Bürgermeisterwahl und Einwohnerbefragung in der Grafschaft
Achim Juchem bleibt für weitere acht Jahre Bürgermeister der Gemeinde Grafschaft
Bei der Direktwahl stimmten 81,9 Prozent der Grafschafter für ihn – Mehrheit von 54,6 Prozent war für den Neubau eines Einkaufszentrums auf der grünen Wiese
Grafschaft. Achim Juchem bleibt für weitere acht Jahre Bürgermeister der Gemeinde Grafschaft.
Der 51-jährige Christdemokrat wurde bei der Direktwahl mit stolzen 81,9 Prozent der abgegebenen Stimmen im Amt bestätigt. 18,1 Prozent der Wähler sagten Nein zu ihm, einen Gegenkandidaten gab es, wie schon bei der vorausgegangenen Wahl 2012, nicht. Erstaunlich hoch hingegen war die Wahlbeteiligung mit 51,4 Prozent, was allerdings auch damit zusammenhängen dürfte, dass zugleich eine amtliche Bürgerbefragung durchgeführt wurde. Darin waren die Bürger über ihre Ansicht zur Zukunft des Einzelhandelsstandortes Ringen befragt worden.
Bemerkenswerte war auch die Tatsache, dass fast zwei Drittel der Wähler ihre Stimme per Brief abgegeben hatten. Demgemäß ging es den einzelnen Wahllokalen verhältnismäßig ruhig zu, zumal es dort strenge Schutzmaßnahmen angesichts der Corona-Pandemie gab. So musste beispielsweise jeder Wähler selbst einen Kugelschreiber zum Ankreuzen seiner Wahl mitbringen, und jede Wahlkabine wurde nach jeder Benutzung gereinigt.
Zehn Prozent weniger als 2012
Das Wahlergebnis von 81,9 Prozent lag ziemlich genau zehn Prozentpunkte unter dem Ergebnis aus dem Jahr 2012, als Juchem noch 91,6 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte. Dennoch zeigte er sich im Anschluss hochzufrieden mit dem Ergebnis, das für ihn angesichts einer ganzen Reihe von kontrovers diskutierten Themen wie Flächenverbrauch, Verkehrsbelastung und Einkaufszentrum Ringen keine echte Überraschung war: „Wenn man 16 Jahre im Amt ist, dann kann man nicht immer jedem jeden Gefallen tun.“ Zu den ersten Gratulanten zählte neben dem Ersten Beigeordneten der Gemeinde, Michael Schneider (CDU), auch Landrat Dr. Jürgen Pföhler (CDU). „Ich gratuliere Bürgermeister Achim Juchem zu der überzeugenden Wahl und freue mich auf unsere weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit.“ Seine Wiederwahl sei eine Bestätigung der Bürger für sein überaus erfolgreiches Wirken in den vergangenen 16 Jahre zum Wohl der Gemeinde Grafschaft. „Juchem kann somit die Erfolgsgeschichte der Gemeinde, die eng mit seinem Namen verknüpft ist, weitere acht Jahre fortsetzen“, freute sich der Landrat. Die meiste Zustimmung hatte Juchem in Lantershofen, das mit 90,5 Prozent für ihn stimmte. Auch in seinem Wohnort Birresdorf gab es 89,3 Prozent Zuspruch. Ganz anders dagegen in Ringen, wo die Zukunft des Einzelhandelsstandorts infrage steht. Dort erhielt Juchem lediglich 74,1 Prozent der Stimmen, das zweitschlechteste Ergebnis nach Eckendorf mit 70,1 Prozent. In allen anderen Grafschafter Dörfern gab es meist deutlich mehr als 80 Prozent Zustimmung für eine weitere Amtszeit des amtierenden Bürgermeisters. Allerdings gab es überall Verluste gegenüber 2012 – bis auf Nierendorf, wo Juchem seine Unterstützung von 78,3 auf 81,3 Prozent hochschrauben konnte.
Mehrheit für Einkaufszentrum
Bei der gleichzeitig stattfindende Einwohnerbefragung sprach sich eine Mehrheit von 54,5 Prozent für ein Einkaufszentrum am Kreisverkehr oberhalb von Beller, vor dem Eingang des Innovationspreis Rheinland, aus. Die meisten Befürworter gab es in Leimersdorf mit 75,6 Prozent, während im direkt betroffenen Ortsteil Ringen nur 37,9 Prozent dafür stimmten. Auch die Bürger in Eckendorf (42,7 Prozent Zustimmung), Gelsdorf (44,6) Holzweiler (49,8) und Vettelhoven (39,8) lehnten den Neubau eines Einkaufszentrums auf der grünen Wiese mehrheitlich ab. In den übrigen Ortschaften überwogen die Befürworter, am stärksten in Leimersdorf mit 75,6 Prozent Zustimmung. Insgesamt hatten sich 4231 Grafschafter ab 16 Jahren an der Einwohnerbefragung beteiligt.
Die Frage, ob die Gemeinde Grafschaft die Liegenschaft des jetzigen Rewe-Marktes in der Ortsmitte von Ringen übernehmen und infrastrukturelle weiterentwickeln sollte, sofern Rewe den Standort aufgebe, befürworteten grafschaftweit 64,3 Prozent der Stimmberechtigten, sogar in Ringen selbst gab es mit 53,6 Prozent eine knappe Mehrheit hierfür. Auf die Überlegung, ob man den jetzigen Rewe-Märkte nach seiner eventuellen Aufgabe künftig als Versammlungsstätte mit Marktscheune nutzen solle, gab es mit 60,8 Prozent eine deutliche Mehrheit.
In Ringen selbst war hierzu die Meinung geteilt, 49,6 Prozent stimmten dafür, 50,4 Prozent dagegen. JOST
