Landessportbund feierte 20-jähriges Jubiläum von „Sport in Schule und Verein“
„Der Sport gibt den Schülern die Kraft, zu lernen“
Neuwied. Die Schule als Ausgangspunkt von Forschern und Wissenschaftlern ist selbstverständlich. Aber dass die Schule auch die Basis für erfolgreiche Profisportler ist, kommt eher selten vor. Im Falle des Werner-Heisenberg-Gymnasiums (WHG) trifft es aber zu. Einige Bundesliga-Spielerinnen lernten hier das Volleyballspiel „von der Pieke auf“. „Unser Aufstieg von der Verbandsliga Rheinland über fünf Ligen bis in die Zweite Bundesliga Süd ist im Wesentlichen der Kooperation mit dem WHG zu verdanken“, bestätigte Wolfgang Becker, Vorsitzender des VC Neuwieds 77. Drei Aktive aus der Aufsteiger-Mannschaft stammen vom WHG. Gefeiert wurde die erfolgreiche Zusammenarbeit letzte Woche. Der Landessportbund Rheinland-Pfalz hatte anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Kooperationsmodells „Sport in Schule und Verein“ zu einem Festakt ins Werner-Heisenberg-Gymnasium eingeladen. 500 solcher Kooperationen gibt es mittlerweile im Land. In Neuwied wurden das WHG mit dem VC Neuwied, die Grundschule Niederneisen mit der TuS Niederneisen und das Kant-Gymnasium mit dem Ruderclub Germania Boppard als drei von 22 Erfolgsprojekten der ersten Stunde geehrt.
„Sport ist Klasse“, ließ die 6a des WHG mit Daumen nach oben gereckt zur Begrüßung in einem flotten Showtanz wissen. Danach gab es eine Volleyball-Einlage von Schülerinnen und Schülern. Mit einem Bekenntnis zum Sport eröffnete Mechthild Baur-Fleischer den Festakt. Die stellvertretende Schulleiterin unterstrich den vorherrschenden Teamgeist. Stefan Kölsch, Schulsportreferent der ADD Koblenz, wurde noch konkreter: „Schüler, die sich sportlich bewegen, entwickeln sich kognitiv besser. Der Sport fördert die ganzheitliche Entwicklung und motiviert zu lebenslanger körperlicher Betätigung“. Stefan Kölsch dankte den Lehrern und der Leitung des WHG sowie den Übungsleitern. Die Lehrer werden nämlich von professionellen Übungsleitern unterstützt. Das WHG, so Stefan Kölsch, sei ein hervorragendes Beispiel für die Zusammenarbeit von Schule und Verein. Oberbürgermeister Nikolaus Roth hörte das gern und bestätigte: „Der VC Neuwied nimmt die Talente aus der Volleyball AG auf“.
Dass das WHG in der Stadt des Sports Teil des LSB Rheinland-Pfalz Kooperationsmodells ist, gefällt dem Oberbürgermeister. Denn der Sport fördere die Persönlichkeitsentwicklung und sei damit ganz dicht am Bildungsauftrag der Schulen. In einer Zeit, in der immer mehr Kinder an den gesundheitlichen Folgen von Immobilität leiden, käme dem Sport eine zunehmend größere Bedeutung zu. Das WHG lobte Nikolaus Roth als Talentschmiede in unterschiedlichen Bereichen. Es zeichne sich durch eine lange Liste namhafter Persönlichkeiten aus. Zeitweise zählten zwei der fünf Wirtschaftsweisen zu den ehemaligen Schülern. In seinem Grußwort hob Werner Schröter, Vizepräsident des Landessportbunds, weitere positive Aspekte des Sports hervor. Er helfe jungen Menschen ins Leben, lehre sie, mit Erfolgen und Niederlagen umzugehen und bilde Sozialkompetenzen aus. Kurzum: Der Sport gebe den Schülern die Kraft, zu lernen. Das Kooperationsmodell bezeichnete er als großen Erfolg, der in den nächsten Jahren fortgesetzt wird.
Spannend wurde es, als Schülerin Birte Rohwoski eine Talkrunde mit Wolfgang Becker und den beiden langjährigen AG-Leitern Dieter Wortig und Cornelia Weigel moderierte. In den 1960er Jahren, als Volleyball noch eine absolute Randsportart war, spielte die Abteilung des GTRVN in der Bundesliga. Motor damals war Arno Hermann. Mit den Olympischen Spielen in München, wo die Gastgeber automatisch qualifiziert waren, schaffte der Volleyball den Durchbruch. Auf Arno Hermann folgte Dieter Wortig. Heute ist Cornelia Weigel die treibende Kraft. Die Neuwieder waren es auch, auf die die Volleyball Verbandsgründung im Rheinland zurückgeht. Die 1970/1980er Jahre in der Regionalliga waren erfolgreiche Jahre für die Neuwieder. Als es danach abwärts ging, war das WHG mit seinen vielen Talenten für den neuerlichen Aufschwung verantwortlich.
Cornelia Wortig sprach von einer Win-Win-Situation für Schule und Verein. An der Schule bekommen die Kinder die technischen Voraussetzungen vermittelt. Die besten schaffen es in der Vereinsmannschaft. Durch den Ligabetrieb würden die Spielerinnen und Spieler wiederum wichtige Erfahrungen sammeln. Die sei für die Volleyball AG unerlässlich, um bei „Jugend trainiert für Olympia“ gut abzuschneiden. Mehrfach hätte es das WHG bis ins Finale nach Berlin geschafft - übrigens nicht nur im Volleyball, sondern auch im Rudern. Positiv anzumerken ist, dass es mit Fabian Mohr, Saskia Arzheimer und Ann-Christin Thiel drei Schüler waren, die den Festakt gekonnt moderierten. Und auch für das Rahmenprogramm zeichneten sich die Schüler aus. Hanna Michalowicz, Finalistin bei „The Voice Kids“, gab der Veranstaltung den musikalischen Rahmen. Talente gibt es am WHG in jeglicher Hinsicht.
Die Freude war groß: Der LSB RLP gratulierte dem WHG zu 20 Jahren Kooperationsmodell „Sport in Schule und Verein“. Fotos: FF
Gekonnt und sympathisch moderierten Fabian Mohr, Saskia Arzheimer und Ann-Christin Thiel den Festakt.
Über die Anfänge von Volleyball in Neuwied sprach Birte Rohwoski mit Wolfgang Becker, Dieter Wortig und Cornelia Weigel.
