Politik | 10.04.2017

MdB Mechthild Heil und MdL Hedi Thelen besuchten die Klinik Nette-Gut in Weißenthurm

Austausch über gesetzliche Neuerungen

Sie trafen sich zu einem interessanten Austausch in der Klinik Nette-Gut (von links): Mechthild Heil, Werner Stuckmann, Wolfram Schumacher-Wandersleb, Dr. Frank Goldbeck und Hedi Thelen.privat

Andernach/Weißenthurm. Die Bundestagsabgeordnete Mechthild Heil und die Landtagsabgeordnete Hedi Thelen (beide CDU) besuchten die Forensische Klinik Nette-Gut in Weißenthurm, um sich einen Eindruck von den praktischen Umsetzungen der gesetzlichen Neuerungen im Maßregelvollzug zu verschaffen. Entsprechende Gesetzesnovellierungen auf Landes- und Bundesebene brachten in jüngster Zeit für den Maßregelvollzug erhebliche Änderungen mit sich.

Der Ärztliche Direktor Wolfram Schumacher-Wandersleb, Pflegedirektor Werner Stuckmann sowie Dr. Frank Goldbeck, stellvertretender Ärztlicher Direktor und Chefarzt der psychotherapeutischen Abteilung, trafen sich mit den beiden Politikerinnen zu einem Erfahrungs- und Meinungsaustausch.

Im Maßregelvollzug werden nach dem Strafgesetzbuch psychisch oder suchtkranke Straftäter nach den Maßregeln der Besserung und Sicherung untergebracht, sofern die Taten im Sinne der Schuldunfähigkeit beziehungsweise verminderten Schuldfähigkeit verübt wurden und weitere Taten zu erwarten sind.

Der Paragraf 63 des Strafgesetzbuchs wurde im vergangenen Jahr geändert: Unter anderem wird für die Dauer der Unterbringung der Rahmen enger, um einen Straftäter im Maßregelvollzug zu halten. Das bedeutet, dass Patienten der Klinik per Gerichtsbeschluss relativ kurzfristig entlassen werden können - bislang trifft dies auf etwa 30 Patienten zu, bundesweit wird von rund 700 gesprochen.

„Eine solche Entlassung kann nur erfolgreich sein in enger Kooperation mit der Gemeindepsychiatrie“, gab Schumacher-Wandersleb zu bedenken. „Die Kommunen übernehmen Verantwortung für unsere Patienten.“ Die Fachleute der Klinik Nette-Gut, die auch Teilnehmer einer Arbeitsgruppe im Gesundheitsministerium sind, würden bei verschiedenen Gelegenheiten sehr intensiv darauf hinweisen, sagte Schumacher-Wandersleb. Er verdeutlichte Heil und Thelen. „Wir können nicht einfach sagen: nimm mal.“

Vielmehr müsse eine Know-How-Betreuung zur Verfügung stehen. Eine bewährte Möglichkeit würde die Forensisch-Psychiatrische Institutsambulanz (FPIA) der Klinik bieten, eine aufsuchende psychiatrische Hilfe. Dr. Goldbeck kennt die Diskussionen um die Kosten. Eingespartes Geld in der Forensik durch vermehrte Entlassungen könnte in der Gemeindepsychiatrie für dieses Klientel genutzt werden.

„Die Gesetzesänderung verlangt von der Gesellschaft mehr Risikobereitschaft“, ist Pflegedirektor Stuckmann überzeugt. Zusätzlich muss bedacht werden, dass nicht jeder ehemalige Patient in ein psychiatrisches Heim gehen wird. Nach der Entlassung ist er frei. „Unsere Patienten reagieren sehr unterschiedlich“, weiß Schumacher-Wandersleb.

Die Gesellschaft hat den Auftrag, den Menschen wieder zurück ins Leben zu helfen, sagten Thelen und Heil. Ein Aufenthalt in einer forensischen Klinik dürfe daher nur für eine begrenzte Zeit möglich sein - daher die Gesetzesnovellierung, die auch durch den „Fall Mollath“ motiviert wurde.

Dazu, so Schumacher-Wandersleb, Stuckmann und Goldbeck, hätte mehr reformiert und vorab die Frage beantwortet werden müssen, was mit den entlassenen Patienten geschieht. Bislang konnte die Klinik Patienten über Lockerungsstufen und betreute Wohngruppen an ein Leben in Freiheit gewöhnen. Werden die Patienten nun schnell entlassen, fehlt die Chance, ihnen den Weg zu bereiten.

Einen weiteren Diskussionspunkt bot das neue Maßregelvollzugsgesetz in Rheinland-Pfalz. Die Ärzte berichteten positiv von der Umsetzung, auch wenn es einen deutlichen Mehraufwand bedeute. Pflegedirektor Stuckmann sprach von einem „Meilenstein aus pflegerischer Sicht in der forensischen Psychiatrie“, da die Pflege mit der Sozio-Milieutherapie als Teil der Behandlung im Gesetz berücksichtigt sei. Thelen sagte, nach zwei Jahren solle es eine Bestandsaufnahme zu diesem neuen Gesetz geben.

Sie trafen sich zu einem interessanten Austausch in der Klinik Nette-Gut (von links): Mechthild Heil, Werner Stuckmann, Wolfram Schumacher-Wandersleb, Dr. Frank Goldbeck und Hedi Thelen.Foto: privat

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Roman Bermel: Hallo Julia. Du hast vollkommen recht. Ich habe lange bei euch gearbeitet und bin auch heute noch in der Grundschule unterstützend tätig. Ich kann nicht feststellen, dass weniger Unterstützung notwendig ist, eher das Gegenteil ist der Fall.
  • Andi-RLP: Hallo Herr oder Frau Bastian, Sie haben Recht, die Kommentarantwort von mir war falsch ausgedrückt. Das Wort "vertrauensvoll" steht natürlich im Bericht. Jedoch habe nicht ich den vertrauensvollen Abstimmungsprozess...
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Elke Zeise: Nur Schade das man als Nachbarin keine Information bekommt ob der Täter noch in U Haft ist oder wieder auf freiem Fuß ist. Habe Angst die Wohnung zu verlassen
Daueranzeige 2026
Maifest in Gönnersdorf
Industriemechaniker
Gesundheit im Blick
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Shopping Genuss Abend Ahrweiler / o.B. Sponsoring
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Empfohlene Artikel
19

„Saubere Flüsse bieten Schutz vor Hochwasser“ lautete die Überschrift eines Berichts in der Ausgabe 14/2026 des BLICK aktuell. Darin hieß es u.a.: „Während die Verbandsgemeinde Bad Breisig die öffentlich-rechtliche Verpflichtung zur Gewässerunterhaltung wahrnimmt, obliegt den Grundstückeigentümern die zivilrechtliche Verkehrssicherungspflicht für Uferbereiche und Bewuchs.“

Weiterlesen

Der marode Zustand der L 83 ist in Kempenich Dauerthema.  Foto: Jochen Seifert
360

Der Artikel zeigt deutlich das Dilemma mit der Sanierung von Landes- und Kreisstraßen im Kreis Ahrweiler. Dem LBM ist der Zustand der L 83 von der K 18 bis nach Kempenich bekannt – das freut mich. Offensichtlich nicht bekannt ist der miserable und verkehrsgefährdende tatsächliche Zustand, denn dann hätte man die Straßen längst saniert. Der benannte Abschnitt der L 83 stand schon im Investitionsplan Landesstraßen der Landesregierung von 2019 – 2023 mit insgesamt 1,934 Millionen Euro.

Weiterlesen

Die CDU Rheinbreitbach freut sich auf viele Gäste beim Burgfest am 26. April.  Foto: Heinz-Werner Lamberz
36

Rheinbreitbach. Der CDU-Ortsverband Rheinbreitbach lädt ein zum Burgfest am Sonntag, 26.04.2026 ab 15:00 Uhr in und um die Obere Burg, Schulstraße 7a in Rheinbreitbach. Angeboten werden leckere, von Mitgliedern gebackene Kuchen, selbstverständlich auch Kaffee, Tee sowie andere alkoholische und alkoholfreie Getränke. Natürlich besteht Gelegenheit zu Gesprächen untereinander sowie mit Abgeordneten und Kommunalpolitikern.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Nadine Kreuser.  Foto: privat
13

In Ahrweiler gehört es fest dazu: das Maibaumstellen. Gemeinsam werden die großen geschmückten Bäume aufgerichtet – mit viel Vorbereitung, Muskelkraft und Gemeinschaftssinn. Gleichzeitig sieht man in diesen Tagen vor vielen Häusern kleinere Maibäume stehen. Sie werden meist ganz persönlich aufgestellt: als Zeichen der Zuneigung, der Verbundenheit oder einfach, um einem Menschen zu zeigen: Ich denke an dich.

Weiterlesen

Symbolbild.
31

Pkw touchiert Kind an einer Bushaltestelle

21.04.:Kind bei Unfall in Marienfels verletzt

Marienfels. Am Dienstag, dem 21. April 2026, kam es gegen 16:30 Uhr in der Römerstraße in Marienfels zu einem Verkehrsunfall an einer Bushaltestelle. Ein Kind wurde von einem vorbeifahrenden PKW leicht touchiert und erlitt dabei leichte Verletzungen.

Weiterlesen

Dauerauftrag 2026
Anzeige Sonderpreis wie vereinbart
Gesundheit im Blick
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0253#
Gesundheit im Blick
Minijob
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Titelanzeige
Angebotsanzeige (April)
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Maifest Dedenbach
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Sachbearbeiter/in (w/m/d)
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0253#
Bestellung Nr. 4300003040 - W100 - 606  // AZ Commodity Rheinschiene KW 17
100 Jahre Eifelverein Dernau
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr