Allgemeine Berichte | 03.04.2016

Premiere im Schlosstheater Neuwied

Was bleibt, ist die Neugier

„Die Vermessung der Welt“ – Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß auf der Bühne

Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß treffen sich auf einem Kongress. Foto Friedhelm Schulz

Neuwied. Erneut präsentierte das Schlosstheater in Neuwied eine gelungene Premiere des neuen Stückes. „Die Vermessung der Welt“. Die Geschichte, geschrieben von Daniel Kehlmann und für die Bühne umgesetzt von Dirk Engler, erzählt vom Leben zweier Wissenschaftler und Zeitgenossen des ausgehenden 18. Jahrhunderts: Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß.  Es ist die Zeit der Entdeckungen, die Menschen wollen die Welt vermessen, die Zusammenhänge des Lebens erkennen und dokumentieren. Der eine tut dies, indem er die Welt bereist und alles beschreibt, was ihm in den noch unentdeckten Territorien begegnet. Der andere ist fast schon ein Gefangener des eigenen Geistes und erforscht die Welt vom Schreibtisch aus, indem er  mit seinem überragenden mathematischen Genie  Zusammenhänge erforscht, und dies mit großem Erfolg. Beide Wissenschaftler  haben die Welt auf ihre eigene Weise entdeckt und erklärt, beschrieben und vermessen, und sie legten viele Grundlagen moderner  Wissenschaft.

Und wenn sich diese beiden in einer raffinierten  Kulisse auf der Bühne eines Theaters, dargestellt von guten Schauspielern, begegnen, dann ist ein perfekter Theaterabend bereits vorprogrammiert.

Der Zuschauer hat Teil am Leben und Werdegang der beiden Wissenschaftler, die aus so unterschiedlichen Verhältnissen kommen. In Episoden erfährt man vieles aus dem Leben der beiden Zeitgenossen, die unterschiedlicher nicht hätten verlaufen können. Stephan Tölle begeistert in der Rolle des Alexander von Humboldt, weltoffen und charmant. Er reist sein Leben lang durch die Welt, fasziniert von ihr und neugierig auf Neues und bisher Unerforschtes. Er vermisst die Welt mit seinen Füßen.

Sein Gegenspieler wird dargestellt von Makke Schneider, herrlich verschroben, polternd, schlecht gelaunt und nur fasziniert von der Mathematik. Wenn er betet, sinniert er in Wahrheit über Primzahlen. Auch die Ehe mit seiner Frau Johanna und die Geburt seines Sohnes scheinen relativ spurlos an ihm vorüberzugehen.

Eva Wiedemann spielt diese Rolle der „alleinstehenden Ehefrau“,  aber auch die schillernde Eingeborene in einer Szene mit Alexander von Humboldt, oder das Phantom in luftiger Höhe, ein Double des Humboldt-Begleiters Bonpland. Letzterer wird gespielt von Tino Leo, der auch die Rolle des Erzählers übernommen hat. Als Gäste erscheinen Johann Wolfgang von Goethe und Emanuel Kant (Matthias Kiel).

Humorvoll, mit einigen satirischen Seitenhieben und komischen Elementen wird die Geschichte einer Zeit erzählt, die nicht nur in kriegerischem Umbruch war (Krieg mit Napoleon) war, sondern auch die Zeit vieler historischer Größen, eine Zeit des Aufbruchs der Intelligenz und Entdeckertums, jedes auf seine Weise.

Besonders zu erwähnen  bleibt das Bühnenbild, eine raffinierte Konstruktion aus Hügel, Weltbild und drei eingebauten Klappen, aus denen Darsteller auftauchen und verschwinden, und nicht zuletzt eine Rückwand aus Gummigurten, die nicht nur in unterschiedliches Licht getaucht wird, sondern auch verschiedene Funktionen als Vorhang und Klettergerüst erfüllt. Ein großes Kompliment an Regisseurin Stephanie Jänsch und Ausstatter Christian Baumgärtel und ihre Teams, die es verstanden haben, zusammen mit einer hervorragenden Schauspielertruppe dem Publikum einen tollen Theaterabend zu bieten, der an keiner Stelle auch nur ansatzweise langweilig gewesen ist. Toll!

Weitere Aufführungen sind  am Sonntag, 3. und Montag, 4. April, vom 16. bis 21. und 26. bis 29. April, immer um 20 Uhr. Karten gibt es im Schosstheater Neuwied, Tel.: 02631 / 22288, www.schlosstheater-neuwied.de.

Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß treffen sich auf einem Kongress. Foto Friedhelm Schulz Foto: Friedhelm Schulz, Friedrichson-P

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