Erstes Singalong in Neuwied
Weihnachtsoratorium zum Mitsingen
Neuwied. „Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage!“ So erklang es aus etwa 180 Kehlen am Vorabend des vierten Advent in der Marktkirche. Kirchenmusikdirektor Thomas Schmidt hatte der Stadt Neuwied das erste Singalong in den 350 Jahren ihrer Geschichte beschert. Die Teile I bis III des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach bildeten den würdigen Rahmen. Bei einem Singalong stellt ein professionelles Orchester das Rückgrat. Am Orgelpositiv unterstützte in bester Ökumene Thomas Sorger, der katholische Regionalkantor und Leiter des Kammerchores. Die Solos übernahmen Berufssänger. In der Marktkirche durften zusätzlich jeweils die entsprechenden Stimmen aus dem Chor mithalten. Anderswo ist gerade das streng verboten. Wirklich nutzten es aber nur zahlreiche Alt-Sängerinnen, welche es nach ihrer Ausbildung durch die wieder ein Mal brillante Silke Hartstang auch wahrhaft konnten. Es ist zwar ungewohnt, wenn ein Hintergrund-Chor wie im Fernsehen die Sängerin unterstützt und sich zeitweise bis zu einem Duett aufschwingt. Aber gerade in diesem Punkt hob sich die Aufführung ungewöhnlich weit aus der Provinz empor. Nicht nur, dass Neuwied sich jetzt zu Städten wie Amsterdam, Hamburg, Hannover und London gesellt, wo Singalongs schon Tradition haben. Die Deichstadt feierte auch einen Triumph der abendländischen christlichen Kultur und des daraus entstandenen Ehrenamtes. Die Sängerinnen und Sänger selbst investierten das Eintrittsgeld und einige mussten Noten kaufen, um teilnehmen zu dürfen. Dafür belohnte der evangelische Kreiskantor Thomas Schmidt sie mit einem allzeit strahlenden Lächeln und gab die Einsätze in Weltklasse mit akzentuierter Präzision. Die klugen Zuhörer hatten die ungewöhnliche Gelegenheit gut erkannt. Nicht zufällig weilte unter ihnen Notar i. R. Dr. Jungbluth. Seiner Initiative verdankt Neuwied das weltberühmte Museum Monrepos. Das Eintrittsgeld stellte keineswegs nur Unterstützung für einen engagierten, großartigen Laienchor dar. Sondern es bot auch das Schöneck-Ensemble, im Sopran Marie-Sophie Caspar, im Alt Silke Hartstang, als Tenor Theodore Brown und als Bass Christian Palm.
Sie alle weisen jetzt einen weiteren Punkt ihrer beeindruckenden musikalischen Werdegänge auf. Ein solches Singalong setzt ein Zeichen für aktive Gestaltung der Vorweihnachtszeit - weit über Einkäufe hinaus. 2015 liegt der vierte Advent noch nicht in den Schulferien. Sollte sich vielleicht eine erneute Gelegenheit ergeben, bietet die Marktkirche bequem noch 100 Zusängern und Zuhörern mehr Platz.
