Prinzenwiegen bei den SWN: Tollitäten aller Stadtteile gaben sich ein Stelldichein
Drei Tonnen Wurfmaterial für die Narren
Neuwied. Wer ist das Schwergewicht unter den Neuwieder Prinzen? Und wer bei den Möhnen? Unter normalen Umständen wäre diese Frage, zumindest im Fall der Möhnen, äußert unhöflich. Vergangenen Mittwochabend war sie dennoch gestattet. Zum fünften Mal hatten die Stadtwerke Neuwied die Narren zum „Prinzenwiegen“ eingeladen. Und dabei ging es auch nicht wirklich um Kilos, sondern vielmehr um Kartons. Das Gewicht der Tollitäten wurde in Wurfmaterial aufgewogen. Bei den verschiedenen Umzügen von Karnevalssamstag bis Veilchendienstag wird es unter das Volk gebracht. Die Karnevalisten aus dem Versorgungsgebiet der SWN hatten sich den Termin fest im Terminkalender vermerkt. Schließlich schlagen die Kosten für das Wurfmaterial stark zu Buche. Die SWN spendieren in dieser Session 3 Tonnen Kamelle unterschiedlicher Sorten, 150 Sack Popcorn á 100 Beutel, 30 Kartons Chips á 50 Beutel und witzige Plüschtierchen für die Kinder. „Als kommunaler Versorger fühlen wir uns dem Gemeinwohl, und damit auch dem heimischen Brauchtum verpflichtet“, erklärt Geschäftsfeldleiterin Andrea Haupt den Hintergrund der Aktion. Ganz nebenbei hat das Prinzenwiegen eine positive Begleiterscheinung. Es ist die so ziemlich einzige Veranstaltung, bei der die Korporationen aus allen Stadtteilen zusammenkommen. Auch jene, denen man nachsagt, gerne unter sich zu bleiben. „Wir haben extra einen Termin unter der Woche gewählt, um mit keiner Veranstaltung zu kollidieren“, so Andrea Haupt. Äußerst zufrieden waren sie, SWN Geschäftsführer Stefan Herschbach und Vereinskontakter Michael Bleidt, mit der Resonanz. Offensichtlich genossen die Karnevalisten die stadtteilübergreifende Veranstaltung. Rege wurde die Gelegenheit zum Austausch untereinander genutzt. Prinz Wolfgang I. (Geil) aus Engers brachte es auf den Punkt. „Wir wollen heute alle gemeinsam feiern“. In der SWN Fahrzeughalle, da wo es sonst trist und grau ist, dominierten zum Prinzenwiegen Luftschlangen, bunte Ballons und Kostüme. Als Erstes waren die Kinder dran. Drei Kinderprinzenpaare sind es in dieser Session. Seit über vierzig Jahren gibt es Regenten in Feldkirchen und Oberbieber. Weil Prinz und Prinzessin wenig auf die Waage bringen, wurde kurzerhand noch der Hofnarr mitgewogen. Moderator Michael Bleidt wünschte Prinz Marlon I. von Theater und Kraul mit Prinzessin Louisa I. vom Pegelturm (Feldkirchen) sowie Prinz Jona I. von der goldenen Ähre mit Prinzessin Marie-Luise I. von der bunten Narrenschar (Oberbieber) ein gutes Händchen beim Regieren. Das Heimbach-Weiser Kinderprinzenpaar Ansgar I. und ihre Lieblichkeit Prinzessin Leonie räumten auch mächtig Kamelle ab. Sie sind gleich bei zwei Umzügen, dem Kinderzug am Karnevalssonntag und dem Veilchendienstag-Umzug, unterwegs. Ebenfalls jeweils zwei Einsätze haben die Obermöhnen aus Engers und Heimbach-Weis. Entsprechend dankbar zeigten sich Obermöhn Susanne I. (Neckenig) und Obermöhn Anke (Dierdorf) über das Wurfmaterial. Das Vorstellen und Wiegen der Tollitäten wechselte sich mit aufregenden Tanzdarbietungen ab. Hier setzten die SWN auf einheimische Akteure wie die Flotten Feger vom Möhnenverein Weis und auswärtige Gäste. „Wir möchten den Fastnachtsgecken beim Prinzenwiegen auch ganz neue Akteure vorstellen“, berichtet Andrea Haupt. Dazu zählten die Trööteköpp aus Vallendar, die Ratsherren aus Unkel und der Gülser Möhnenverein. Deren „Seemöwen“ enterten die Narhalla als Piratenbräute. Für eine Wahnsinnsvorstellung wurden sie von den Neuwiedern gefeiert. Höhepunkt der Veranstaltung waren natürlich die Prinzen. In dieser Session gibt es nur zwei in Neuwied. Die Heimbach-Weiser sind seit Jahrzehnten eine Macht. Ähnlich die Engerser, die allerdings immer mal wieder ein paar Jahre „ohne“ auskommen müssen. Die Karnevalshochburg wird in diesem Jahr von Stefan II. und Ihrer Lieblichkeit Simone (Stock) regiert. Für Engers kündigte Michael Bleidt so etwas wie „Pioniere“ an. Prinz Wolfgang I. (Geil), Bauer Christoph I. (Seeberg) und Jungfrau Karlfrieda I. (Nilges) sind das erste Dreigestirn im Flecken. Prinz Wolfgang I. verriet knapp zwei Wochen vor Rosenmontag, Probleme mit dem Prunkwagen zu haben. Obwohl er selbst Architekt und die beiden anderen der „Spaß hoch Drei Fraktion“ Ingenieure und Landvermesser von Beruf sind, sei das Narrenschiff für Engers zu groß geraten. Nun werde nachgebessert. „Auf jeden Fall jedoch wird es spannend werden“, kündigte Prinz Wolfgang I. an. Besonders für SWN Direktor Stefan Herschbach. Er sitzt nämlich am Steuer der Zugmaschine. Dem heimischen Gemeinwohl und Brauchtum verpflichtet, das ist bei der SWN kein Werbetext - das ist gelebte Unternehmensphilosophie.
SWN Direktor Stefan Herschbach mit dem Engerser Dreigestirn.
Offensichtlich zufrieden ist Prinz Wolfgang I. (Geil) mit der Ausbeute an Wurfmaterial. Fotos: FF
