Die Albert-Schweitzer Realschule plus wird nicht geschlossen, sondern besteht weiter
Beschluss von 2015 wurde aufgehoben
Stadt ist Träger der Schule auf dem Asterstein
Koblenz. „Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln“ ist ein Sprichwort für einen Zickzack-Kurs und eine Verärgerung. Beides gab es bei der jüngsten Sitzung des Koblenzer Stadtrats. Der musste aufgrund einer Verfügung der Aufsichtsbehörde ADD seinen Beschluss vom März 2015 aufheben. Nach dem sollte die Albert-Schweizer-Realschule plus auf dem Asterstein ab dem Schuljahr 2016/2017 langsam auslaufen, also keine neuen Schüler und Klassen mehr.
Doch die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) ist da anderer Meinung und verfügte, dass die Realschule plus weiter besteht.
„Das ist ärgerlich, denn was wir beschlossen haben müssen wir jetzt wieder zurücknehmen“, kritisierte Monika Sauer von der CDU-Fraktion und: „Damals hieß es, das Schulgebäude muss mit zwei Millionen Euro saniert und wegen fehlendem Brandschutz sofort geschlossen werden. Jetzt wird die Schule an dem Standort weiter geführt.“
Gerhard Lehmkühler von der SPD-Fraktion ist ebenfalls verärgert: „Das widerspricht Auffassungen, die wir jahrelang gehört haben, dass kleine Grundschulen in Dörfern aufgelöst werden, hier wird die Rolle rückwärts gemacht gegen die Interessen des Schulträgers. Die geplante Zusammenlegung der Förderschulen Diesterweg und Hans-Zulliger auf den Asterstein geht nur, wenn die Realschule plus ausläuft.“
Die Sprecherin der Fraktion Bündnis90/Die Grünen Julia Schmenk gab zu Bedenken: „Mit dem Fortbestand der Realschule wird kein Problem gelöst, sondern nur verschoben.“ Ganz anders dagegen die Sprecherin der BIZ-Fraktion Angela Keul-Göbel: „Wir sind froh, dass die Schule erhalten bleibt, schon damals haben wir die Schließung kritisch diskutiert. Wir sind überrascht über die vielen Anmeldungen.“
Kulturdezernentin Dr. Margit Theis-Scholz informierte, dass nicht der Schulträger mit der Aufhebung einer Schule beauftragt ist, sondern die ADD, die das noch nicht vorgenommen hätte. „Die Schule hat fast 28 Anmeldungen. Wenn die Schülerzahlen rückläufig sind, wird die ADD die Aufhebung 2019 beantragen“, meinte Theis-Scholz.
Schon 2011 glaubte der Schulträgerausschuss, dass man alle drei Förderschulen am Asterstein zusammenziehen könnte, um von hier aus die Inklusion voranzutreiben und um parallel an einem Standort ein „pädagogisches Back-Office“ aufzubauen. Ob diese Möglichkeit aber vom Erhalt oder der Größe der Realschule plus Asterstein abhängen werde, wäre durch eine Raumoptimierung zu klären.
Die beschlossene Struktur mit vier völlig eigenständigen Realschulen plus werde durch das Wahlverhalten der Eltern und ihrer Kinder mittelfristig nicht abgedeckt. Die Schullandschaft in der Stadt Koblenz „gymnasialisiert“ sich. Möglicherweise muss der Schulträger „nachjustieren“, hieß es vor etwa fünf Jahren.
2012 wurde die Verwaltung vom Stadtrat beauftragt, sie soll prüfen, unter welchen Voraussetzungen und, in welchem Zeitraum, eine Zusammenlegung der Förderschulen an einem Standort möglich und von der ADD zustimmungsfähig sei. In den folgenden zwei Jahren gab es Info- und Dialoggespräche zwischen Ratsmitgliedern, Schulleitungen und Elternvertretern zur Meinungsfindung über die künftige Schulentwicklung bezüglich der Koblenzer Förderschulen und Realschulen plus.
Aufgrund der Entwicklung der Schülerzahlen wurde damals prognostiziert, dass die Albert-Schweitzer Realschule plus ab dem Schuljahr 2015/16 durchgängig zweizügig sein werde. Aufgrund einer Bedarfsüberprüfung der ADD beschloss dann der Stadtrat im März 2015, dass die Albert-Schweitzer Realschule plus ab dem Schuljahr 2016/2017 keine neuen Fünftklässler mehr aufnimmt, die vorhandenen Schüler aber bis zu ihrem Bildungsabschluss noch unterrichtet werden.
Verfahren zur Aufhebung wurde aufgehoben
Wegen des städtischen Antrags leitete die ADD die nach dem Schulgesetz vorgeschriebenen Benehmensherstellungen mit Schulelternbeirat, Schulausschuss, Regionalelternbeirat und Bezirkspersonalrat ein. Ergebnis: Ein schulisches Bedürfnis am Fortbestand der Albert-Schweitzer-Realschule plus in Koblenz ist gegeben.
Begründet wurde dies 2015 vor allem mit dem Flüchtlingsstrom und der damit erforderliche Aufnahme zusätzlicher Schüler/innen an der Albert-Schweitzer-Realschule plus.
Das Verfahren zur Aufhebung der Albert-Schweitzer Realschule plus zum Schuljahr 2016/2017 wurde sodann bis auf weiteres von der ADD in Konsens mit der Stadtverwaltung ausgesetzt.
Im November 2016 teilte die Stadtverwaltung der ADD aufgrund der rückläufigen Flüchtlingszahlen mit, dass man den Antrag zur Aufhebung der Albert-Schweitzer Realschule plus nun beginnend mit dem Schuljahr 2017/2018 aufrechterhalten möchte.
Erneut leitete die ADD Anfang dieses Jahres eine Beteiligung der verschiedenen Gremien ein.
Die wollten jetzt aber nicht mehr, dass die Albert-Schweitzer Realschule plus aufgelöst wird.
Gründe dafür sind auch, dass die Schule in den Klassenstufen 8 und 9 noch dreizügig ist, 23 Anmeldungen von neuen Fünftklässlern vorliegen und dass die Entwicklungen des neuen Wohngebiets auf dem Gelände der ehemaligen Fritsch-Kaserne auf der Niederberger Höhe abzuwarten ist.
Dennoch wollen Stadtrat und Verwaltung an dem geplanten Umzug der Förderschulen Diesterweg und Hans-Zulliger auf den Asterstein festhalten.
Allerdings seien die zeitlichen Planungen wegen der neuen Ausgangslage entsprechend anzupassen und zu modifizieren.
HEP
Im Jahre 2021 sollt Schluss sein mit der Realschule plus in diesen Gebäuden. Das musste der Stadtrat jetzt ändern.
