Leserbrief zu „Schöner Westerwald muss bleiben!“, Blick aktuell – Neuwied Nr. 21/2017
„Auch der Westerwald hat Charme, denn im Sommer ists hier warm.“
Dass der AfD-Landtagsabgeordnete Jan Bollinger in seiner Kritik daran, dass das Verteidigungsministerium die neue Ausgabe des Bundeswehr-Liederbuches „Kameraden singt“ gestoppt hat, im Hinblick auf das Westerwaldlied fordert, man solle ihm doch bitte mal zeigen, was an diesem Lied so problematisch sein soll, ignoriert das Entscheidende. Der Inhalt des Liedtextes ist natürlich unbedenklich. Problematisch ist allenfalls die Textzeile: „Über deine Höhen pfeift der Wind so kalt.“ Denn das ist touristisch nicht so der Bringer, denkt man an den sonnige und warme Gefilde suchenden Urlauber. Dafür wäre das Motto: „Auch der Westerwald hat Charme, denn im Sommer ists hier warm.“ unter Umständen zielführender. Aber keiner hindert selbstverständlich Tourismuswerber, Westerwälder Chöre, alle Liebhaber von Volksliedern daran, dieses „musikalische Aushängeschild“, wie Jan Bollinger es nennt, zu präsentieren. Wir leben in einem freien Land, und somit ist eine Behauptung völlig falsch, das Westerwaldlied solle künftig verboten werden. Das Entscheidende, warum das Westerwaldlied aus dem Liederbuch der Bundeswehr genommen werden könnte, ist aber der historische Kontext. Immerhin hieß es schon 1958 und auch noch in der zweiten Auflage von 1991 im Liederbuch der Bundeswehr „Kameraden singt“: „Dieses Lied ist das wohl bekannteste Lied der ehemaligen deutschen Wehrmacht. Es sollte daher immer besonders sorgsam abgewogen werden, ob und wo dieses Lied durch Angehörige der Bundeswehr gesungen wird“. Im Hinblick auf die Verwendung dieses Liedes im Rahmen der Bundeswehr war eigentlich somit schon immer zu beachten, dass das Westerwaldlied als Marschlied der Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs in ganz Europa Verbreitung fand und in vielen Nachbarländern eng mit der Erinnerung an die deutsche Besatzung verknüpft wird.
Siegfried Kowallek, Neuwied
