Politik | 05.12.2018

Schulausschuss Rheinbach beschäftigte sich mit Gesamtschule

Auch im kommenden Schuljahr soll Mehrklasse den erwarteten Andrang auffangen

Schon jetzt wurden die Weichen dafür gestellt – Appelle an die Nachbarkommunen Swisttal und Alfter, sich mehr für die Versorgung ihrer Schulkinder einzusetzen

Rheinbach. Auch im kommenden Schuljahr 2019/2020 dürften an der Rheinbacher Gesamtschule wieder mehr Schüler angemeldet werden, als Plätze zur Verfügung stehen – das befürchtet zumindest der Rheinbacher Schulausschuss. Deshalb beschloss das Gremium in seiner jüngsten Sitzung einstimmig, schon jetzt eine Mehrklasse für die eigentlich nur fünfzügige Gesamtschule bei der Bezirksregierung zu beantragen. Joachim Schneider (CDU) sah das Signal als entscheidend an, das damit den Eltern gegeben werde: „Wir wollen, dass jedes Rheinbacher Kind einen Platz in einer Rheinbacher Schule bekommt.“ Mit dem Beschluss schaffe man die Voraussetzungen zumindest für das kommende Schuljahr.

Man befürchtet nämlich, es könne erneut nur durch eine Mehrklasse gewährleistet werden, dass allen Rheinbacher Schülern in ihrer Heimatstadt ein Schulplatz zur Verfügung stehe. Deshalb wurde schon jetzt die Verwaltung beauftragt, gemeinsam mit der Schulleitung die notwendigen räumlichen Voraussetzungen für eine erneute Mehrklasse zu definieren und entsprechende Lösungsansätze zu erarbeiten, wie ein solches Raumangebot geschaffen werden könnte.

Gummiband kann nicht weiter gedehnt werden

Denn im vorhandenen Gebäudebestand sei die Unterbringung einer weiteren Mehrklasse samt der dafür notwendigen Fachräume völlig ausgeschlossen, machte Schulleiterin Elke Dietrich-Rein klar: „Das Gummiband unserer Bereitschaft kann nur bis zu einer gewissen Grenze gedehnt werden. Eigentlich hatten wir schon letztes Jahr gesagt: Das ist das letzte Mal!“ Bereits jetzt seien drei der bislang fünf Jahrgänge mit sechs statt der eigentlich geplanten fünf Zügen gestartet, und die Sechszügigkeit ziehe sich ja bis zum Schulabschluss sechs Jahre lang hin. Mit zunehmender Enge und den damit einhergehenden Problemen verliere die Schule zusehends an Attraktivität – nicht nur für die Schüler, sondern auch für neue Lehrkräfte, die dringend gebraucht würden.

Eine Erweiterung der Gesamtschule Rheinbach auf sechs Züge allerdings sei nicht finanzierbar, darin waren sich die Ausschussmitglieder einig. Eine Machbarkeitsstudie hatte nämlich ergeben, dass hierfür Kosten von rund elf Millionen Euro anfallen würden. „Wir können unseren Bürger nicht vermitteln, dass wir die Grundsteuer B um mindestens 40 Prozentpunkte erhöhen müssten, damit Kinder aus den Nachbarkommunen hier die Schule besuchen können“, schüttelte die SPD-Fraktionsvorsitzende Martina Koch den Kopf. Sie sah ohnehin die Nachbarkommunen viel stärker in der Verantwortung für ihre Schüler, „die können sich keinen schlanken Fuß auf unsere Kosten machen.“ Vor allem die Gemeinde Swisttal müsse sich um ihre weiterführende Schule kümmern, die Gemeinde Alfter sei schon auf einem guten Wege und habe die Einrichtung einer Dependance der Gesamtschule Rheinbach bei der Bezirksregierung beantragt.

Keine Zustimmung für grundsätzliche Erweiterung

Der Erste Beigeordnete Dr. Rafael Knauber bestätigte, eine grundsätzliche Erweiterung der Gesamtschule Rheinbach auf sechs Züge werde von der Bezirksregierung vermutlich keine Zustimmung finden, „denn das wäre der Todesstoß für die Sekundarschule in Heimerzheim.“ Die noch zu beantragende Zusatzklasse für das kommende Schuljahr werde aber aller Voraussicht nach durchgewunken. Er selbst gehe nach Gesprächen mit der Bezirksregierung davon aus, dass die beantragte Dependance in Alfter gute Chancen habe, umgesetzt zu werden. Zumal die betroffenen Eltern, deren Kinder vor einem Wechsel in eine weiterführende Schule stünden, ausnahmsweise zwei Anmeldeformulare ausfüllen dürften: „Wenn Alfter zustande kommt, werden die Schüler dort aufgenommen – wenn nicht, gehen sie in die andere Schule, für die sie sich angemeldet haben.“ Auch Knauber appellierte an den Ausschuss, die Finanzsituation der Stadt nicht außer Acht zu lassen, denn auch nach seiner Ansicht könnten weder die Grundsteuer noch die Gewerbesteuer über das bisherige Maß hinaus erhöht werden.

Bernd Beißel (CDU) ergänzte, man dürfe das Thema nicht nur aus numerischer Sicht angehen, sondern müsse auch die Qualität der Schule und die pädagogische Praxis vor Ort im Auge behalten. „Die Rahmenbedingungen müssen stimmen, wenn wir die Attraktivität der Gesamtschule dauerhaft erhalten wollen.“ So sei beispielsweise die Absenkung der Klassengröße auf 25 Schüler wünschenswert, aber angesichts der Nachfrage vermutlich nicht durchführbar. Er warnte andererseits davor, die Rheinbacher Schulen komplett gegen Schüler aus den Nachbarkommunen abzuschotten. „Das wäre der falsche Weg“, denn wer sich als Schüler nach Rheinbach orientiere, tue das auch als Erwachsener bezüglich seines Einkaufs- und Freizeitverhaltens.

Swisttal soll sich finanziell beteiligen

Jörg Meyer (UWG) lobte die Schulleitung und den Lehrkörper der Gesamtschule dafür, diese enorme Herausforderung vorbildlich zu stemmen. Seine Kritik galt ebenfalls der Gemeinde Swisttal, aus der jedes Jahr mehr Kinder an der Gesamtschule in Rheinbach angemeldet würden. Doch damit nicht genug: „Jetzt werden in Swisttal immer weitere Baugebiete ausgewiesen, und wohin gehen die Kinder anschließend zur Schule? Nach Rheinbach!“ Meyer appellierte an den Swisttaler Rat, sich vehement dafür einzusetzen, die Georg von Boeselager-Sekundarschule in Heimerzheim so schnell wie möglich zur Gesamtschule umzuwandeln, „denn wir in Rheinbach haben mittlerweile Zeitdruck.“ Er bat auch die Eltern aus Swisttal, ihre Kinder nach Möglichkeit an der Heimerzheimer Schule anzumelden, denn die bietet doch alles außer der gymnasialen Oberstufe. „Dann werden in Rheinbach wieder mehr Plätze für Rheinbach Kinder frei“, hoffte Meyer. Andererseits könne er sich aber auch vorstellen, dass sich die Gemeinde Swisttal mit einer Summe von mehreren Millionen Euro an einer möglichen Erweiterung der Gesamtschule in Rheinbach beteilige, dann könne man über das Thema noch einmal neu nachdenken.

„Für uns muss es auch um Qualität gehen“, ergänzte Joachim Schollmeyer (Grüne) und lag damit auf einer Linie mit Bernd Beißel. Deshalb dürfe man auch die Klassengröße nicht weiter erhöhen, denn das gehe auf Kosten der Unterrichts-Qualität. Außerdem sei es nach seiner Ansicht sinnvoller, wenn die Politik das umsetze, was die Schule, die Eltern und die Kinder wünschten – und nicht umgekehrt die Schule das umsetzen müsse, was die Politik vorgebe. JOST

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