In Swisttal wächst die Zahl der Flüchtlinge
Arbeitskreis will helfen
Swisttal-Heimerzheim. „Wir arbeiten alle ehrenamtlich und überparteilich“, auf diese Feststellung legte Jürgen Hein allergrößten Wert. Bei einem Pressegespräch stellten er und Axel Fuhs die Ziele und Möglichkeiten des im Dezember wieder belebten „Arbeitskreises Flüchtlinge“ vor. Beim ersten Treffen vor rund sechs Wochen, zu dem der Vorsitzende des Jugend-, Senioren-, Kultur- und Sozialausschusses Tobias Leuning eingeladen hatte, waren sich die Vertreter von Institutionen und Vereinen einig, dass - nicht zuletzt zur Unterstützung der Gemeinde - angesichts der zunehmenden Zahl der nach Swisttal kommenden Flüchtlinge wieder ein Arbeitskreis benötigt wird. 63 Personen sind - Stand 28. Januar - in der Gemeinde untergebracht, 32 in Ludendorf, 14 in Odendorf und 17 in Heimerzheim.
In Swisttal ist bisher nicht angedacht, irgendwo Container aufzustellen. Noch reichen die Plätze in den Übergangswohnheimen in den drei Ortsteilen, aber bei 75 Personen ist die Aufnahmekapazität erschöpft. Sollten dann weitere Zuweisungen erfolgen und Wohnraum erforderlich sein, so will die Gemeinde Wohnungen anmieten. Hein, ehemaliger Sozialarbeiter beim Diakonischen Werk und Leiter der Swisttaler Tafel, hat die Koordinierung des Arbeitskreises übernommen. Unterstützt wird er dabei von Axel Fuhs und Michael Schleupner.
Schwerpunkte der Arbeit
„Mein Ansatz in der Sozialarbeit war immer, die Menschen zu befähigen, sich selbst zu helfen, dies soll auch für den Arbeitskreis gelten“, erläutert der Koordinator die künftige Vorgehensweise des Arbeitskreises. Zunächst will der Arbeitskreis klären, was jede Institution, also etwa soziale Einrichtungen, Schulen oder Sportvereine, an Hilfen einbringen können, aber auch, was überhaupt benötigt wird. Auf weiteren Treffen sollen mögliche Hilfsmaßnahmen gefiltert und strukturiert werden, also wo sind Hilfen am Dringendsten nötig. Axel Fuhs, didaktischer Leiter an der Georg-von-Boeselager-Schule, sieht an erster Stelle die Sprachförderung, damit Sprachbarrieren möglichst schnell abgebaut werden und eine Integration ermöglicht ist. „Für die Menschen ist es auch wichtig, dass sie Ansprechpartner haben, die ihnen helfen, etwa bei Behördengängen“, so Fuhs, „da stellen sich dankenswerterweise einige Ortsvorsteher zur Verfügung.“ Auch eine „Tour de Swisttal“ ist geplant, die Michael Schleupner organisieren wird. Für die Kinder und Jugendlichen ist es wichtig, dass sie mit Gleichaltrigen zusammenkommen, da sind insbesondere die Sportvereine gefragt, die seit Jahren kooperativ sind und viel für die Integration leisten. „Eine Problemgruppe bei den Flüchtlingen und Asylbewerbern sind stets die jungen Erwachsenen“, weiß Hein noch aus seiner Zeit als Sozialarbeiter, „wenn diese nicht mehr zur Schule gehen aber auch noch nicht arbeiten dürfen, wird es schwierig mit der Integration.“
Gute Schulsituation
„In Heimerzheim ist die schulische Situation der Kinder noch recht gut“, berichtet Axel Fuhs. „Alle acht schulpflichtigen Kinder sind in Heimerzheim untergebracht, eines in der Grundschule, sieben in der Sekundarstufe. Sie erhalten fünf zusätzliche Deutschstunden aus dem ‚Lehrertopf‘, eine ehemalige Lehrerin und ein ehemaliger Lehrer unterrichten zusätzlich vier Stunden in der Woche. Wenn aber noch mehr Kinder kommen, stößt diese Regelung an Grenzen.“ Der Unterricht ist teilweise sehr schwierig. Durch die Flüchtlingssituation waren manche Kinder kaum in der Schule, hinzu kommt bei einigen, dass sie eine vollkommen neue Schrift erlernen müssen.
Von Syrien nach Swisttal
Insgesamt sind Menschen aus 21 verschiedenen Nationen in Swisttal untergebracht. Mit ruhigen, aber bewegenden Worten erzählt der 19-jährige Jony Eywas, wie er vor über einem Jahr mit seinen Eltern und der 15-jährigen Schwester aus der Stadt Al Hasak im Osten Syriens geflüchtet ist. „Wir sind syrische Christen, unsere Familie war dort nicht mehr länger sicher.“ Mit Autos sind sie über die nur etwa 60 Kilometer entfernte türkische Grenze gefahren und dann von der Türkei aus nach Erhalt der Visa nach Deutschland geflogen. „Unsere Flucht war da nicht so spektakulär und gefährlich wie die vieler anderer Flüchtlinge, aber unsere Heimat mussten wir doch verlassen.“ Da er in Syrien noch sein Abitur gemacht hat, das inzwischen auch in Deutschland anerkannt ist, möchte er am liebsten Zahnmedizin studieren. Schon im Februar 2014 hatte er einen Sprachkurs begonnen, und inzwischen ist die Verständigung schon sehr gut. „Wenn ich den zweiten Kurs beendet habe, werde ich hoffentlich perfekt Deutsch sprechen“, ist sein Ziel. Inzwischen hat er in Ludendorf im Fußballverein auch Freunde gefunden. Auf die Frage, was ihm an Deutschland besonders gefällt, weiß er nur eine Antwort: „Alles!“
