Virtuelle Sitzung des Verbandsgemeinderats Mendig
Antrag für UNESCO-Welterbe „Mühlsteinrevier RheinEifel“ auf den Weg gebracht
Historiker Nicolas Junglas bereicherte die virtuelle Sitzung mit einem brillanten Vortrag
Mendig. Zu einer ebenso interessanten wie vielseitigen Video-Sitzung des Verbandsgemeinderats Mendig hieß VG-Bürgermeister Jörg Lempertz neben den teilnehmenden Ratsmitgliedern u.a. auch Jan Einig (Oberbürgermeister von Neuwied) herzlich willkommen, der als Gast an der Sitzung teilnahm.
Ein ausgesprochen spannendes Thema war der Verfahrensstand des Antrages UNESCO-Welterbe „Mühlsteinrevier RheinEifel“. Jörg Lempertz dankte allen, die daran teilnehmen, diese große Vision der Städte Mayen und Andernach, sowie der Verbandsgemeinden Vordereifel und Mendig und der Orte Ettringen und Kottenheim zu verwirklichen.
Das Mühlsteinrevier zwischen Mayen, Ettringen, Kottenheim und Mendig ist einzigartig. Aus den Lavaströmen der Vulkane wurde seit der neolithischen Epoche bis zur industriellen Revolution eine für die Nahrungszubereitung unverzichtbare Maschine produziert: Die Mühle. In 7.000 Jahren entstand in der Region ein Bergbaurevier für Reiben und Mühlen, das weltweit einmalig ist. Kein anderes Produktionsgebiet der Erde blickt auf eine derart lange und zudem lückenlose Geschichte zurück. Das belegt eine weltweite, wissenschaftliche Vergleichsanalyse. Getreide war durch diese Mühlen effizient nutzbar, dass Mahlgut sollte fortan die Menschen ernähren. „Dass unsere Heimat ein Pfund ist, zeigt auch den Mut unserer kommunalen Familie, sie über das Projekt „Mühlsteinrevier Rhein-Eifel“ zur UNESCO Welterbe-Stätte erheben zu wollen.“ Seine Frage, „Was schätzen Sie, wie viele Mühlsteine in unserem Mühlsteinrevier mit bloßer Händearbeit produziert wurden?“ beantwortete er auch gleich: „Über 22 Millionen!“ Man habe sich zum Ziel gesetzt, die Menschen von dieser atemberaubenden Region zu begeistern und sie in der Qualität mit dem höchsten Gütesiegel der Welt, dem UNESCO-Welterbe-Titel, zu unterlegen sowie diese Herausforderung mit breitem politischem Zusammenhalt angenommen. „Der Antrag für das Land steht und wurde fristgerecht zum 30. Juni eingereicht. Nun wollen wir hoffen, dass all´ die zusammengetragenen Erkenntnisse Früchte tragen und der erste Auswahlprozess im Land erfolgreich gemeistert wird“, so Jörg Lempertz, der sodann das Wort an den Germanisten und Historiker Nicolas Junglas weitergab. Dieser verstand es souverän, die Teilnehmer der Sitzung mit seinem brillanten audio-visuellen Vortrag „Die Infrastruktur (Raumanalyse) – Bestandsaufnahme der erhaltenen Sachzeugen“ zu faszinieren.
Nachdem der Antrag pünktlich zum 30. Juni beim Land Rheinland-Pfalz eingereicht wurde, hat die Landesebene nunmehr die Möglichkeit, zwei der eingegangenen Anträge für die Bundesebene zu empfehlen und damit später der Kultusministerkonferenz vorzulegen. Im September dieses Jahres bereist eine Kommission die Region, um das Mühlsteinrevier mit seinen Zeitzeugen in Augenschein zu nehmen und sich von der Qualitätsgüte des Antrags zu überzeugen. Die Bundesministerkonferenz berät dann im Jahr 2022 und der Abschlussbericht erfolgt im Jahr 2023. Wenn der Antrag auch die Hürde in Paris im Jahr 2024 bewältigt hat, kann die Region darauf hoffen, den begehrten Titel zu erhalten.
Einstimmig votierte der Rat sodann für die Kooperationsvereinbarung zwischen den Landkreis Mayen-Koblenz als örtlicher Träger der öffentlichen Jugendarbeit und der Verbandsgemeinde Mendig. Außerdem wurde der Bürgermeister ermächtigt, die Kooperationsvereinbarung zu unterzeichnen. Auch die Kinderbetreuung in den Kitas der Verbandsgemeinde ist gesichert. So sprach der VG-Rat sich nach ausführlichen Erläuterungen durch den VG Bürgermeister und Ute Dernbach (VG-Verwaltung, Fachbereich 2) einstimmig für die Einstellung eines 0,5 Stellenanteils in der pädagogischen Fachberatung aus. Die Stelle wird beim Teilbereich „Familie, Schulen und Soziales“ der Verbandsgemeinde eingegliedert. Die Refinanzierung erfolgt durch den jeweiligen Träger der Kindertagesstätte. Der Rat begrüßte den Abschluss einer entsprechenden Vereinbarung mit den Trägern der Kitas Bell, Rieden, Thür und Volkesfeld. Weiterhin nahmen die Ratsmitglieder eine Eilentscheidung des Bürgermeisters im Rahmen der Umsetzung des Rechtsanspruches auf Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern ab dem Schuljahr 2026/2027 über die Förderanträge von Investitionen und Ausstattungen zum beschleunigten Infrastrukturausbau zustimmend zur Kenntnis.
Seit dem 1. Juni 2020 übernimmt der „Zweckverband für Informationstechnologie und Datenverarbeitung der Kommunen in Rheinland-Pfalz“ (ZIDKOR) die hoheitliche Aufgabe „Betrieb des landeseinheitlichen Fachverfahrens Meldewesen VOIS“. Außerdem werden die eingesetzten Zusatzmodule (Gebührenkasse, Parkausweis & behördliches Ermittlungsverfahren) betrieben. Der ihnen vorliegenden Ausfertigung der vom ZIDKOR ausgefertigten Zweckvereinbarung nebst korrespondierender Leistungs-und Entgeltbeschreibung stimmten die RG-Ratsmitglieder zu und ermächtigten den Bürgermeister, diese mit dem Zweckverband ZIDKOR zu unterzeichnen.
Um mehr Transparenz im Haushaltsrecht zu schaffen, wurde eine Dienstanweisung über die Grundsätze der Verrechnung der internen Leistungsbeziehungen der VG Mendig erarbeitet, die den Ratsmitgliedern vorlag und von ihnen mit allgemeiner Zustimmung zur Kenntnis genommen wurde.
Nachdem Silvana Monschauer (VG-Verwaltung, Fachbereich 3) diverse Nachfragen detailliert beantwortet hatte, beschloss der Rat einstimmig die Übertragung der in einem entsprechenden Sachverhalt aufgeführten ordentlichen Haushaltsmittel von insgesamt 187.891,57 Euro vom Haushaltsjahr 2020 auf das Haushaltsjahr 2021 und nahm die Übertragung von Ansätzen für Auszahlungen aus Investitionstätigkeiten gemäß einer vorliegenden Übersicht zur Kenntnis. FRE
