Holzzerstörende Pilze drängen zum Handeln
Aussichtsturm „Steinthalskopf“ soll für 107.000 Euro wieder aufgebaut werden
Massive Schäden an der tragenden Holzkonstruktion sorgen schon für Schließung des Turmes - Ahrtaltourismus sieht große Bedeutung für den Fremdenverkehr - Auch Alfred-Dahm-Turm soll repariert werden
Kreisstadt. „Unsere Aussichtstürme sind ein teurer Spaß“, hatte Bürgermeister Guido Orthen (CDU) schon im Haupt- und Finanzausschuss bemerkt, und auch in der Sitzung des Stadtrats wurde dies deutlich.
Doch andererseits seien sie gerade in Zeiten der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden Einschränkungen aus Sicht das Ahrtaltourismus von besonderer Bedeutung für den Fremdenverkehr.
Sie hätten sich zu überaus beliebten Anlaufpunkten entwickelt, die besonders in den sozialen Medien mit vielen Videoclips und Fotos für Furore sorgten.
Diese Einschätzung der Tourismusexperten machte es dem Stadtrat leicht, die dringend notwendige Sanierung des Aussichtsturmes „Steinthalskopf“ für geschätzte 107.000 Euro einstimmig bei einer Enthaltung auf den Weg zu bringen. Zudem soll auch der Alfred-Dahm-Turm repariert werden zum Angebotspreis von 4900 Euro.
Nutzung derzeit wegen der Schäden untersagt
Bei der regelmäßigen Kontrolle des Aussichtsturms „Steinthalskopf“ in der Nähe der Jacob-Rausch-Hütte oberhalb von Walporzheim seien im Juni erhebliche Schäden an der tragenden Holzkonstruktion des Turmes festgestellt worden, so Orthen.
Daraufhin habe man den Turm sofort mit einem Bauzaun abgesperrt und die Nutzung untersagt. Kurz darauf habe ein Sachverständiger für Holzschutz und Schäden an Gebäuden den maroden Aussichtsturm in Augenschein genommen und hinsichtlich der Schäden untersucht.
„Bei dem Ortstermin stellte der Sachverständige massive Schäden an der tragenden Holzkonstruktion durch holzzerstörende Pilze fest“, berichtete der Bürgermeister.
Diese Pilze, sogenannte Blättlinge, erzeugten eine Innenfäule in den Hölzern. Demnach liege der Schädigungsgrad bei 70 bis 80 Prozent der tragenden Holzkonstruktion. Eine Instandsetzung sei nicht mehr praktikabel, sodass vom Fachmann der Abbruch des Turmes empfohlen werde.
Beliebtes Ziel bei Wandertouristen
Für die Entscheidung über die weitere Vorgehensweise habe man den Ahrtaltourismus zur touristischen Bedeutung des Aussichtsturms befragt. Die Antwort lautete, aufgrund der Pandemie habe man in den vergangenen Monaten auch im Ahrtal deutliche Veränderungen im Tourismus gespürt. „Nach dem ersten Lockdown wollten die Menschen raus in die Natur, was erfreulicherweise zu einer deutlichen Zunahme im Wandertourismus führte.“ Es sei davon auszugehen, dass sich dieser Trend auch in den kommenden Jahren fortsetzen werde. Der „Steinthalskopf“ liege an einem Knotenpunkt verschiedener Wanderwege und sei auch in Wanderkarten gekennzeichnet.
Viele Wanderer nutzten mittlerweile Onlineplattformen, in denen der Aussichtsturm lobend erwähnt werde.
„Aus touristischer Sicht hat der Aussichtsturm eine nicht zu vernachlässigende Bedeutung, da er von Wandertouristen im Ahrtal genutzt und geschätzt wird“, so das Fazit des Ahrtaltourismus.
Daher halte die Stadt einen Neubau des Turmes in der jetzigen Form für angezeigt, um einen gewachsenen touristischen Anziehungspunkt zu erhalten. Die dafür notwendigen Mittel von voraussichtlich 107.000 Euro sollen im Haushalt 2021 eingestellt und schon jetzt das Vergabeverfahren eingeleitet werden.
Die Ausführungsfristen sollen indes so gewählt werden, dass eine Fertigstellung zum 1. April 2022 gewährleistet sei. Parallel zum Ausschreibungsverfahren werde die Stadt unverzüglich ein Förderantrag aus dem Investitionsstock des Landes Rheinland-Pfalz stellen.
Wobei Regina Eckert (FWG) darum bat, zugleich die umliegenden Bäume zu kappen, damit auch in Zukunft noch eine Fernsicht gewährleistet sei. Den Vorschlag von Marion Morassi (Die Linke), den Turm so hoch zu bauen, dass er die benachbarten Bäume übertrage, lehnte Bürgermeister Orthen: „Da bin ich fürs Bäumeköpfen, denn wir können einen Turm nicht unendlich in den Himmel bauen.“
Keine Chance mehr für den Häuschenturm
Anders als beim Aussichtsturm „Steinthalskopf“ stelle sich die Situation beim einige hundert Meter weiter westlich gelegenen „Alfred-Dahm-Turm“ dar, der momentan ebenfalls gesperrt sei, so Orthen. Zwar sei auch dieser Turm in die Jahre gekommen, die Beschädigungen aber noch reparabel. Es liege ein Angebot über 4900 Euro vor, die aus laufenden Unterhaltungsmitteln noch in diesem Jahr finanziert werden könnten.
Allerdings sah Robert Schwertel-Stahl (CDU) bei diesem Turm überhaupt keine richtige Funktion mehr, denn erst kürzlich sei in direkter Nachbarschaft der „Kreisstadtblick“ eingeweiht worden. Die CDU sei nur noch ein einziges Mal bereit, hierfür Geld zu investieren, danach nicht mehr.
Auch dem Vorschlag von Werner Kasel (SPD) und Gregor Sebastian (FWG), den vor einigen Jahren niedergelegten „Häuschenturm“ auf dem höchsten Punkt der Ahrweiler Gemarkung, dem 506,5 Meter hoch gelegenen „Häuschen“, wieder aufzubauen, denn er würde ja nach wie vor zum Wanderwegenetz des Eifelvereins gehören, gab Orthen eine Absage.
„Nicht alles, was in der Vergangenheit schön und wichtig war, hat auch heute noch den gleichen Stellenwert“, wusste er. Schließlich seien für ein solches Projekt Steuermittel in sechsstelliger Höhe erforderlich.
JOST
