1928 wurde das Roentgen-Museum fertiggestellt
Kreis Neuwied feiert 90-jährigen Geburtstag der „guten Stube“
Neuwied. Mit einem kleinen Festakt feierte der Kreis Neuwied am Sonntag den 90. Geburtstag des Roentgen-Museums. Landrat Achim Hallerbach sprach vom bedeutendsten Museum des Kreis Neuwied und von einem der wichtigsten am oberen Mittelrhein. Das liege vor allem an der Fokussierung auf die Exponate der weltberühmten Möbelkünstler David und Abraham Roentgen sowie des Uhrmachers Kinzing. Der Landrat bezeichnete es als die richtige Entscheidung, dass einstige Heimatmuseum zu einem Spezialmuseum mit Alleinstellungsmerkmal auszurichten. Seiner Bestimmung wurde das Museum nach 2-jähriger Bauzeit am 9. Juni 1928 übergeben. Die kubische, 3-geschossige Bauweise aus einer Kombination von Klassizismus und Barock, entsprach dem damaligen Zeitgeist und ging aus einem Architektenwettbewerb hervor. Landrat Achim Hallerbach nahm die Besucher mit auf eine Zeitreise. Unter ihnen zahlreiche Nachkommen ehemaliger Neuwieder Landräte und Museumsleiter. Isabelle Fürstin zu Wied zählte ebenfalls zu den Festgästen. Das Fürstenhaus ist eng mit dem Museum verbunden. Achim Hallerbach berichtete, dass dessen Geschichte schon 1911 mit der Gründung des Vereins für Heimatpflege und Altertumskunde im Kreis Neuwied begann. Bekannte Persönlichkeiten wie Julius Remy, Friedrich Fürst zu Wied sowie der damalige Landrat Dr. Kurt von Elbe gehörten zu den Gründungsvätern. Den Grundstock des ersten Museums bildeten Fundstücke aus der Römerzeit. Eingerichtet wurde es zunächst im Neuwieder Schloss. Später zog es ins Kreishaus um. Doch auch hier fehlte es schnell an Platz, so dass der Kreistag den Neubau auf einem von der Stadt Neuwied zur Verfügung gestellten Grundstück beschloss. Landrat Achim Hallerbach sprach von einer „großen Entscheidung kulturhistorischer Verantwortung“. Denn die Zeit in der Weimarer Zeit muss finanziell nicht minder schwer gewesen sein als heute. Schnell entstand bei den Verantwortlichen der Wunsch, ein eigenes Profil zu entwickeln und nicht bloß Heimatmuseum zu sein. Mit dem sensationellen Ankauf der Apollo Uhr bei einer russischen Auktion gelang ein Meilenstein. „Die Apollo Uhr ist noch heute ein Highlight der Ausstellung“, unterstrich Achim Hallerbach. Er berichtete, dass mit dem Bimsabbau immer wieder archäologische Funde einhergingen. Dem ersten Museumleiter Prof. Hugo Eich folgte 1937 Dr. Wagner, bevor 1938 die Ära Schütz begann. Unter Jakob Schütz wurden die Exponate während des 2. Weltkriegs ausgelagert und in Sicherheit gebracht. Nahezu unbeschädigt überstand das Museum den Krieg und schon 1946/7 fanden wieder die ersten Ausstellungen statt. Wissenschaftler, Fotograf, Restaurator und Geologen Jakob Schütz, den der Landrat als Multitalent bezeichnete, stellte das Museum neu auf. Neben Ausstellungen fanden Vorträge und Konzerte statt. Das alles mit der Unterstützung von Landrat Wilhelm Bruchhäuser. Die kulturelle Aufgeschlossenheit und Verantwortung für Kunst und Geschichte bei seinen Vorgängern bezeichnete Achim Hallerbach als sehr wichtig. In diesem Zusammenhang dankte er auch ausdrücklich Landrat a.D. Rainer Kaul. Rosemarie Schütz übernahm 1964, nach kurzer Leitung durch Helmut Rams, die Verantwortung. Gemeinsam mit Professor Dr. Gerhard Bosinski widmete sie sich den archäologischen Ausgrabungen, was letztendlich zur Gründung des Museums Monrepos führte. Unter Landrat Hans-Dieter Deckert stand 1990 die erste Renovierung an, die wegen des Denkmalschutzes einem besonderen Anspruch gerecht werden musste. 1997 übergab Rosemarie Schütz an den heutigen Museumleiter Bernd Wilscheid. Die Übergabe verließ reibungslos, hatte der neue Leiter bereits viele Jahre mitgearbeitet. Im Jahr 2000 wurde im Kreismuseum die Roentgen Etage eingerichtet. Im Museum präsent war auch immer Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen, dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird. Ihm und dem Westerwald widmet sich das Erdgeschoss. Mit der Umbenennung vom Heimat- ins Roentgen Museum wurde 2007 ein weiterer Schritt in Richtung Spezialmuseum begangen. Landrat Achim Hallerbach erinnerte an die Roentgen Ausstellung, die damals überregional für viel Aufmerksamkeit sorgte. Aus allen Teilen der Welt wurden die Ausstellungsmöbel zusammengetragen. In diesem Zusammenhang bedankte sich der Landrat bei den zahlreichen Unterstützern, Institutionen und Privatleuten. Einige der gezeigten Exponate befinden sich nämlich in fremdes Eigentum. Achim Hallerbach hobt die Stellung des Roentgen-Museum als Anlaufstelle für die Kunstszene hervor. Immer wieder finden hier bedeutende Gastausstellungen statt. Und schließlich durfte der Ausblick in die Zukunft nicht fehlen: Der Ausbau der Museumspädagogik soll vorangetrieben werden, um neue Zielgruppen zu erschließen, damit das Erbe weitergetragen werden kann. Es sei zwar noch Zukunftsmusik, so Achim Hallerbach, aber die Museumerweiterung werde nicht aus den Augen gelassen. Es wird nämlich mal wieder zu eng. FF
Landrat Achim Hallerbach begab sich mit dem Publikum, darunter Nachfahren von Landräten und Museumsleitern, auf Zeitreise.
Die von Abraham und David Roentgen entworfenen Möbel gingen um die Welt und bilden gemeinsam mit den Kinzing - Uhren das Herzstück des Kreismuseums.
Museumsleiter Bernd Wilscheid berichtete als Freiherr von Wackerbarth von dessen Eindrücke Neuwieds aus dem Jahr 1791.
