Politik | 10.05.2021

Bendorfer Rat entschied sich ganz knapp für das Kreisprojekt Elektro-Dorf-Auto

Bald kostenlos ein E-Mobil leihen

Fahrzeug steht ein Jahr lang in einem der drei Stadtteile - Bendorf muss 30 000 Euro zahlen

Bendorf. „Schorschl, ach fahr mit mir im Automobil, es kost´ ja nicht viel...“, war in den 50er Jahren ein Schlagertext, der bald auch für Bürger in Bendorfer Stadtteilen gelten soll. Für sie kostet es dann gar nichts, wenn sie sich das vom MYK-Kreis bereitgestellte Elektroautomobil ausleihen. Dies entschied der Bendorfer Stadtrat ganz knapp, bedingt durch Enthaltungen, auf seiner jüngsten Sitzung, die über Youtube als Stream im Internet übertragen wurde. So konnte jeder Bürger auf Display, Monitor oder TV-Schirm zusehen und –hören und jedes Ratsmitglied sich von zu Hause aus oder von irgendwo her unter Moderation von Stadtbürgermeister Christoph Mohr beteiligen und abstimmen. Dass dies dann rechtlich ok ist, entschied das Gremium zu Beginn der Sitzung durch Änderung der Hauptsatzung.

Vorletzter Punkt der Ratssitzung war dann die Entscheidung über das Projekt „Elektro-Dorf-Auto“ des Landkreises Mayen-Koblenz. Da gab es Diskussionen und verschiedene Meinungen der Ratsfraktionen, denn für Errichtung der Ladeeinrichtungen und Stellplätze muss die Stadt 20.000 Euro (Umbauvariante) und für jährliche Stromkosten 1000 Euro bis 2023 und dann noch 6000 Euro Leasingkosten zahlen.

Der MYK-Kreis stellt seinen sieben Verbandsgemeinden und drei Städten über drei Jahre ein Elektroauto zur Verfügung, das von Bürgern unentgeltlich genutzt werden kann. Da der Standort des Elektroautos jährlich wechseln soll, plant die Verwaltung für die drei Projektjahre jeweils einen Standort mit Ladesäulen in den Stadtteilen Mülhofen (Hüttenstraße 120), Stromberg (Dieter-Trennheuser-Halle) und Sayn wo es drei Alternativen gibt. Nach 2023 können an den Wallboxen nur städtische Elektrofahrzeuge geladen werden, da es für die öffentliche Nutzung keine Strom-Abrechnungstechnik gibt.

Stadtbürgermeister Christoph Mohr verwies auf die Erfolge solcher Projekte in Vallendar und im Rhein-Hunsrückkreis, wo im vergangenen Jahr ein Auto 450 Mal genutzt wurde. „Ich denke nicht, dass wir 30.000 Euro Steuergelder für kostenfreies Autofahren für Bürger ausgeben. Es ist ein reines Symbol, dem können wir nicht zustimmen. Eine Kommune ist kein Autohändler und kein Autovermieter“, lehnte Goran Varvodic für die CDU-Fraktion das Projekt ab.

Ganz anders Elke Sodemann-Müller von den Grünen: „Wir müssen weg vom Verbrennungsmotor und den Klimaschutz nicht auf kommende Generationen verlagern. Mit der E-Mobilität wird nicht die Welt gerettet, aber viele kleine Schritte sind nötig. Der Kreis hat ein richtiges Programm angeboten. Dem sollten Kommunen, sie haben Vorbildfunktionen, nicht zuwiderhandeln.“

Herbert Speyerer von der FDP sieht den Sinn des kostenlosen Angebots darin, dass die Bürger auf ein Zweitauto verzichten: „Ich stimme dafür“. „Es fragt sich angesichts unserer finanziellen Lage ob wir nicht woanders investieren sollen“, meinte Christine Gräf von der FDP.

Als eine gute Sache bezeichnete Dominik Pretz das Elektro-Dorf-Auto, da auch in Bendorf einige Bürger betroffen seien.

Manfred Bauer von der SPD-Fraktion meinte, es sei ein falscher Ansatz der Kreispolitik: „Wir sollten über Mobilität und nicht über Kraftstoffe diskutieren, ökologisch anders denken. Die Umwelt retten wir nicht mit solchen Traumprojekten.“ HEP

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