Politik | 22.12.2013

Gegner von Windkraftanlagen diskutieren mit Malu Dreyer

Die Ministerpräsidentin widersprach niederen Beweggründen der Kommunalpolitiker entschieden

Als Sprecher aller Windkraft-Bürgerinitiative im nördlichen Kreis Neuwied trug Karlheinz Merten der Ministerpräsidentin die Resolution vor. Mit Innenminister Roger Lewentz und den Stiftungsvorsitzenden hörte Malu Dreyer geduldig den Windkraftgegnern zu. Foto:DL

Unkel. Einer unerwartet großen Menschenmenge sah sich die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer gegenüber, als sie mit ihrem Limousinentross bei ihrem ersten Besuch in Unkel am Willy-Brandt-Forum zusammen mit dem Generalsekretär der rheinland-pfälzischen SPD, Jens Guth, vorfuhr. Kaum dass sie von den Stiftungsvorsitzenden des Willy-Brandt-Forums, Klaus Henning Rosen und Rudolf Barth, am Unteren Markt begrüßt worden war, bat sie Karlheinz Merten, der Sprecher der Bürgerinitiative „Romantischer Rhein“, im Namen der übrigen Windkraftgegner, die mit Plakaten vor dem Gebäude aufgezogen waren, die Resolution vortragen zu dürfen, in der ein planvoller Ausbau der Windenergie in Rheinland-Pfalz gefordert wird. „Ich bin zwar aus einem ganz anderen Grund hier hergekommen“, erinnerte Malu Dreyer, hörte dafür aber überaus geduldig zu. „EVM ist ganz brutal, zerstört den Berg und dann das Tal“, stand auf einem Plakat mit dem die rund 50 Gegner einer Windkraftanlage vor der eigenen Tür in die Kulturstadt am Rhein gekommen waren. Bereits am Sonntagvormittag hatten sie gegen den Bau des Windmessmastes am Asberg in unmittelbarer Nähe des „Auge Gottes“ protestiert. „Und den Menschen kein Wohlgefallen!“, hatte sie die frohe Weihnachtsbotschaft des Verkündigungs-Engels negativ formuliert. Sogar die 1969 gestorbene Schlagersängerin Alexandra ließen sie in Unkel zu Wort kommen kam, allerdings in abgewandelter Form. „Mein Freund, der Baum ist tot, er starb am Wahn von Grün und Rot“, klagten sie und nutzten sogar den Standort, indem sie plakativ behaupteten: „Wenn der Messmast einmal steht, Willy sich im Grab umdreht!“ Daher ihr Wunsch: „Liebe Malu sei so klug, mach ein Ende diesem Spuk!“ Man sei keineswegs generell gegen eine Energiewende, die Ziele der rheinland-pfälzischen Regierung und die dazu im Landesentwicklungsplan IV geschaffenen Instrumente, die Energiewende und den Klimaschutz in Deutschland mit einem hohen Anteil an Windenergie zu realisieren, würden aber landesweit auf massive Widerstände stoßen, hier im Rheintal weil es sich um Schwachwindgebiete und geschützte Naturräume handele, so die Argumente der Windkraftgegner. „Angesichts der offenbaren Diskrepanz zwischen den von der Landeregierung, insbesondere von Ihnen und den Ministerinnen Ulrike Höfken und Eveline Lemke verlautbarten, hehren Kautelen wie ‚Augenmaß’ sowie ‚Rücksicht’, Sorgfalt’ sowie ‚Solidarität’, und den realen Praktiken der Umsetzung, die alles andere als ‚nach dem Willen der Bürger’ erfolgen, ist der soziale Frieden in den Kommunen nachhaltig gestört“, hob Karlheinz Mertens hervor. Dabei wies er vor allem auf den Vertrag der Unkeler Kommunen mit der EVM hin, dessen genauer Inhalt den Bürgern trotz mehrfacher Anforderung zunächst nicht zur Verfügung gestellt, sondern als „geheime Kommandosache“ behandelt worden sei, so der Aegidienberger. Seine und die Bürgerinitiativen „Pro Naturpark Pur“. „Aktion rettet den Stadtwald Bad Hönningen sowie „Naturpark leben zwischen Rhein und Wied“ und der Verein für Naturschutz und Naherholung würden sich vehement gegen die Errichtung von Windenergieanlagen in dem Naturpark aussprechen angesichts der beachtlichen Schäden bei Mensch und Natur, die ganz offenkundigen von diesen verursacht würden. „Wir fordern die Landesregierung auf, unverzüglich die Ziele sowie deren planlose Umsetzung hin zu einer nachhaltigen Steuerung zu revidieren und die Entscheidungsbefugnisse der Kommunen aufgrund deren mangelnden Kompetenzen für raumbedeutsame Planungen neu zu regeln und Restriktionen zu unterwerfen“, so Karlheinz Merten. Es müssten unabhängige und vor allem neutrale, statt von Investoren bezahlte Gutachter eingesetzt und auch kontrolliert werden. Die rücksichtslose Missachtung der Lebensräume der Bevölkerung müsse angesichts einer weder logischen noch schlüssig erscheinenden Planung aufgegeben, die verbrieften Rechte und die Beteiligung der Bürger beachtet werden, trug er der Ministerpräsidentin vor, da dies angesichts der „Kulturvergessenheit entscheidender Akteure“, denen er reine Geldgier unterstellte, von diesen nicht zu erwarten sei. Extrem geduldig hatte Malu Dreyer dem Vortrag zugehört. „Sie erinnern auf einem Ihrer Plakate an Willy Brandt. Dieser hat aber auch gesagt: ‚Die Zukunft vorauszuschauen, heißt sie zu gestalten.’ Und eben genau dies haben wir vor“, so die Ministerpräsidentin. Niemand müsse befürchten, dass seine Einwände nicht gewürdigt und in die Entscheidung nicht einbezogen würden. Genauso sicher sei, das Unrechtmäßiges natürlich nicht umgesetzt würde. „Was ich aber auf keinen Fall stehen lassen kann, dass es Gemunkel und Gemauschel gebe. Alles was geprüft werden muss, wird einbezogen“, betonte sie. Das Land wolle die Kommunen ganz gezielt stärker beteiligen. „Und deren demokratisch gewählten Entscheidungsträgern sollte Sie nicht unterstellen, sie würden aus niedrigen Beweggründen handeln. Und Sie machen es sich auch viel zu leicht, wenn Sie nur noch Dollarzeichen in den Augen der Kommunalpolitiker sehen“, kritisierte Malu Dreyer die polemischen Ausführungen entschieden. Man werde sich ordentlich an das Verfahren halten, die Bürger einbeziehen und dann sehen, was unter Berücksichtigung und Würdigung der Bedenken machbar sei. „Dinge, die möglich sind, werden aber umgesetzt“, schloss Malu Dreyer die unvorgesehene Konfrontation mit den Windkraftgegnern, um mit Innenminister Roger Lewentz endlich das Willy Brandt-Forum zu besuchen, in dem sie unter anderem bereits von Brigitte Seebacher samt Ehemann Hilmar Kopper erwartet wurde. DL

Als Sprecher aller Windkraft-Bürgerinitiative im nördlichen Kreis Neuwied trug Karlheinz Merten der Ministerpräsidentin die Resolution vor. Mit Innenminister Roger Lewentz und den Stiftungsvorsitzenden hörte Malu Dreyer geduldig den Windkraftgegnern zu. Foto:DL

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Stellenanzeige Sachbearbeiter Kreditorenmanagement
Stellenanzeige KFZ Mechatroniker
Anzeige Jetzt Lavendel pflanzen!
10 Jahre HSH Heizung Sanitär Herschbach in Bad Neuenahr-Ahrweiler
2+1 Aktion
Vorabrechnung, Nr. AF2025.000354.0, Juli 2026
150 Jahre Zeitungstradition
Empfohlene Artikel
KI-generiertes Beispielbild
78

Neuwied. Mit Unverständnis und klarer Ablehnung reagieren die SPD-Stadtratsfraktion Neuwied, der SPD-Stadtverband und die Jusos Kreis Neuwied auf die Forderung von Tobias Härtling, BSW-Fraktionsvorsitzender im Neuwieder Stadtrat, die Brandmauer zur AfD abzuschaffen.<div> </div><div>„Wer die Brandmauer zur AfD einreißen will, hat offenbar vergessen, warum sie überhaupt errichtet wurde“, stellt Sven Lefkowitz, Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion, unmissverständlich klar.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Ein Fahrzeug fuhr aus bislang ungeklärter Ursache von der Bismarckstraße kommend über die Breitestraße/Beckstraße in die gegenüberliegende Fußgängerunterführung.
4902

Andernach. Ein schwerer Verkehrsunfall ereignete sich am Donnerstag, den 09.07.2026, gegen 10:50 Uhr in der Innenstadt von Andernach. Ein Fahrzeug fuhr aus bislang ungeklärter Ursache von der Bismarckstraße kommend über die Breitestraße/Beckstraße in die gegenüberliegende Fußgängerunterführung. Bei dem Unfall wurden mindestens zwei Personen verletzt.BA

Weiterlesen

Symbolbild.
1271

Bonn/Bornheim. Am späten Donnerstagabend, dem 9. Juli 2026, ereignete sich auf der Bundesautobahn 555 in Fahrtrichtung Köln ein schwerer Verkehrsunfall zwischen den Anschlussstellen Bornheim und Wesseling. Ein Pkw kam aus bislang ungeklärten Gründen von der Fahrbahn ab, durchbrach die Leitplanke und prallte gegen mindestens einen Baum. Der Aufprall war so heftig, dass das Fahrzeug in mehrere Teile zerrissen wurde, die anschließend in Flammen aufgingen.

Weiterlesen