Selgros Neuwied schließt
90 Mitarbeiter betroffen
Neues Grundstück erweist sich als nicht genehmigungsfähig
Neuwied. Die Selgros Cash & carry, die zur Transgourmet-Gruppe gehört, feiert in diesem Jahr ihr 60-jähriges Jubiläum. Den Neuwiedern ist nicht nach Feiern zumute. Denn die Selgros schließt ihren Standort in Neuwied. Völlig überraschend wurde den 90 Mitarbeitern letzten Freitag das Aus zum 31. Dezember mitgeteilt. Darunter etlichen Menschen, die seit Jahrzehnten in dem Großhandel beschäftigt sind. Seit 46 Jahren ist Selgros, früher noch Agros, in der Stettinger Straße beheimatet. Da der Pachtvertrag hier zum Jahresende ausläuft, hatte die Selgros an einem anderen Standort, neben dem Firma Wiegel Feuerverzinken Neuwied GmbH, einen modernen Neubau errichten wollen. Christian Wolf, der Betriebsratsvorsitzende, weist der Neuwieder Politik die Schuld zu. In einem Post auf Facebook schreibt er: „Verkauft und verraten von der CDU/SPD geführten Provinzpolitik (…). Danke Stadt Neuwied, Klüngelhochburg in RLP“. Auf Nachfrage von BLICK aktuell erklärt Christian Wolf am Sonntag, diese Aussage so nicht noch einmal machen zu wollen. Die Stimmung sei nach der Information auf der Betriebsversammlung emotional aufgeladen gewesen.
Bis Freitag waren die Mitarbeiter genau vom Gegenteil ausgegangen. Nämlich, dass die Investition in Millionenhöhe ein Bekenntnis zu Neuwied sind und die Arbeitsplätze auf Dauer sicher sind. Außerdem habe man nur die Darstellung der Geschäftsführung gekannt. Die Politik zeigte sich am Wochenende entsetzt. Sven Lefkowitz (SPD) erklärt gegenüber BLICK aktuell zwar von den Umzugsplänen gewusst zu haben und auch von Problemen am geplanten Standort. Das Aus hätte ihn allerdings überrascht. Von Oberbürgermeister Jan Einig möchte er nun wissen, was getan werden kann, um die Selgros am Standort Neuwied zu halten. Die „Probleme“ am neuen Standort im Friedrichshof bestehen darin, dass die Firma Wiegel mit Chlorgas arbeitet. Das Baurecht untersagt deshalb eine Ansiedlung eines Selgros Marktes. „Ich finde es traurig und unverantwortlich, dass die Mitarbeiter von ihrem eigenem Unternehmen und ihren eigenen „Chefs“ offenbar bewusst falsch informiert werden“, zeigt sich Martin Hahn (CDU) verärgert auf Facebook. „Die Politik hat auf baurechtliche Vorschriften und gesetzliche Regelungen, vor allem aber auf gravierende Fehler und Fehleinschätzungen der Unternehmensführung keinerlei Einflussmöglichkeiten. Und wir können und werden uns auch nicht über geltendes Recht hinwegsetzen und auch niemanden dazu ermutigen, dies zu tun“, erklärt der CDU Stadtratsfraktionsvorsitzende. Er informiert, dass Transgourmet das neue Grundstück erworben hätte, ohne sich über die baurechtlichen Gegebenheiten zur Errichtung eines Verbrauchermarktes an dieser Stelle abzusichern. Der Mietvertrag am bisherigen Standort habe man aus eigenem Antrieb, ohne eine belastbare Zusage der zuständigen Behörden für die Errichtung des Marktes am „neuen Standort“, gekündigt. Martin Hahn unterstreicht, dass „die Stadtverwaltung in dem gesamten Prozess des Verfahrens immer an einer für die Erhaltung der Arbeitsplätze orientierten Lösung gearbeitet und alles versucht hat, eine einvernehmliche Regelung zu erzielen“. Martin Hahn nimmt die Geschäftsführung in die Pflicht: „Statt mit Un- und Halbwahrheiten von eigenem Versagen abzulenken, sollten die für die Misere Verantwortlichen gemeinsam mit der Verwaltung nach Alternativlösungen suchen, die es am Standort Neuwied sicherlich gibt. Hier wird aus Recht nicht Unrecht, hier wird nicht geklüngelt, ganz im Gegenteil, für uns geht es um die Menschen und die Arbeitsplätze“. FF
= Die Selgros befindet sich seit fast fünft Jahrzehnten, in der Nachfolge der Agros, am Standort Neuwied.

Was ist mit den Menschen die dort arbeiten und teilweise zwei aus einer Familie?
So wie sich die Aussagen darstellen, scheint es, das die Falschen entlassen worden sind. Trotzdem sollten die Verantwortlichen sich zusammensetzen und eine Lösung finden.
Die einkaufende Gastronomie wird hierbei massiv geschädigt.
Der nächste Großmarkt befindet sich in Koblenz und die derzeitige Verkehrsituation verursacht erhebliche Mehrkosten und ist sehr zeitintensiv. Ich denke auch die Gastronomie sollte ihren Protest zum Ausdruck bringen.