist ist sie Ausdruck von Interesse. Meist wird sie beiläufig gestellt. Und doch gibt es Familien, für die diese Frage alles andere als einfach ist.
Die Ausstellung „(Un)sichtbare Familien“ erzählt die Geschichten von über 20 Familien, die diese Situation kennen. Zu ihrer Familie gehören Kinder, die während der Schwangerschaft oder rund um die Geburt gestorben sind. Kinder, die geliebt wurden und werden, erwartet wurden und bis heute einen Platz in ihrer Familie haben – auch wenn sie von außen nicht gesehen werden können.
Mit jeder Antwort auf die Frage nach der Anzahl ihrer Kinder treffen betroffene Eltern eine Entscheidung: Erzählen sie ihre ganze Geschichte? Erklären sie sich? Öffnen sie sich für Nachfragen? Oder verschweigen sie einen Teil ihrer Elternschaft, um sich selbst zu schützen und eine alltägliche Begegnung nicht zu einem Gespräch über Verlust werden zu lassen?
Über Schwangerschafts- und frühen Kindsverlust wird in der Gesellschaft noch immer wenig gesprochen. Nicht, weil es selten vorkommt. Sondern weil viele Menschen nicht wissen, wie sie darüber sprechen sollen. Die Erfahrungen betroffener Eltern bleiben somit häufig im privaten Raum. Aus Unsicherheit schweigt das Umfeld, Worte fehlen oder das Erlebte wird ungewollt banalisiert. So entsteht ein gesellschaftliches Tabu, das dazu beiträgt, dass Familien sich mit ihrer Erfahrung allein fühlen.
Die Ausstellung richtet ihren Blick nicht auf medizinische Diagnosen oder die Umstände des Verlustes. Sie erzählt von Familien. Von Elternschaft. Von Geschwistern. Von Liebe und Verbundenheit. Von Menschen, die ihren Alltag gestalten, arbeiten, lachen, feiern und gleichzeitig Kinder vermissen, die Teil ihrer Geschichte sind.
Die über 20 porträtierten Familien haben sich entschieden, ihre Geschichten zu teilen. Sie geben einer Erfahrung ein Gesicht, die viele Menschen betrifft und dennoch häufig im Verborgenen bleibt. Die Ausstellung lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, die eigene Vorstellung von Familie zu hinterfragen. Sie fordert nicht auf, immer die richtigen Worte zu finden. Aber sie ermutigt dazu, hinzusehen, zuzuhören und die Wirklichkeit anderer Menschen anzuerkennen.
Der Neuwieder Hospizverein und das Marienhausklinikum St. Elisabeth Neuwied laden gemeinsam zu dieser Ausstellung und dem begleitenden Vortrag ein. Die Ausstellung „(Un)sichtbare Familien“ ist am 14. und 15. November 2026 im Marienhausklinikum St. Elisabeth Neuwied zu sehen.
Am 14. November 2026 um 14 Uhr findet zudem der Vortrag „Begleitung auf einem besonderen Weg – aber wie?“ mit Birgit Rutz statt. Dabei gibt es die Möglichkeit, Antworten auf Fragen zu finden, die sich beim Betrachten der Ausstellung stellen können, und die eigene Vorstellung davon weiterzuentwickeln, was Familien nach einem Schwangerschafts- oder frühen Kindsverlust benötigen.
In dem interaktiven Vortrag geht es darum, gemeinsam unterschiedliche Positionen zu beleuchten, Erfahrungen sichtbar zu machen und Ideen für eine unterstützende Begleitung zu entwickeln.
Beate Christ
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Die Ausstellung „(Un)sichtbare Familien“ erzählt die Geschichten von über 20 Familien, zu denen Kinder gehören, die während der Schwangerschaft oder rund um die Geburt gestorben sind. Foto: Birgit Rutz