150 Jahre Heddesdorfer Pfingstkirmes
Zum Jubiläum gab es jede Menge Überraschungen und Sonne satt
aus Neuwied / Gladbach
Neuwied. Die Heddesdorfer Pfingstkirmes war am Freitag noch gar nicht offiziell eröffnet, da gab es schon jede Menge zufriedener Leute. Das lag auch daran, dass bis Dienstag durchgehend die Sonne vom Himmel lachte. Bei Temperaturen an die dreißig Grad stürmten die Kirmesfans ab den frühen Abendstunden den Platz. Aber auch tagsüber war schon jede Menge los. Besonders profitierte der belgische Betreiber vom Big Splash. Die spritzige Wasserbahn versprach eine willkommene Abkühlung.
Los ging es am Freitagmorgen, als die Mädchen und Jungen der Grundschulen Heddesdorfer Berg und Geschwister-Scholl die Pfingstkirmes als Erste erkundeten. Vor einigen Jahren hatte die Aktionsgemeinschaft Heddesdorfer Pfingstkirmes die Kirmes-Rallye ins Leben gerufen. Die Identifikation mit dem heimischen Brauchtum von klein auf war die Idee dahinter.
Tradition und Moderne vereint
Seit dem Jahr 1564 (!) pflegen die Heddesdorfer Pfingstreiter aus dem Burschenverein eines der ältesten Brauchtümer der Republik. Ihr großer Tag war der Pfingstdienstag, als der Wettritt sowie das Einholen des Tributs in Rommersdorf und Engers auf dem Programm standen. Aber auch das Einholen des Kirmesbaums und der Maibäume am Kirmessamstag gehörte zum obligatorischen Protokoll.
Zwei der jungen Bäume wurden am Eingang zur Kirmes platziert, gleich an der Bühne, auf der Ortsvorsteher Sven Lefkowitz einzelne Teilnehmer des Kirmesumzugs begrüßte. Das verlief leider anders und weniger stimmungsvoll als gewohnt. Aufgrund der an allen Eingängen installierten mobilen Durchfahrtssperren durchquerten die rund dreißig Zugnummern den Kirmesplatz in diesem Jahr nicht mehr. Der bunte Kirmesumzug mit Festwagen, ebenfalls eine Idee der Aktionsgemeinschaft, hatte sich zuvor durch Heddesdorf geschlängelt und viel Beifall geerntet. Neben Schulen, Sport-, Karnevals- und anderen Brauchtumsvereinen aus Neuwieds größtem Stadtteil zählten auch die Pfingstreiter, der Freundeskreis Kirmes und Freizeitparks und der Männergesangsverein Germania zu den Teilnehmern. Die Schängel Gugge und die Vallerer Trötenköpp arbeiteten mit mächtig Stimmung auf den Tageshöhepunkt hin. Oberbürgermeister Jan Einig stand zum Fassanstich bereit.
Im Mittelpunkt seiner Rede stand natürlich der 150. Geburtstag der Heddesdorfer Pfingstkirmes. Der Stadtchef dankte allen Beteiligten für die gute Zusammenarbeit und hob insbesondere den Arbeitskreis hervor, der sich eigens für das Jubiläum gegründet hatte und im Vorfeld viel Werbung machte. Zu dessen Ideen zählte auch der nostalgische Bereich der Pfingstkirmes. Schautafeln berichteten vom einstigen Jahrmarkt und von der Geschichte der Fahrgeschäfte. Mit dem Pferdekarussell von 1919 präsentierte sich so ein historisches Exemplar. Aber auch der Schwanenflieger stieß bei Jung und Alt auf Begeisterung. Ältere Generationen hatten ein Déjà-vu, denn genau so ein Kettenkarussell gastierte in den 1950er- und 1960er-Jahren regelmäßig in Heddesdorf. Eine nostalgische Schiffsschaukel, ein echter Flohzirkus und Hau den Lukas rundeten das kleine Ensemble aus der Vergangenheit ab.
Oberbürgermeister Jan Einig gab der Neuwieder Schützengesellschaft das Kommando. Mit den lautstarken und knallenden Salutschüssen war die 150. Heddesdorfer Pfingstkirmes offiziell eröffnet. Zur Feier des Tages gab es etwas Neues: Innerhalb von fünfzehn Minuten waren auf allen Karussells Freifahrten angesagt. Der neuen Marktmeisterin Jennifer Ackermann war es gelungen, bundesweit gefragte Großkarussells nach Neuwied zu holen.
Die XXL-Schaukel „Phantom“ katapultierte die Fahrgäste in schwindelerregende Höhen von bis zu 45 Metern. Der Überschlagpropeller Anubis brachte es auf 55 Meter Höhe. Staunend blieben alle an den Fahrgeschäften stehen. Es bedurfte Mut und Überwindung sowie der Gier nach Adrenalin, hier einzusteigen. Eine Nummer kleiner waren Disco Fieber und Take-off, die aber ebenfalls hoch angesagt waren. Wer nach mehr Beschaulichkeit suchte, bestieg das Riesenrad, das zur Pfingstkirmes traditionell dazugehört. Von hier aus ergab sich eine tolle Aussicht auf die Stadt. Und das beliebte Frühstück auf dem Riesenrad war ohnehin wieder in Windeseile ausverkauft.
Das Lichterspektakel zählt alljährlich zu den Höhepunkten der Pfingstkirmes. Vor einem sternklaren Himmel war das funkelnde Farbenmeer am Samstagabend aber besonders schön. Richtig gemütlich, teilweise mit Live-Musik, ging es in den drei Biergärten zu. Hier ließ sich der Kirmestag herrlich ausklingen. Und auch das kulinarische Angebot mit Spezialitäten aus anderen Ländern bot eine große Auswahl und ließ keine Wünsche offen.
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Der bunte Kirmesumzug mit rund dreißig Zugnummern und flotter Musik schlängelte sich durch Heddesdorf und endete an der Kirmeswiese Foto: FF
Bei hochsommerlichen Temperaturen stand die Wildwasserbahn als willkommene Erfrischung hoch im Kurs Foto: FF
150 Jahre Kirmesgeschichte wurden im Ensemble des nostalgischen Jahrmarktes lebendig Foto: FF
