Allgemeine Berichte | 25.07.2015

Ein Theaterstück der Theater-AG der Ludwig-Erhard-Schule Neuwied

Ein Plädoyer für Toleranz und Menschlichkeit

Stefanie Tischer, Thimothy Gillesby und Jasmin Wolfram in „Hin&weg.sehen“ von Beate Albrecht. Gerlinde Zehschnetzler

Ein Theaterstück für Zivilcourage und gegen rechte Gewalt: Die Projektwoche „Interkulturelle Kommunikation - Interreligiöses Gespräch, Globale Empathie, Globale Verantwortung, Globale Solidarität“ in der Ludwig-Erhard-Schule startet mit dem thematisch sehr aktuellen Theaterstück von Beate Albrecht „Hin&Weg.sehen“, das die Theater-AG der Ludwig-Erhard-Schule inszeniert hat.

Drei-Personen-Stück

Es herrscht gespannte Stille im Raum. Düstere Stimmung macht sich im Zuschauerraum breit, ausgelöst durch die dunklen, grauen Töne, die die Bühne in der Ludwig-Erhard-Schule dominieren. Atmosphärisch dicht und ausgesprochen dramatisch veranschaulicht das Drei-Personen-Stück den Zuschauern ohne erhobenen Zeigefinger, wie falsche Ideologien, menschenverachtendes Gedankengut gezielt in die Köpfe der Einzelnen eingepflanzt werden können und wie schnell enge Freundschaften oder familiäre Bindungen dadurch zerbrechen.

Worum es geht

Der Inhalt ist schnell erzählt: Sem, in Deutschland geboren, aber mit Migrationshintergrund (gespielt von Thimothy Gillesby), und Juli (Simone Petry, Jasmin Wolfram), die aus schwierigen familiären Verhältnissen stammt, sind eng befreundet und wollen zusammen bleiben. Aber es kommt anders als geplant: Juli rutscht in die rechte Szene ab, Sem solidarisiert sich mit seinen Freunden mit Migrationshintergrund. Unweigerlich kommt es zwischen beiden Cliquen zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Vorurteile, unreflektierte Parolen, persönliche Verletzungen bestimmen die Gespräche zwischen den beiden Protagonisten. Sem appelliert: „Und du bist anders als wir. Und wir sind anders als die anderen. Und die anderen sind anders, als du und ich. Ich bin anders als du, du bist anders als ich und im Anderssein sind wir alle verdammt gleich!“ Auch Julis Schwester Vera (Stefanie Tischer) dringt nicht mehr zu ihr durch. Juli möchte ihre neue Familie nicht aufgeben, sie lässt sich nicht auf ein vernünftiges, reflektiertes Gespräch ein, bis sie schmerzlich erkennen muss, dass sie Recht mit Rechts verwechselt hat.

Viel Applaus

Die drei Schauspieler und ihr Regisseur Dieter Raths werden vom Publikum für die eindringliche Darstellung mit viel Applaus belohnt. „Sehr authentisch“ meint Michael Schneider aus dem Beruflichen Gymnasium und „sehr lebensnah“ ergänzt seine Mitschülerin Duygu Yildiz. Antonia Schroeter, die sich aktiv im Jugendbeirat Neuwied engagiert, meint: „Gerade heute sollten wir uns mit dem Thema Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus beschäftigen und auch unsere Meinung dazu äußern.“

Stefanie Tischer, Thimothy Gillesby und Jasmin Wolfram in „Hin&weg.sehen“ von Beate Albrecht. Foto: Gerlinde Zehschnetzler

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